Verwittert ist das Gelände der ehemaligen Lungenklinik Heckeshorn in Wannsee, aber nicht verfallen. Die Häuser liegen versteckt im Wald hinter hohen Bäumen und Büschen. Das Ufer des Wannsees ist nicht weit. Seit dem Umzug in das Emil-von-Behring-Krankenhaus nach Zehlendorf im Juli 2007 stehen die Gebäude leer – wenn nicht gerade wieder Filmteams eine Serie dreht. Einige Krankenhausgebäude, die erst in den 1990er-Jahren entstanden, sind noch voll funktionstüchtig.
Gelände ist ein „Sondergebiet Krankenhaus“
Im Bebauungsplan ist das Gelände als „Sondergebiet Krankenhaus“ eingetragen. Inwieweit ist es möglich, diesen Gesundheitsstandort zu revitalisieren? Diese Frage will der FDP-Ortsverband Zehlendorf-Wildwest in einer Debatte am Donnerstag, 28. März, ab 19 Uhr im Clubrestaurant des Vereins Seglerhaus am Wannsee, Am Großen Wannsee 22-26, klären.
Transparente Entwicklung im Einvernehmen mit Anwohnern
„Der Bezirk hatte 13 Jahre lang die Planungshoheit, die hätte er aktiv nutzen können“, sagt der Ortsverband-Vorsitzende Sebastian Czaja. Er habe davon aber keinen Gebrauch und weder einen Gesundheitsstandort noch Alternativkonzepte vorgeschlagen. Dabei gebe es Konzepte für ein neues Quartier, unter anderem vom Diakonieverein. „Ein Gesundheitsstandort ließe sich relativ schnell realisieren“, sagt Czaja. Das Gelände müsste kiezverträglich entwickelt werden im Einvernehmen mit den Anwohnern und transparent für alle. „Derzeit gibt es zu viele Spekulationen, das schafft kein Vertrauen“, so Czaja.
Erste Konzepte für neues Stadtquartier
Ganz so untätig war der Bezirk nicht. Nach Auskunft der Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) wurde in Zusammenarbeit mit der landeseigenen Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) ein erstes Konzept erarbeitet, das die verschiedensten Nutzungen wie Wohnungen, Schule, Kita und Café vorsah. „Das Konzept war plausibel“, so Richter-Kotowski. Auch die geplante Erweiterung der gegenüberliegenden Krankenpflegeschule wäre ein wichtiger Beitrag zur Stärkung der Kranken- und Pflegeberufe in Berlin gewesen.
Nutzung der Bestandsbauten sind von zentraler Bedeutung
Doch es gibt einen Streitpunkt zwischen Senat und Bezirk. Schon heute leben auf dem ehemaligen Klinikgelände etwa 100 Flüchtlinge. Der Senat will dort weitere 600 Flüchtlinge unterbringen. Dagegen wehrt sich der Bezirk. „Ein Herauslösen von einer 35.000 Quadratmeter großen Fläche für eine reine Flüchtlingsunterbringung macht jedes integrative und vielfältige Konzept leider unmöglich“, sagte die Bezirksbürgermeisterin in der Sitzung der Bezirksverordneten. Die Nutzung der sogenannten Bestandsbauten sei in jedem Konzept von zentraler Bedeutung.
Senat hat das Verfahren an sich gezogen
Um auf dem „Sondergebiet Krankenhaus“ Flüchtlinge unterzubringen, muss der Bebauungsplan geändert werden. Das hat der Bezirk bis heute nicht getan. Daraufhin hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung das Verfahren jetzt an sich gezogen. Senatorin Katrin Lompscher (Linke) hat den Bezirk in einem Schreiben wissen lassen, dass sie sich „zur Wahrung dringender Gesamtinteressen Berlins“ dazu gezwungen sehe, von ihrem Eingriffsrecht Gebrauch zu machen.
Interessen des Bezirks werden berücksichtigt
Um die Aufstellung und die Festsetzung des Bebauungsplans wird sich nun ihre Verwaltung kümmern. Sie sei aber bestrebt, so die Stadtentwicklungssenatorin, „die Interessen des Bezirks angemessen im Planverfahren zu berücksichtigen.“ Weiter heißt es: „Selbstredend wird mein Haus bei der Aufstellung des Bebauungsplans dem Grundsatz der städtebaulichen Konfliktbewältigung Rechnung tragen.“
Flüchtlinge sollen auch in Bestandsgebäude
Katrin Lompscher lässt keinen Zweifel daran, dass die Unterbringung von Flüchtlinge und sonstigen wohnungslosen Personen nicht nur in modularen Unterkünften (Muf) sondern auch in Bestandsgebäuden dringend erforderlich ist. Sie will keine Verzögerung des nötigen Bebauungsplanverfahrens mehr hinnehmen, um das dringende Gesamtinteressen Berlins nicht zu beeinträchtigen.
Vorschlag: Generationsübergreifendes Wohnen
Nach Auskunft von FDP-Ortsverbandschef Sebastian Czaja wird die BIM am Donnerstag ihr Konzept für ein Stadtquartier vorstellen, das von 750 bis 1000 Flüchtlingen ausgeht. Dazu sollen 200 Wohnungen sowie eine Kita und eine Schule entstehen. Das Thema Gesundheit soll in diesem Konzept gar nicht mehr vorkommen. Der Diakonieverein hat bereits vor knapp zwei Jahren vorgeschlagen, einen Gesundheitscampus mit generationsübergreifendem Wohnen auf dem alten Krankenhaus-Gelände zu vereinen.
Baustopp wegen Fledermäusen
Sebastian Czaja stellt sich die Debatte am Donnerstag als „einen ersten informativen Aufschlag“ vor. Mit dabei sind unter anderen die Finanzstaatssekretärin Margaretha Sudhof, die BIM-Geschäftsführerin Birgit Möhring und Heike Fadeni-Biessei, Geschäftsführerin der Wannseeschulen. Noch ist Zeit. Denn im Moment kann sowieso nichts auf dem Gelände getan werden. Das Verwaltungsgericht hat einen Baustopp angeordnet. Schuld daran sind die Fledermäuse.



