Petra Götze
Sie sind ein eingespieltes Team und haben sich ihre Aufgabe selbst gewählt – die sechs ehrenamtlichen Vorleser von „Abraxas“ sind im Norden Reinickendorfs an Kitas und Schulen im Einsatz. Ihr gemeinsames Ziel: Kindern von klein auf die Freude am Lesen, an Büchern und generell am Lernen zu vermitteln. „Das ist eine sehr erfüllende Aufgabe und es macht nicht nur den Kindern, sondern auch uns großen Spaß“, sagt Thomas Bunar beim Treffen der Lese-Initiative im gemütlichen Café Zeitgenuss in Hermsdorf.
Vorfreude und Neugier: Kinder lieben die Vorlesestunden
„Hier führen wir auch die Gespräche mit Bewerbern, die bei uns mitmachen wollen“, sagt der pensionierte Verwaltungsfachmann, der 40 Jahre lang im Rathaus Reinickendorf gearbeitet hat. Die lokale Leseinitiative, 2017 von der ehemaligen Lehrerin Birgit Schmidt-Moeller gegründet, ist deutlich gewachsen in den letzten Jahren – auf inzwischen insgesamt 61 aktive Lesepaten, die in 25 Kitas und an neun Schulen im Norden Reinickendorf jeweils einmal in der Woche im Einsatz sind.
„Die Kinderbücher wählen wir sorgfältig aus, für die Vier- bis Sechsjährigen müssen Bilder dabei sein, und es muss eine abgeschlossene Geschichte sein. Dinosaurier kommen immer gut an“, sagt Thomas Bunar. Mit den Kitas werden feste Tage und Zeiten vereinbart, vorgelesen wird in einem Extraraum mit sechs bis acht Kindern.

Lesepaten fördern Sprachentwicklung und Freude
„Oft erzählen die Kleinen dann erst einmal von ihren Erlebnissen und bei den Geschichten stellen sie unzählige Fragen. Aber diese Fragen sind das Salz in der Suppe“, meint Klaus Köpke, pensionierter Polizeibeamter und seit vielen Jahren leidenschaftlicher Vorleser. „Und da immer eine kindgerechte Antwort zu finden, ist gar nicht so leicht“, ergänzt Thomas Bunar.
Es sei unglaublich schön zu spüren, mit welcher Vorfreude die Kinder auf ihre Vorleser warten. „Es macht unglaublich Spaß, gemeinsam Worte und Geschichten zu entdecken“, sagt Ilona Siebarth, die sich gemeinsam mit Thomas Bunar gerade 70 neue Kinderbücher angeschaut hat, um geeigneten Vorlesestoff auszuwählen.

In die Kitas gehen 29 Lesepaten, die übrigen sind an neun Reinickendorfer Schulen im Einsatz. „Dort ist es umgekehrt, die Kinder lesen uns vor, die Bücher werden von den Lehrern ausgewählt“, sagt Martina Schneider, Lesepatin unter anderem an der Franz-Marc-Grundschule. Vor ihrem Ruhestand hat sie jahrzehntelang für die Königlich-Preußische Porzellanmanufaktur KPM gearbeitet. „Wir ziehen uns für zwei Schulstunden mit zwei Kindern in einen Raum zurück und es ist toll, die Fortschritte zu sehen, gerade bei Kindern die kein oder nur wenig Deutsch können“, berichtet Lesepate Andreas Goerdeler, der im Bundeswirtschaftsministerium tätig war.
Berliner helfen e.V. fördert Lese-Initiative
Für die Lehrkräfte sind die Ehrenamtlichen eine große Unterstützung. „Wir beraten auf Wunsch auch bei der Beurteilung eines Kindes und begleiten auf Ausflüge, zum Beispiel in die Humboldt-Bibliothek in Tegel“, sagt Martina Schneider. Auch in den Kitas sind die Vorleser hochwillkommen. Die Lesestunden von Abraxas sind für die Kitas und Schulen kostenlos ist.
Berliner helfen e.V. hat die Lese-Initiative von Anfang an finanziell unterstützt, bezahlt unter anderem die Kinderbücher aus der Waidmannsluster Buchhandlung „Leselust“ und die Rucksäcke, in denen sie transportiert werden. „Die tauschen die Lesepaten untereinander aus, damit sei immer wieder neuen Lesestoff haben“, sagt Beate Kasokat-Bunar. „Es ist schon viel Organisation nötig, denn wir legen großen Wert auf Verlässlichkeit, kümmern uns in Urlaubs- oder Krankheitszeiten um eine Vertretung“, sagt sie.
Warteliste für Kitas: Bedarf an Lesestunden wächst
Diese organisatorische Arbeit teilt sich das Team untereinander auf. Es gibt regelmäßige Lesepaten-Treffen, zur Zeit stehen wieder Gespräche mit Interessenten, die gern Lesepaten werden möchten. Neben guten Kenntnissen der deutschen Sprache, Freude an Büchern und am Umgang mit Kindern ist ein erweitertes Führungszeugnis Voraussetzung. „Bei der Beantragung helfen wir aber“, sagt Thomas Bunar. Zur Zeit stehen weitere Kitas im Norden Reinickendorfs auf der Warteliste, die sich Lesestunden wünschen. Wer Interesse hat an dem Ehrenamt, kann sich per E-Mail an abraxas.lesespass@gmx.de wenden.



