Für Eichhörnchen beginnt jetzt das große Sammeln: Zum Herbsteinbruch lassen sich auch in Berlin die Nager wieder dabei beobachten, wie sie Nüsse für den Winter vergraben. Zwei Experten beschäftigen sich beruflich mit den Tieren. Sie erklären, warum die Berliner Eichhörnchen vor den invasiven Grauhörnchen geschützt sind und verraten den richtigen Umgang mit ihnen.

Nahrungsknappheit gibt es in der Großstadt für die Nager eigentlich nicht. „Wer Eichhörnchen mag und einen Garten hat, kann dort aber Haselnusssträucher oder Walnussbäume anpflanzen“, rät Sinah Drenske. „Das ist gut für alle Tiere, auch Vögel und Insekten.“ Drenske forscht am Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung zu Eichhörnchen und rät: „Außer Samen und frischen Beeren können natürlich auch Nüsse angeboten werden.“ Im Sommer können auch Schalen mit Wasser hingestellt werden, sollen aber regelmäßig sauber gemacht werden, um Krankheiten zu vermeiden.

So sollte man Eichhörnchen nicht füttern

Von Erdnüssen rät die Zoologin dagegen ab: „Ich vergleiche das immer mit Fast Food. Erdnüsse zählen nämlich nicht zur natürlichen Nahrung, auch wenn sie von manchen Eichhörnchen gern angenommen werden.“ Noch wichtiger ist Drenske aber, die Tiere nicht aus der Hand zu füttern. „Eichhörnchen gewöhnen sich schnell an den Menschen, aber das heißt nicht, dass sie nicht zubeißen.“

Der Wildbiologe Dr. Norbert Kenntner weiß, dass Eichhörnchen zudringlich werden können. „Man muss auf vielen Berliner Friedhöfen nur die Hand ausstrecken und schon kommen Eichhörnchen, die denken, dass es Futter gibt.“, sagt er. „Viele Berliner füttern die Tiere leider aus der Hand, das verleitet sie dann oft zu Fehlannahmen.“ Eine gute Idee sei es, stattdessen im Winter draußen Vogelfutter aufzustellen. Daran können sich auch die Eichhörnchen bedienen.

Eine Art aus Nordamerika wird zum Ärgernis

Kenntner arbeitet für die „Stiftung Naturschutz Berlin“ und weiß, wo sich die Tiere tummeln: „Beliebt sind strukturreiche Wälder, Parkanlagen und Friedhöfe. Auch in meinem eigenen Garten beobachte ich die Tiere beim Vergraben der Nüsse. Mit Sicherheit hat eines von ihnen auch unseren Walnussbaum angepflanzt“, sagt er.

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Eine eingeschleppte Art aus Nordamerika ist in Teilen Europas aber schon länger ein Ärgernis. Das Grauhörnchen verdrängt das hierzulande heimische eurasische Eichhörnchen – vielleicht auch wegen eines besseren Gedächtnises. „Grauhörnchen sind kompetenter im Auffinden der selbst versteckten Nüsse, das ist ein Vorteil für sie“, sagt Kenntner.

Art aus Nordamerika bedroht heimische Eichhörnchen

Das Grauhörnchen wurde im 19. und 20. Jahrhundert nach Europa eingeschleppt. In Großbritannien und Norditalien hat es das heimische Eichhörnchen teils ganz verdrängt. „Wir können uns glücklich schätzen, dass es bei uns nicht wie in Großbritannien ist. Dort lebt das eurasische Eichhörnchen fast nur noch in Nadelwäldern, wo wenig Nahrung zur Verfügung steht“, sagt Kenntner.

Droht denn eine Ausbreitung des Grauhörnchen bis nach Berlin? Der Wildbiologe kann Entwarnung geben: „In Berlin gibt es viele Habichte, die auch Nagetiere fressen. Eurasische Eichhörnchen hatten lange Zeit, sich an die Ko-Existenz mit ihnen zu gewöhnen. Grauhörnchen haben sich nach meiner Einschätzung längst nicht so adaptiert und wären vermutlich schnelle Beute.“

EICHHÖRNCHEN IN NORDHAUSEN
Eichhörnchen bleiben gerne im Schutz von Hecken oder dem Dickicht von Bäumen.© FUNKE Foto Services | Marco Kneise

Expertin warnt vor Verwechslung

Die Behörden haben die Grauhörnchen schon länger auf dem Schirm, sie dürfen in der EU nicht gehandelt werden. Grauhörnchen bleiben in Deutschland damit weiter Einzelfunde. Die Fellfarbe allein taugt zur Unterscheidung, betont Zoologin Sinah Drenske: „In Berlin sind die eurasischen Eichhörnchen meist dunkelbraun oder hellrot. Trotzdem kann auch ihr Fell grau sein.“

Über das Leben der Eichhörnchen in der Großstadt bleibt vieles noch unbekannt. Sinah Drenske vom Institut für Zoo- und Wildtierforschung will mehr über die Nager in Berlin herausfinden und beobachtet auf ausgewählten Flächen regelmäßig die Entwicklung der Populationen und das Verhalten der einzelnen Tiere. Die Daten vergleicht die Zoologin mit Messungen vom Land, wo die Tiere weniger menschlichen Stress-Faktoren ausgesetzt sind.

Bürger können Forschern helfen

Bei einem anderen Projekt können Bürger der Forscherin und ihren Kollegen helfen. Über eine eigene Website kann jeder Zufallssichtungen und Langzeitbeobachtungen der Tiere melden, etwa aus dem eigenen Garten oder vom Balkon aus. Durch die Kooperation vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung mit dem NABU und dem Nabu-Naturgucker-Portal wollen Forscher die Entwicklung der Tiere in ganz Deutschland verstehen, nicht nur Berlin.