Der Hilferuf aus der Johann-August-Zeune-Schule für blinde und sehbehinderte Kinder erreichte uns über einen langjährigen Spendenpartner: „Gestern haben wir mit der Klasse 9/10 eine Tandemtour durch den Grunewald gemacht. Leider waren die geliehenen Tandems nichts alle verkehrstauglich und zwei Teams mussten abbrechen und zurück.

Wir haben so eine Tour jetzt das dritte Mal gemacht und die Jugendlichen hatten so viel Spaß! Es wäre so toll, wenn wir eigene Tandems hätten. Kennen Sie jemanden, der uns helfen könnte?“, schrieb Sophia Schmidt-Hieber, Vorsitzende des Fördervereins der Blindenschule, an Siegfried Helias vom Verein Kinder in Gefahr. Der gab die Bitte prompt an Berliner helfen weiter.

Zeune-Blindenschule
Der blinde Adrian dreht mit Sophia Schmidt-Hieber vom Förderverein der Schule eine Runde auf dem Tandem.© FUNKE Foto Services | Sergej Glanze

110 Kinder lernen an Deutschlands ältester Blindenschule

Die Zeune-Schule in Steglitz ist die älteste Blindenschule Deutschlands. 110 Kinder besuchen die Schule an der Rothenburgstraße. Etwa 70 Mitarbeiter kümmern sich um sie, dazu gehören Lehrer, Erzieher, Betreuer bis hin zum Hausmeister. Um sich in der Schule besser zurechtzufinden, hat jede Etage eine eigene Farbe, es gibt blaue und rote Gänge und Kontrastfarben an den Fußleisten. Viele Schalter und Schilder sind mit kleinen selbst gebastelten Elementen zum Ertasten versehen. Über dem Fahrstuhl-Schalter ist zum Beispiel ein Stühlchen montiert, das sich an einer Schnur rauf- und runter ziehen lässt.

Viele Kinder der Schule sind mehrfach behindert

„Unsere Schülerinnen und Schüler haben 30 Prozent Sehkraft oder weniger. Bei vielen verschlechtert sich das im Laufe der Jahre noch. Bei etwa der Hälfte der Kinder kommen weitere Behinderungen dazu“, sagt Sophia Schmidt-Hieber, früher selbst Leiterin der Blindenschule, die sich inzwischen um den Förderverein kümmert. Der organisiert Ausflüge und Spenden für Hilfsmittel und unterstützt auch Lehrkräfte für Blinde an normalen Schulen. „240 blinde Kinder in Berlin werden inklusiv beschult. Das ist aber nicht für jedes Kind geeignet. Viele brauchen einen geschützten Rahmen“, sagt die ausgebildete Sonderschullehrerin.

Den geschützten Rahmen gibt es nicht nur im Gebäude, sondern auch auf dem parkartigen Gelände der Schule, mit breiten barrierefreien Wegen, einem Spielplatz und großen Rasenflächen. An diesem Freitagmittag hat sich die 9. Klasse mit Lehrerin Ronja Benke im Garten versammelt, um zu demonstrieren, wie das mit dem Tandemfahren funktioniert. Dafür wurde extra ein Tandem ausgeliehen. „Ich fahre so gern Rad, mit den Tandems ist das echt toll“, sagt die 16-jährige Elly. Sie und ihre Mitschüler Adrian, Jeremy und Lamia waren auch beim Tandem-Ausflug im Frühjahr dabei. „Wir sind mit der S 1 in den Grunewald gefahren. Vorher haben die Kinder mit ihrer Klassenlehrerin Cornelia Grunow das Tandemfahren geübt. Sie ist selbst blind“, berichtet Sophie Schmidt-Hüber.

Der 15-jährige Adrian will unbedingt eine Runde mit dem Tandem drehen, Sophia Schmidt-Hieber schwingt sich auf den vorderen Sattel, Adrian, der komplett blind ist, auf den hinteren und nach einem kleinen Wackler drehen die beiden problemlos ein paar Runden. „Wäre echt super, wenn wir das öfter machen könnten“, findet der Jeremy. Der 17-jährige hat wie die anderen viel Spaß beim Posieren für das Foto liebt Rap und hat sogar einen eigenen You-Tube-Kanal.

Zeune-Blindenschule
Lamia übt an der Schreibmaschine mit speziellen Tasten. © FUNKE Foto Services | Sergej Glanze

Fähigkeiten für ein selbständiges Leben erlernen

Am liebsten würden jetzt alle mit dem Tandem fahren, aber Lehrerin Ronja Benke mahnt zur Rückkehr in den Klassenraum im zweiten Stock. Dort stehen Computer mit elektronischer Braille-Zeile, damit die blinden Schülerinnen und Schüler lesen können, was auf dem Bildschirm steht. Geschrieben wird auf einer normalen Tastatur, im Zehn-Finger-System. Statt der Maus werden Tastaturbefehle benutzt.

Schreib-Lesetechnik lernen die Kinder ab der fünften Klasse an vier Schulstunden in der Woche. „Ohne diese Kompetenzen hätten sie keine Chance im Berufsleben“, sagt Sophia Schmidt-Hieber. Nach der 9. Klasse erreichen sie an der Zeune-Schule die Berufsbildungsreife, mit Abschluss der zehnten Klasse den Mittleren Schulabschluss. Für das Abitur wechseln sie dann entweder an eine andere Berliner Schule oder gehen in das Internat nach Marburg.

An der Zeune-Schule lernen die stark sehbehinderten Kinder im „lebenspraktischen Unterricht“ auch zum Beispiel, wie sie ein Ei aufschlagen, Teig anrühren und dabei Haushaltsgeräte zu benutzen. Auch iPads sind im Einsatz, da die Tablets von Apple mit einer speziellen Software ausgestattet werden können, um zu sprechen. Auch solche Hilfsmittel müssen durch Spenden finanziert werden, genau wie die Tandem-Fahrräder. „Ich denke, wir bräuchten fünf bis zehn Stück in möglichst unterschiedlichen Rahmenhöhen, damit die Körpergrößen abgedeckt sind. Es wäre so schön, wenn wir im nächsten Jahr wieder Fahrrad-Ausflüge machen könnten. Ein Tandem kostet knapp 1000 Euro“, sagt Sophia Schmidt-Hieber.

So spenden Sie für die „Schöne Bescherung“

Mit der Weihnachtsaktion „Schöne Bescherung“ wollen wir dafür sorgen, dass die Kinder an der Blindenschule ihre Tandems bekommen. Bitte unterstützen Sie uns dabei. Spenden Sie an:
Berliner helfen e.V.
Stichwort: Bescherung
IBAN: DE73 3702 0500 0003 3071 00

oder direkt über diesen Link.

Berliner helfen e.V. ist vom Finanzamt als gemeinnützig anerkannt. Für eine Spendenbestätigung geben Sie bitte bei der Überweisung Ihre Anschrift an. Weitere Informationen unter Tel. 030 8872 77843 oder per E-Mail an kontakt@berliner-helfen.de