Seit dem Ausbruch der Maul- und Klauenseuche (MSK) bei Wasserbüffeln im Landkreis Märkisch-Oderland vor einer Woche, herrscht viel Ungewissheit in den beiden Bundesländern Berlin und Brandenburg. Die hochansteckende Viruserkrankung breitet sich unter Rindern, Schafen, Ziegen und Schweinen aus, auch Zoo- und Wildtiere können erkranken – weshalb sehr viele Betriebe und Einrichtungen in und rund um Berlin betroffen sind oder begründete Angst vor einer Ansteckung haben.
Geschlossene Einrichtungen, finanzielle Sorgen
Ein zweiter Verdachtsfall von MSK im brandenburgischen Landkreis Barnim hat sich nicht bewahrheitet, wie Bundesagrarminister Cem Özdemir am Freitagmorgen bestätigte. In der Nacht zu Freitag hätten Experten des Friedrich-Loeffler-Instituts die verdächtige Ziege untersucht. Damit bleibt es bei dem einen bekannten Ausbruch, an dessen Folgen auch Berliner Existenzen hängen. Bei der Recherche im Internet fällt auf, dass dutzende Kinderbauernhöfe und Tierhöfe auf ihren Webseiten melden, dass sie vorübergehend geschlossen sind – gerade auch bei denen, die nicht in der zehn Kilometer großen Überwachungszone liegen, die von Hönow aus bis in die Bezirke Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf reicht.
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„Wir haben den Hof geschlossen und haben keine Ahnung, wie lange das noch so bleiben wird. Das Veterinäramt entscheidet und wir haben keine neuen Informationen bekommen, deshalb ist jetzt alles ungewiss“, sagt eine Mitarbeiterin des Kinderbauernhofs im Görlitzer Park. Die Tiere auf ihrem Hof seien alle sehr wohl auf und es gebe keinerlei Anzeichen von kränkelndem Verhalten unterhalb von ihnen.
Trotzdem stelle man das Wohl und den Schutz von ihnen an vorderste Stelle. Eine große Sorge seien vor allem die kurz- und mittelfristigen fehlenden Einnahmen: „Wenn die Besucherinnen und Besucher nicht kommen, wird es eng mit dem Geld und unsere Existenz ist in Gefahr. Vor allem an den Wochenenden haben wir viele Angebote, die jetzt nicht wahrgenommen werden können.“ Auf ihrer Internetseite steht: „Wir halten euch auf dem Laufenden!“, mehr können die Verantwortlichen des Kinderbauernhofs ihren Besucherinnen und Besuchern aktuell nicht mit auf den Weg geben.
Warten auf Ergebnisse, stagnierende Ausgangslagen
Auch auf weitere Nachfrage der Morgenpost beim Abenteuerspielplatz und Kinderbauernhof Waslala in Treptow-Köpenick ist die Lage unverändert. Der Betrieb bleibt eingeschränkt, nur Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nähern sich weiterhin den Schafen und Ziegen, Besucherinnen und Besucher kommen mit den Tieren nicht in Berührung. „Mit außenstehenden Tieren kommen sie auch nicht in Kontakt“, berichtet Jennifer Langer, die für den Kleintierbetrieb verantwortlich ist. Der Rest des Geländes inklusive des Gartenbereichs bleibe weiterhin geöffnet.
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Der Betrieb auf dem Tierhof „Helle Arche“ im nördlichen Teil vom Bezirk Marzahn-Hellersdorf liegt seit dem 10. Januar brach. Da die Einrichtung nur wenige hundert Meter entfernt von der Landesgrenze zu Brandenburg liegt und somit auch in der Schutzzone. Dort leben Ziegen, Schweine und Schafe – Ende letzter Woche starb das Schaf „Rocky“, was den Verdacht der Maul- und Klauenseuche bekräftigt hat. Die Probe des Veterinäramtes ergab aber, dass es nicht im Zusammenhang steht. „Die Ungewissheit ist groß. Wir warten auf die Ergebnisse weiterer Proben“, sagt Monty Geiseler, der Leiter des Tierhofs. Mitte dieser Woche hat das Amt Proben bei 25 Schafen und Ziegen entnommen, am Freitagmorgen folgten die Schweineproben.
Mögliche Lockerungen im Februar in Sicht
Wenn alle Proben negativ sein sollten, rechnet man in Hellersdorf mit Lockerungen, die Mitte Februar in Kraft treten könnten. „Wir können uns knapp über Wasser halten. Die angesparten Mittel sind aber auch nicht endlos“, berichtet der Tierhofleiter. In den Wintermonaten würde der Anziehungspunkt für die ganze Familie schätzungsweise zwischen 1000 und 1200 Euro einnehmen. Fehlende Einnahmen, die dem durch Spenden finanzierten Hof sehr weh tun: „Wir haben jetzt natürlich andere Ausgaben. Doppelt so viel wie zuvor“, die für Desinfektionsmittel und Schutzausrüstung wie Handschuhe, Masken, Anzüge und Gummistiefel draufgehen würden.
„Für Menschen ist die Maul- und Klauenseuche ungefährlich, dennoch kann ein Mensch das Virus beispielsweise an Kleidung haftend übertragen. Die zuständigen Behörden müssen Vorsichtsmaßnahmen einleiten, um die Weiterverbreitung des Virus zügig zu unterbinden“, heißt es in einer Mitteilung des Berliner Zoos, der genau wie der Tierpark vorübergehend geschlossen ist, um die tierischen Bewohner vor einer Ansteckung schützen zu können. Im Tierpark leben laut den Angaben des Direktors Andreas Knieriem rund 500 Tiere, die für das Virus empfänglich wären: „Wenn sich schon ein Tier infizieren würde, dann wäre auch ein großer Teil unseres Bestands gefährdet.“
Agrarminister Cem Özdemir will einen Hof „aufgeben“
Bei der gerade gestarteten Grünen Woche steht die Maul- und Klauenseuche natürlich ebenfalls im Mittelpunkt. In seiner Eröffnungsrede betonte Minister Cem Özdemir, „dass es unser Ziel sein muss, dass kein Hof deswegen aufgeben muss.“ Eine enge Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und der Europäischen Kommission in puncto Entschädigungssystem solle die Auswirkungen der Krise „begrenzt halten.“ Aufgrund des Ausbruchs der Krankheit verzichten die Veranstalter in diesem Jahr auf Schafe, Ziegen und Rinder – dafür gibt es vor Ort andere Tiere wie Bienen und Katzen zu sehen.





