Saubere Stadt

Mit Lastenrädern sollen Neuköllner ihren Sperrmüll entsorgen

Der Bezirk Neukölln hat für 45.000 Euro sechs Fahrräder gekauft, mit denen Bewohner Sperrmüll kostenlos entsorgen sollen.

Die Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe, Ramona Pop und der Bezirksbürgermeister von Neukölln, Martin Hikel, nehmen sechs verschiedene Lastenfahrräder für das Bezirksamt Neukölln in Betrieb.

Die Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe, Ramona Pop und der Bezirksbürgermeister von Neukölln, Martin Hikel, nehmen sechs verschiedene Lastenfahrräder für das Bezirksamt Neukölln in Betrieb.

Foto: Nina Kugler

Etwas unbeholfen wirkte Ramona Pop am Montag, als sie sich mit Rock und Pumps in Neukölln aufs Fahrrad schwang. Doch die Grüne Wirtschaftssenatorin wollte es sich partout nicht nehmen lassen, eines der insgesamt sechs neuen Lastenräder des Bezirksamts auszuprobieren. Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) hatte die jüngst für den Bezirk für insgesamt rund 45.000 Euro angeschafft. Das Geld stammt aus Mitteln des Aktionsprogramms „Saubere Stadt“ aus Pops Senatsverwaltung.

Die Müllabfuhr der Zukunft rollt auf drei Rädern

Und geht es nach den Vorstellungen von Hikel und Pop, soll die Müllabfuhr künftig auf drei Rädern durch den Bezirk rollen. Betrieben durch kräftiges Treten in die Pedale – oder mit Unterstützung von kleinen E-Motoren. Denn die Zukunft der Müllentsorgung soll Lastenrad heißen.

Die neu angeschafften Lastenräder sind Teil der Kampagne „Schön wie wir – für ein lebenswertes Neukölln“. Sie sollen künftig vor allem für den Abtransport von Sperrmüll verwendet werden. „Sauberkeit gibt den Bürgern ein Gefühl von Sicherheit“, sagte Pop bei der Vorstellung der Lastenräder. Die Räder stehen den Neuköllnern kostenlos zur Verfügung. Wer kein Auto besitzt, soll sich einfach eines der Räder ausleihen und seinen Sperrmüll zur Mülldeponie fahren können, so die Idee. Anmelden für eines der Räder kann man sich bisher online unter www.schoen-wie-wir.de. Eine eigene Webseite fürs Ausleihen sei aber in Arbeit, sagte Hikel.

Viele Müll-Hotspots in Neukölln

Sieben sogenannte Müll-Hotspots gibt es in Neukölln. An diesen Orten wird besonders häufig illegal Sperrmüll entsorgt. Das Ordnungsamt hat diese Stellen zwar besonders im Blick. „Aber die Menschen müssen selbst aktiv werden und mit anpacken“, sagte Hikel am Montag. Er versprach zudem in kurzer Zeit noch ein siebtes Lastenrad kaufen zu wollen. Denn: „Es gibt viele vermüllte Ecken im Bezirk.“

Aber nicht nur für die Sperrmüllentsorgung sind die sechs neuen Räder gedacht. Auch das Bezirksamt will sie nutzen, zum Beispiel für die interne Postverteilung zwischen den verschiedenen Standorten oder als Transportmittel.

Rad kann bis zu drei Kühlschränke transportieren

Das kleinste der Räder hat vor dem Lenker eine großen Eimer hängen – hiermit können eher Kleinigkeiten transportiert werden. Das größte der sechs Lastenräder hingegen hat einen E-Motor und einen großen Anhänger hinten dran. Damit können bis zu drei Kühlschränke befördert werden.

Insgesamt stellte die Senatsverwaltung allen zwölf Berliner Bezirken drei Million Euro im Rahmen des Aktionsprogramms „Saubere Stadt“ zur Verfügung. Neukölln erhielt aus diesem Topf in diesem Jahr insgesamt 560.000 Euro. Die Bezirke dürfen eigenständig entscheiden, für welches Projekt sie das Geld einsetzen.

Pankow beispielsweise nutzt das Geld, um unter dem U-Bahnhof Eberswalder Straße häufiger sauber zu machen. Taubenkot, Urin, Pommes auf dem Pflaster und Graffiti an den Pfeilern: Zweimal am Tag arbeitet sich eine Patrouille seit Mitte Dezember unter dem Viadukt voran. Nach der Trockenreinigung durch die Berliner Stadtreinigung (BSR) tritt sogleich eine private Reinigungsfirma im Namen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) mit Dampfstrahlern in Aktion.

Der Bezirk Mitte hingegen hatte beispielsweise Ende letzten Jahres kurzzeitig Müll-Detektive eingestellt, die Müllsündern auf die Schliche kommen sollten. Der Einsatz der Detektive kostet den Bezirk fast 10.000 Euro. Insgesamt hatte Mitte aus dem Aktionsprogramm „Saubere Stadt“ 700.000 Euro erhalten. Bis Ende Dezember 2018 waren davon 200.000 verplant, unter anderem für 160 zusätzliche Mülleimer im Bezirk.

Berlin hat Problem mit Müll

Doch nicht nur Neukölln hat Müll-Hotspots – illegal entsorgter Sperrmüll ist in ganz Berlin ein Problem. Deshalb wurden auch mehr als 100 neue Stellen in der ganzen Stadt in den Ordnungsämtern geschaffen. 8,4 Millionen Euro machte Berlin 2018 dafür locker. Die neuen Ordnungsamtmitarbeiter sollen eingesetzt werden, um vermehrt diese Müll-Hotspots zu beobachten. Doch Mitte Januar waren mindestens 23 dieser Stellen noch nicht besetzt. Und weitere 28 neue Ordnungsamtmitarbeiter sind zwar eingestellt worden, aber noch nicht im Einsatz.

Die Gründe, warum die Stellen in den Ordnungsämtern nur schleppend besetzt werden, sind vielfältig. Zum einen finden sich häufig keine geeigneten Bewerber. Zum anderen ist die Bezahlung in den Bezirken niedriger als beim Land oder Bund – weshalb es weniger Bewerber gibt.