Beim Verein Freunde alter Menschen geht es um die Begegnungen und das Miteinander zwischen Jung und Alt. Die 1946 in Frankreich gegründete Freiwilligenorganisation ist weltweit aktiv und auch in Berlin vertreten. 300 Freiwillige engagieren sich in den Bezirken Reinickendorf, Pankow, Mitte, Charlottenburg-Wilmersdorf, Friedrichshain-Kreuzberg, Lichtenberg, Tempelhof-Schöneberg und Neukölln. Sie besuchen alte Menschen, die allein leben und sich soziale Kontakte wünschen.
Eine von ihnen ist die 72-jährige Angelika. Als sie vor sechs Jahren wegen gesundheitlicher Probleme aus ihrer gewohnten Umgebung in eine seniorengerechte Wohnanlage zog, ging es ihr weder körperlich noch seelisch gut. Hinzu kam die Einsamkeit. „Ich war verzweifelt“, erinnert sie sich. Bei der Telefonseelsorge bekam sie den Hinweis, sich an die Caritas zu wenden. Dort wurden ihr die Freunde alter Menschen empfohlen.
Nach ausführlichen Gesprächen und Kennenlerntreffen vermittelte ihr der Verein die 42-jährige Ulrike als Besuchspartnerin. Heute sind die Frauen enge Freundinnen. Bei den Treffen war auch Ulrikes Mutter schon mehrfach dabei. Sie ist im gleichen Alter wie Angelika und reist ab und zu aus Mecklenburg-Vorpommern nach Berlin. Die drei Frauen haben schon gemeinsam einen Bootsausflug unternommen und waren im Friedrichstadtpalast.
Ich schätze ihren frechen Humor.
Ulrike (42) über ihre Freundin Angelika (72)
„Der Austausch mit Angelika ist mir enorm wichtig. Das richte ich immer ein“, sagt die berufstätige Ulrike. Jede Woche sprechen sie mindestens eine Stunde am Telefon, „ohne Grenzen und alles sehr offen“, sagt Ulrike: „Ich finde es einfach wunderbar, dass Angelika aufrichtiges Interesse zeigt und gezielt nachfragt. Und ich schätze ihren frechen Humor.“ Für Angelika, die auf einen Rollator angewiesen ist, bedeutet die Freundschaft Halt und Antrieb: „Ulrike hat mir wichtige Anstöße gegeben und mich aus Tiefs herausgeholt“. Sie sei wieder ein „lebendiger Mensch“ mit Interessen, mache regelmäßiges Gedächtnistraining.
Der Blick in die Vergangenheit fällt ihr heute leichter. Angelika war Steno-Kontoristin, Friseurin, Maskenbildnerin, Diplom-Kosmetikerin und Fußpflegerin. Bei den Winnetou-Filmen legte sie bei der Maske Hand an und lernte Lex Barker, Pierre Brice und Uschi Glas kennen. Später kam der Sänger Karel Gott zum Schminken. Ulrike staunte, als sie davon erzählte: „Ich hatte mich gefragt, wie das Synchronisieren bei Filmen abläuft. Genau das konnte Angelika mir erklären.“
Angelika stand auch selbst vor der Kamera: als „Frau Paschke“ in einem RTL-Kurzfilm und in der Reality-Serie „Berlin – Tag & Nacht“. Als RTL kurz vor Weihnachten 2024 ein Video über eine Besuchspartnerschaft bei den „Freunden alter Menschen“ in Berlin drehen wollte, sagten die beiden Freundinnen sofort zu.
Der 23. Mai ist in diesem Jahr erstmals bundesweiter Ehrentag für freiwilliges Engagement mit vielen Aktionen zum Mitmachen. Ins Leben gerufen wurde der Ehrentag von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der Deutschen Stiftung für Engagement. Angelika und Ulrike feiern auf ihre Weise: mit einem Telefonat – wie jede Woche.
Besuchspartner
Der Verein Freunde alter Menschen vermittelt und begleitet Besuchspartner für alte Menschen. Das Angebot ist kostenlos. Wer sich für ein solches Ehrenamt bei den Freunden alter Menschen interessiert, wofür ein polizeiliches Führungszeugnis erforderlich ist, oder sich ab einem Alter von ca. 75 Jahren eine Besuchspartnerschaft wünscht, kann den Verein kontaktieren unter Tel 030 / 691 18 83 oder per E-Mail an berlin@famev.de



