Als Friedrich Hahn am 29. September 1851 eine Tischlerei eröffnete, war Tempelhof noch ein Dorf vor den Toren Berlins. Heute, 175 Jahre später, feiert die fünfte und sechste Generation Jubiläum. Hahn ist das älteste Bestattungsinstitut Berlins im Familienbesitz. Editha Hahn und ihr Sohn Robert leiten den Betrieb in fünfter und sechster Generation.
Gefeiert wurde das Jubiläum Ende September in der großen Trauerhalle in Mariendorf, mit dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner, der gesamten Belegschaft und einer Spende von zweimal 5175 Euro: an Berliner helfen e.V., den Verein der Berliner Morgenpost, und an das Haus Jona in Staaken, das Kinder aus sozial schwierigen Verhältnissen betreut. „Die Geschichte unseres Unternehmens ist mit der Geschichte Berlins verbunden. Wir wollen auch etwas zurückgeben“, sagte Geschäftsführer Robert Hahn. Die zahlreichen Gäste spendeten anlässlich des Jubiläums weitere 20.000 Euro für das Haus Jona.

175 Jahre Hahn-Bestattungen: Wie ein Familienbetrieb Geschichte schreibt
Angefangen hat alles vor 175 Jahren mit Tischlermeister Friedrich Hahn. Er baute Möbel und vor allem Särge. Sein Sohn Theodor übernahm 1880 die Werkstatt. 1892 zog der Betrieb in das neue Stammhaus an der damaligen Zossener Chaussee, dem heutigen Tempelhofer Damm 157. Um die Jahrhundertwende arbeiteten dort rund 100 Mitarbeiter. Im selben Jahr kam ein Laden mit Sargausstellung hinzu. Trauerzüge fuhren noch mit Kutschen.

Theodor Hahn starb plötzlich, 1922 übernahm sein Sohn Willi. Im Zweiten Weltkrieg führte dessen Frau Gertrud das Geschäft. 1944 zerstörten Bomben den Betrieb am Tempelhofer Damm. Gertrud Hahn baute ihn allein wieder auf. 1948 flogen die Rosinenbomber der Luftbrücke über Tempelhof – im selben Jahr eröffneten die ersten Filialen in Lankwitz und Lichterfelde. 1968 entstand in der Mariendorfer Reißeckstraße eine eigene Sargfabrik. 1984 liefen Buchhaltung und Aufträge über den Computer, mit selbst entwickelter Software.
Hahn setzt auf Innovation und Tradition
„Wir waren damit Vorreiter im Bestattungsgewerbe und haben uns digital ständig weiterentwickelt. Das hat uns besonders in der Corona-Zeit sehr geholfen“, sagt Robert Hahn. Für den 45-Jährigen stand nicht von Anfang an fest, dass er in das Unternehmen einsteigt: „Nach dem Abitur habe ich eine Lehre gemacht und dann Jura studiert“, erzählt er. Seine Mutter hatte das Geschäft 1989 von ihrem Vater übernommen. In langen Gesprächen mit ihr reifte die Entscheidung: „Bei unserer Arbeit geht es darum, Menschen zu helfen, sie in schweren Stunden zu begleiten. Das ist das, was ich machen will“, erzählt er.
Das Jurastudium hat er trotzdem mit dem zweiten Staatsexamen abgeschlossen und parallel dazu 2012 die Ausbildung zum Meister gemacht, als einer der ersten Bestattermeister in Berlin. „Ich habe meine Entscheidung noch keinen Tag bereut“, sagt er.

2013 zog die Zentrale in die umgebaute Sargfabrik nach Alt-Mariendorf. Der historische Standort am Tempelhofer Damm blieb als eine von neun Filialen erhalten. Bei der Jubiläumsfeier war auch die siebente Generation Hahn dabei. „Meine Söhne sind fünf und neun Jahre alt. Der Große will Bestatter werden, aber nur, weil es bei Oma in der Firma immer Süßigkeiten gibt“, sagt Robert Hahn. Auch für seine Kinder wird es keinen „Zwang“ geben, das Unternehmen zu übernehmen. Aber den gleichen Rat, den er auch bekommen hat: „Lebt Euer Leben, aber liegt nicht auf der faulen Haut!“
Für die Kinder und alle anderen Gäste gab es zum Jubiläum ein Wimmelbuch mit liebevoll gezeichneten Details zur Geschichte des Berliner Familienunternehmens Hahn.



