Nach vorsichtigen Schätzungen werden von den privaten und öffentlichen Bauherren rund 800 Millionen Euro in Gebäude in der Friedrich-Wilhelm-Stadt in Mitte investiert, die überwiegend architektonisch modern gestaltet sind. Eine Ausnahme sind die "Kaiserhöfe“, die sich in knapp acht Wochen im Glanz früherer Tage präsentieren sollen. Durch die Restaurierung der Gebäudegruppe Unter den Linden 26 bis 30 – zwischen dem ZDF-Hauptstadtstudio und dem "Haus der Schweiz“ – entsteht ein Haus mit besonderem Ambiente. So erhält das denkmalgeschützte Ensemble eine öffentlich zugängliche Passage, die von Unter den Linden direkt über die Höfe zur Mittelstraße führt. In die Sanierung und Rekonstruktion der historischen Architektur hat die deutsch-spanische Meermann-Chamartin-Gruppe etwa 80Millionen Euro investiert.
Keine fünfzig Meter weiter ostwärts entsteht an der Kreuzung Friedrichstraße und Unter den Linden – auf dem Standort des einstigen Hotels "Unter den Linden“ – ein Wohn- und Geschäftshaus für höchste Ansprüche. Der Versicherungsriese Münchener Rück will in die "Premium-Immobilie“ rund 200 Millionen Euro investieren. Nach der Fertigstellung Ende 2008 sollen in dem achtgeschossigen Gebäudeensemble mit dem Namen „Upper-Eastside“ über 40.000 Quadratmeter für Einzelhandel, Büros und Wohnungen zur Verfügung stehen. "Der Neubau wird sich an den traditionellen Fassaden im Stil des Boulevards der 80er-Jahre des 19. Jahrhunderts orientieren“, heißt es vom Vermarkter des Projektes, der Hines Immobilien GmbH.
Streit um Bebauung des Spreedreiecks
Im unmittelbaren Umfeld des S-Bahnhofs Friedrichstraße wird derzeit gleich an drei Großobjekten gearbeitet. Dabei hat vor allem die geplante Bebauung des Spreedreiecks mit einem 40 Meter hohen Glasturm für Schlagzeilen gesorgt. Ein Baustopp könnte das Projekt des Hamburger Investors Harm Müller-Spreer bremsen. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hatte jüngst auf Betreiben eines Anrainers den Bebauungsplan für das Areal zwischen Bahnhof und Reichstagufer gekippt.
Nach einer vorläufigen Verabredung zwischen dem Investor, der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und dem Bezirksamt Mitte darf zunächst weitergebaut werden. "Diese Zusage gilt bis zu einer Gebäudehöhe von 29 Metern, das entspricht acht Geschossen“, sagt Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD). Ob Projektentwickler Müller-Spreer sein Vorhaben in ursprünglich geplanter Höhe von 40 Metern verwirklichen kann, ist ungewiss. Nach seinen Vorstellungen soll auf dem Spreedreieck bis 2009 ein zweischenkliger Bau entstehen. Der unter Denkmalschutz stehende Tränenpalast wird in das Vorhaben integriert und soll weiter Kulturstandort sein. Das Großprojekt soll rund 100Millionen Euro kosten. Der Hauptmieter für den Büropalast ist das internationale Wirtschaftsunternehmen Ernst & Young, das zunächst einen Vertrag über zehn Jahre abgeschlossen hat.
Auch wenn der Admiralspalast an der Friedrichstraße gegenüber schon als fertig erscheint, wird an der Fassade zur Planckstraße hin noch gewerkelt. Die Rückfront des einstigen Metropol-Theaters muss noch saniert werden.
Auf Hochtouren laufen derzeit die Bauarbeiten für das "Jacob und Wilhelm-Grimm-Zentrum“ der Humboldt-Universität. Die neue Zentralbibliothek der Uni wird nach einem Entwurf des Schweizer Architekten Max Dudler gebaut. Kosten: 75 Millionen Euro. Der elfgeschossige Glasbau wird sich zeitgemäß in die "präsente Kulturlandschaft der Museumsinsel einpassen“, heißt es.
Humboldt-Uni bekommt neue Bibliothek
Herzstück des "Grimm-Zentrums“ wird der in seiner Länge einmalige Lesesaal sein (er zieht sich durch das ganze Gebäude). Die Haupttreppe der Bibliothek verläuft längs des Saals und wird erst in den obersten Geschossen nach außen verlagert. Nach Dudlers Plänen soll die Fassaden- und Innengestaltung an die Typologie eines Bücherregals erinnern. Fertigstellung soll noch in diesem Jahr sein.
Auf dem Grundstück Friedrichstraße100 beginnen in den nächsten Wochen die Arbeiten für ein Fünf-Sterne-Hotel. Das 4000 Quadratmeter große Grundstück war jahrelang Brache und Trümmergrundstück. Ein Hamburger Investor kaufte das Areal vom Liegenschaftsfonds Berlin.
An der Schumannstraße 8, auf der Freifläche zwischen Albrecht- und Reinhardtstraße, gehen die Bauarbeiten für das neue Haus der Heinrich-Böll-Stiftung voran. Neben Büros für 180 Mitarbeiter der Grünen-nahen Parteistiftung wird hier auch ein Tagungs- und Konferenzzentrum entstehen. Das Investitionsvolumen beträgt rund 12,5 Millionen Euro.
Eines der hässlichsten, bei Studenten aber überaus beliebten Gebäude in Berlins Mitte wird in Kürze abgerissen. Die Mensa-Nord der Humboldt-Universität, zwischen Reinhardt- und Schumannstraße gelegen, wird von April an verlagert. Im Moment laufen die letzten Arbeiten für den Aus- und Umbau der ehemaligen Charité-Wäscherei an der Hannoverschen Straße 7 zur neuen Mensa. Im Zweiten Weltkrieg war das Gebäude teilweise zerstört worden. Nach den Planungen soll ein großzügiges Foyer an der Hauptfassade den Eingangsbereich zur Hannoverschen Straße bilden.
Auf dem ehemaligen Mensa-Grundstück soll ein Ensemble aus Wohn-, Büro- und Geschäftshaus entstehen. Nach den Plänen der Meermann-Chamartin-Gruppe wird auf dem Platz vor dem Deutschen Theater ein sechsgeschossiges Gebäude errichtet. Neben Wohnungen sind Bürobereiche geplant, der untere Bereich ist für die Gastronomie vorgesehen. Insgesamt verfügt der Komplex über 20.000 Quadratmeter Fläche.
Lüders-Haus wird bis 2013 erweitert
Erst im nächsten Jahr beginnt im Parlaments- und Regierungsviertel die Erweiterung des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses an der Luisenstraße. Als Hingucker am Spreebogen ist eine 40 Meter hohe Glasrotunde geplant. Der Erweiterungsbau für die Bundestagsabgeordneten ist dabei keine Sparvariante: 198 Millionen Euro Baukosten soll das Gebäude kosten, das 2013 bezugsfertig sein soll.
Wann der Unternehmer Ernst Freiberger seine Vorhaben zwischen der Oranienburger Straße und der Spree starten wird, ist noch ungewiss. Allerdings habe der renommierte Architekt Helmut Jahn bereits mit Vorplanungen begonnen, heißt es. Ernst Freiberger hatte im Mai 2007 mit seiner Tochtergesellschaft "Forum Museumsinsel KG“ für rund 31 Millionen Euro das Areal der ehemaligen Charité-Frauenklinik an der Monbijoustraße erworben. Zuvor hatte Freiberger bereits das Grundstück an der Oranienburger Straße gekauft, auf dem das frühere Haupttelegrafenamt steht.




