Freitag ist ein besonderer Tag auf der Station der Kinderkardiologie im Deutschen Herzzentrum, denn Freitags kommen die Clowns. Und mit ihnen kommt das Lachen, Musik und einfach ein bisschen Leichtigkeit zu den kleinen Patienten, ihren Eltern und dem Pflegepersonal.
„Die Kinder, die länger auf der Station sind, wissen natürlich, an welchem Tag die Clowns kommen und freuen sich schon immer sehr darauf“, sagt Daniela Wenzel, die seit 2013 als Erzieherin auf der Kinderkardiologie-Station arbeitet. Einige der kleinen Patienten verbringen Monate in der Klinik für angeborene Herzfehler, bis ein passendes Spenderherz für sie gefunden ist.
Herzkranke Kinder warten oft lange auf ein Spenderherz
Die Erzieherin kümmert sich in dieser Zeit nicht nur um die Patienten, sondern auch um die Eltern. „Das ist für sie ja auch ein totaler Ausnahmezustand und eine sehr belastende Situation. Wir unterstützen wo wir können, organisieren auch Faschingsfeste und Weihnachten auf der Station, damit die Familien zusammen feiern können“, sagt die Erzieherin.

Die Clownsvisiten vom Verein Rote Nasen sieht sie wie auch der Klinik-Direktor Professor Felix Berger als wertvolle Unterstützung für das Pflegepersonal und die Behandlung der kleinen Herzpatienten. An diesem Freitag sind als Clowns Christine Scherzer und Mustafa Cicek im Einsatz. Nachdem sie ihre farbenfrohen Kostüme angezogen haben, ziehen sie als Natascha Lachmanowa und Clown Musto den Krankenhausflur entlang. Erster Visite-Termin ist im Zimmer der 18-jährigen Isalie, die eine Herzoperation hinter sich hat
„Isalie, dieser Name klingt wie eine Melodie“ singt Clown Natascha und spielt dazu auf der Ukulele. Clown Musto pustet Seifenblasen in die Luft und mit einem Tänzchen, kleinen Zaubertricks und allerlei Verrenkungen entlocken sie dem Mädchen in ihrem Krankenhausbett ein scheues Lächeln.
Ausbildung zum Klinikclown dauert zwei Jahre
„Wir stellen uns immer auf das Kind ein. Wie geht es ihm heute? Was braucht es? Und wir ziehen uns zurück, wenn es nur seine Ruhe möchte“, sagt Christine Scherzer alias Clown Natascha. Sie ist vor fast 20 Jahren zu den Roten Nasen gekommen und seitdem als Krankenhausclown im Einsatz. „Ich habe Jazz studiert und das war wie ein Geschenk für mich. Ich kann dabei Singen, Tanzen und Musizieren“, sagt die 47-jährige, die Sängerin und Schauspielerin ist. Mustafa Cicek alias Clown Musto, hat an der Theaterschule in Kopenhagen studiert und ist 2018 durch ein Plakat auf die Roten Nasen aufmerksam.
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Alle Clowns der Roten Nasen sind ausgebildete Künstlerinnen und Künstler aus dem Bereich der darstellenden Kunst (Schauspiel, Kindertheater, Musik, Pantomime, Akrobatik, Zauberei, Kabarett) mit entsprechender Spielerfahrung. Neben Talent und Können müssen alle Künstler das nötige soziale Engagement, ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen, Belastbarkeit und persönlicher Reife mitbringen. Dazu muss jeder Krankenhausclown bei den Roten Nasen ein spezielles Aus- und Weiterbildungsprogramm absolvieren, das zwei Jahre dauert. Im künstlerischen Teil werden Humortechniken, das Wesen des Clowns, das Spiel im Duo sowie der Einsatz von Requisiten behandelt. „Jeder Clown hat eine eigene Persönlichkeit, die entwickelt wird“, sagt Mustafa Cicek alias Clown Musto.

Clownsvisiten werden durch Spenden bezahlt
Der theoretische Teil der Ausbildung zum Klinikclown befasst sich mit Themen wie der Hygiene im Krankenhaus, medizinischem und psychologischem Grundwissen. Aber auch der konkreten Arbeitsweise des Clowndoctors: Wie agiert er am Krankenbett? Worauf ist zu achten? Was ist zu vermeiden? Wo liegen die Besonderheiten in der Begegnung mit Kindern oder Erwachsenen? Die Krankenhausclowns arbeiten auf Honorarbasis und sind in der Regel zwei bis dreimal in der Woche für einen halben Tag im Einsatz. „Wir treten auch in Flüchtlingsheimen auf und besuchen Senioren in Pflegeheimen“, sagt Christine Scherzer.
Begleitung bis in den Operationssaal
In der Klinik für angeborene Herzfehler haben die Clowns noch eine weitere besondere Aufgabe: sie begleiten die Kinder vor Operationen oder Herzkatheter-Untersuchungen bis zur Narkose zum OP-Saal und manchmal auch dort hinein. „Wir kommen dann schon ganz früh am Morgen der OP in die Klinik, werden von den Schwestern und Anästhesisten genau informiert was ansteht. „Wir bleiben an der Seite des Kindes, geben eine gewisse Leichtigkeit in die Situation, damit Stress und Angst nicht überhand nehmen“, erklärt Christine Scherzer. „Das ist auch für die Eltern beruhigend, wenn sie sehen, wie ihr Kind sich entspannt durch den Clown, der dann ebenfalls einen blauen OP-Kittel mit einem lustigen Accessoire trägt.“
Den positiven Effekt der Clown-Begleitung bestätigt auch der Direktor der Klinik für angeborene Herzfehler. „Es tut den Kindern und ihren Eltern sichtlich gut, wenn die Clowns die Angst und den Druck vor einer Operation lindern können. Das erleichtert auch Ärzten wie Pflegenden die Arbeit“, sagt Professor Felix Berger.
Berliner helfen e.V., der Verein der Berliner Morgenpost, unterstützt die Clownsvisiten der Roten Nasen in der Kinderkardiologie des Deutschen Herzzentrums mit einer Spende aus der Weihnachtsaktion „Schöne Bescherung“.




