Morgenpost Online: Die Feiern zum 100. Geburtstag gingen im Oktober zu Ende – war das vergangene Jahr ein erfolgreiches KaDeWe-Jahr?

Patrice Wagner: In den beiden Jubiläumshauptmonaten, dem März und dem Oktober, haben wir ein Plus von mehr als 20 Prozent erzielt. Das gesamte Jahr lief mit einer zweistelligen Umsatzentwicklung so gut, dass wir auch die ein oder andere schwere Konsumphase kompensieren konnten.

Morgenpost Online: Welche Ziele haben Sie sich für dieses Jahr gesteckt?

Wagner: Wir wollen den Bereich ,Fashion' ausbauen und die Abteilung Accessoires und Schmuck neu gestalten. Beim letzten Umbau ist das Erdgeschoss im Sinne unserer Neupositionierung noch nicht ganz fertig geworden. Auch hier soll das Luxus-Segment weiter ausgebaut werden: ab Sommer kommt zum Beispiel Tiffany hinzu. Außerdem wird unser Luxusboulevard verlängert, mit Marken wie Prada, Tod's und Bottega Veneta schließen wir den Kreis.

Morgenpost Online: Wie viel wird investiert?

Wagner: Die Gesamtsumme – eingeschlossen die Mittel, die unsere Mieter, also die großen Marken, investieren – liegt bei fünf bis sieben Millionen Euro.

Morgenpost Online: Kostet es viel Überzeugungsarbeit, derartige Marken zu gewinnen?

Wagner: Vor fünfeinhalb Jahren war es ein Drama – niemand wollte nach Berlin und auch nicht ins KaDeWe. Es gab keine starken Strukturen, die Berliner waren nicht gerade als ,Fashion Victims' bekannt. Glücklicherweise hat sich die Einstellung geändert, und einige Luxus-Marken konnten wir auch für unser Münchner Premium-Haus, den Oberpollinger, interessieren.

Morgenpost Online: Wie gewinnt man neue Kunden?

Wagner: Wenn man lediglich das Warenangebot betrachtet, dann sind viele Häuser austauschbar. Man muss überlegen, wie man die Menschen zusätzlich animieren und unterhalten kann. Die aktuell stattfindenden ,13 verrückten Tage' haben wir uns zum Beispiel ausgedacht, um den Shopping-Jahreskalender aufzulockern. In Deutschland ist dieser sehr klassisch durch den Saisonstart und den Schlussverkauf gegliedert, dazwischen gibt es nichts, nur Prozentschlachten. Wir haben alle Abteilungen gebeten, ihre Lieferanten nach Topartikeln zu fragen, die nun zu einem Spezialpreis angeboten werden. Das kann ein besonderer Füller, ein Notebook oder eine Lampe sein.

Morgenpost Online: Sind die Kunden in den vergangenen Jahren jünger geworden?

Wagner: Wir haben keine empirischen Ergebnisse vorliegen, aber alle, die hier arbeiten, berichten von einer solchen Verjüngung. Außerdem kann man eine solche Entwicklung anhand unserer Kundenkarten feststellen. Wir haben zwar keinen Fokus auf Teenagern, aber ich kann mir gut vorstellen, dass auch diese sich zu einem späteren Zeitpunkt an das KaDeWe erinnern werden.

Morgenpost Online: Wie sieht es mit Ihren Plänen für einen VIP-Room aus?

Wagner: Ich war gerade erst in Asien unterwegs und habe dort gesehen, wie viel uns dortige Kaufhäuser voraushaben. In einem koreanischen Warenhaus gab es gleich drei verschiedene VIP-Kategorien. Wir würden gern spätestens im kommenden Jahr einen VIP-Room anbieten. Derzeit arbeiten wir auch an einem Konzept für ,personal shopping'. Wer keine Zeit oder Lust hat, kann sich von uns eine Vorauswahl an Produkten zusammenstellen lassen. Außerdem wollen wir das Thema Concierge-Dienst angehen.

Morgenpost Online: Gibt es denn genug Kunden, die diese Art von Service nutzen?

Wagner: In Europa ist es scheinbar immer ein wenig peinlich, serviceorientiert zu sein. Aber wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, dann will man das auch nicht mehr missen. Man sollte die Deutschen da nicht unterschätzen, ich sehe ein Potenzial vor allem bei Geschäftsreisenden. Natürlich sprechen wir mit derartigen Konzepten nicht die gesamte Breite unserer Kunden an, sondern nur einen bestimmten Kreis. Viele davon kaufen längst auf Reisen ein, weil sie sich an den Service in Metropolen wie New York oder London gewöhnt haben.

Morgenpost Online: Werden Sie Ihre Öffnungszeiten noch einmal überdenken?

Wagner: Mit dem langen Freitag und den vier verkaufoffenen Sonntagen im Dezember fahren wir gut, momentan werden viele andere Modelle in Deutschland noch nicht angenommen. Aber ich denke, das ist nur eine Frage der Zeit.