Für die beiden Boulevardtheater am Kurfürstendamm beginnt am Dienstag eine gänzlich mietvertragsfreie Zeit. An diesem Tag läuft der Vertrag für die Komödie am Kurfürstendamm aus. „Das ist für uns wirklich nicht schön, aber ja auch kein neues Gefühl. Wir sind immer noch da und machen Programm“, sagte Theaterdirektor Martin Woelffer. Zumindest mündlich sei ihm für beide Spielstätten eine Vertragsverlängerung in Aussicht gestellt worden. Außerdem werde ja auch weiter Miete gezahlt.
Die beiden Boulevardtheater sind trotz ihrer mehr als 80-jährigen Geschichte bedroht, weil das Kudamm-Karree umgebaut werden soll. Ende 2005 kündigte der damalige Besitzer, die DB Real Estate, die Mietverträge der beiden Theater zu Ende 2006. Es gab großen öffentlichen Protest. Im Juni 2006 wurden die Mietverträge dann bis Mitte 2007 verlängert. Doch im Dezember 2006 verkaufte die DB Real Estate das Kudamm-Karree an den Private-Equity-Fonds Fortress. Der verlängerte die Verträge bis 15. Januar und 30. Juni 2008. Im September 2007 wurde das Karree dann an die irische Ballymore Properties veräußert.
Max Reinhardt gründete die Bühnen einst
Martin Woelffer, der die Bühnen in der dritter Generation leitet, bleibt trotz der seit Langem unklaren Vertragslage optimistisch: „Wir halten daran fest, beide Theater weiter zu bespielen und zu erhalten. In diesem Sommer nehmen wir den Komödienklassiker ,Pension Schöller’ wieder ins Programm.“ Ein ganz besonderer Höhepunkt im Herbst werde sicherlich „Die 39 Stufen“ mit Ingolf Lück. Schauspieler wie Dieter Landuris, Manon Straché, Heinrich Schafmeister, Edith Hancke, Klaus Sonnenschein, Anita Kupsch, Herbert Herrmann, Nora von Colande und Achim Wolff hätten sich bis Ende 2009 verpflichtet. Auch für die Spielzeit 2010/2011 liefen die Planungen bereits auf Hochtouren.
Die Grünen im Abgeordnetenhaus forderten den Senat am Freitag auf, sich „endlich wirklich aktiv in die Verhandlungen mit dem Eigentümer zu begeben, um einen Mietvertrag für die Nutzer zu erreichen“. Am Montag werde sich der Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses mit dem Antrag der Grünen befassen, die beiden Theater endlich unter Denkmalschutz zu stellen, teilte Alice Ströver, kulturpolitische Sprecherin der Grünen, mit. „Denkmalschutz ist der beste Mieterschutz und deswegen aus stadt- und kulturpolitischer Sicht absolut sinnvoll. Längst ist durch viele Gutachten die stadtgeschichtliche und architektonische Bedeutung der beiden Bühnen aus den 20er-Jahren belegt, die von Max Reinhardt gegründet wurden“, sagte Ströver weiter.





