„Widerlich und menschenverachtend“, so bezeichnete ein Kripo-Beamter mit mühsam unterdrückter Wut die Umstände eines Raubüberfalls, dem am Dienstag ein schwer behinderter Mann aus Schmargendorf zum Opfer fiel. Mitten auf einer belebten Kreuzung an der Rheinstraße in Steglitz griffen zwei unbekannte Männer den 63-jährigen Henry P. an, zerrten ihn in ein Auto und zwangen ihn zur Herausgabe seiner EC-Karte und der dazugehörigen Geheimnummer. Damit räumten sie anschließend das Konto des Frührentners leer.

Am Vormittag hatte P. einen Arzt an der Rheinstraße aufgesucht. Der Rentner leidet an der unheilbaren Parkinsonkrankheit (Schüttellähmung), hat Zucker und ist stark sehbehindert. Er befindet sich daher seit Jahren in ständiger ärztlicher Behandlung. Nach dem Arztbesuch hob P. an einem nahe gelegenen Bankautomaten noch Bargeld ab. „Etwas mehr als sonst“, erzählte er noch sichtlich geschockt. Am Dienstag war sein 42. Hochzeitstag und aus diesem Anlass wollte er am Abend mit seiner Frau essen gehen.


Doch was ihn an dem Tag noch erwartete, war keine Feier, sondern ein Albtraum. „Wie aus heiterem Himmel“ sei am Bankautomaten ein Mann aufgeraucht und habe ihn in ein wartendes Auto gezerrt, berichtete der gelernte Feinmechaniker. Im Wagen sei er von dem brutalen Angreifer und dessen Komplizen bedroht und zur Herausgabe seiner Brieftasche und der Geheimnummer seiner EC-Karte gezwungen worden. Was folgte, war eine sechsstündige Irrfahrt. Dabei hielt der Fahrer mehrfach an und der zweite Täter stieg aus, um mit P.s EC-Karte Geld an verschiedenen Automaten abzuheben.

„Ich weiß nicht mehr, wo wir überall waren und wie oft wir angehalten haben. Ich habe kaum etwas mitbekommen und hatte einfach nur Angst“, berichtete der 63-Jährige. Zwischenzeitlich habe er den beiden Männern gesagt, dass er regelmäßig Medikamente nehmen müsse und dazu Wasser benötige. Doch das beeindruckte die Täter offenbar nicht im Mindesten. „Einer sagte mir nur, es müsse eben ohne Wasser gehen“, erzählte P. Der Kripo, so der Rentner, habe er nur eine vage Täterbeschreibung geben können: groß, schlank, schwarzhaarig, südländisches Aussehen.

Am späten Dienstagnachmittag setzten die Täter ihr Opfer am Breslauer Platz in Friedenau ab. Alles was sie ihm ließen, war sein Schwerbehinderten-Ausweis. „So konnte ich wenigstens mit dem Bus nach Hause fahren, wo meine Frau natürlich schon in großer Sorge war“, schilderte das Opfer das Ende seiner stundenlangen Irrfahrt.

Das Ende des Albtraums scheint damit allerdings noch nicht gekommen. „Im Moment weiß ich nicht, ob ich mich noch mal allein auf die Straße traue“, sagte der Frührentner. Geldabheben, so P., werde er künftig in jedem Fall nur noch in Begleitung.