Berliner helfen

Im Hospiz muss am Ende niemand allein sein

| Lesedauer: 5 Minuten
Petra Götze
Patientenfürsprecherin Claudia Trautloft (li) mit Hund Flora und Hospizleiterin Anette Adam.

Patientenfürsprecherin Claudia Trautloft (li) mit Hund Flora und Hospizleiterin Anette Adam.

Foto: Joerg Krauthoefer / FUNKE Foto Sercices

Das Lazarus Hospiz in Mitte hat eine Spende über 20.000 Euro von Berliner helfen e.V., dem Verein der Morgenpost erhalten.

Es gibt Menschen, die so schwer erkranken, dass kein Arzt und keine Therapie mehr helfen können. Sie müssen sich damit abfinden, dass ihr Leben zu Ende geht. „Die meisten Menschen möchten dann Zuhause sterben, doch das ist nicht immer möglich. Vor allem nicht, wenn sie allein sind“, sagt Anette Adam, die Leiterin des Lazarus Hospiz am Mauerpark in Mitte.

Wenn Patienten austherapiert sind und ein Krankenhausaufenthalt keinen Sinn mehr macht, kann der behandelnde Arzt oder ein Sozialarbeiter die Überweisung in ein Hospiz empfehlen. „Mit dieser Endstation-Situation müssen die Patienten und ihre Angehörigen dann erst einmal klar kommen“, sagt Anette Adam.

Im Lazarus Hospiz in Mitte stehen 16 helle Einzelzimmer im Bad und Dusche zur Verfügung. Dank einer Spende in Höhe von 20.000 Euro von Berliner helfen e.V., dem Verein der Berliner Morgenpost, konnten die Bäder saniert und barrierefrei ausgestattet werden.

Hospizkosten übernimmt die Krankenkasse

Die Kosten für die Hospize werden zu 95 Prozent von den Krankenkassen übernommen, der Rest muss über Spenden eingeworben werden. Der Aufenthalt der Patienten wird von den Krankenkassen übernommen. „Niemand der zu uns kommt, muss deswegen seine Wohnung kündigen. Es gibt mitunter Fälle, bei denen eine Besserung eintritt und der Patient kann wieder entlassen werden“, erzählt die Hospizleiterin. Aber das ist die Ausnahme.

28 Tage ist die durchschnittliche Aufenthaltsdauer im Lazarus Hospiz. Es können aber auch mehrere Monate sein. 37 Mitarbeiter kümmern sich um die Patienten, die ihren Tagesablauf frei einteilen können. Wenn es ihnen möglich ist, können sie in den Garten gehen oder auf der Terrasse sitzen und auch jederzeit Besucher und Familienangehörige empfangen. Jeder Besucher, die Mitarbeiter und die ehrenamtlichen Hospizbegleiter werden auf Corona getestet.

Ehrenamtliche erfüllen den Patienten kleine Wünsche

Claudia Trautloft ist seit sechs Jahren ehrenamtliche Patienten-Fürsprecherin im Hospiz und engagiert sich seit 20 Jahren als Hospizbegleitern. „Es ist ein sehr persönliches Ehrenamt. Man lernt unglaublich viele unterschiedliche Menschen kennen, die einem ihr Vertrauen schenken“, sagt die ehemalige Rechtsanwältin.

Als ambulante Hospizbegleiterin besucht sie die Patienten Zuhause, erfüllt kleine Wünsche, indem sie eine Schale frische Erdbeeren oder eine Currywurst mitbringt. „Ein Patient im Hospiz hatte diesen Wunsch und dann hat es ihm schon gereicht zu wissen, dass er eine Currywurst haben kann, wenn er will“, erzählt sie. Wenn es möglich ist, werden auch Tagesausflüge oder Spaziergänge unternommen. Hund Flora, den sie sogar ins Hospiz mitbringen darf, ist immer dabei und eine willkommene Unterstützung. „Als es mit einer Patientin zu Ende ging, hat sich mein Hund neben sie aufs Bett gelegt. Sie legte die Hand auf sein Fell und wurde ganz ruhig. Die beiden haben auf eine ganz besondere Weise miteinander kommuniziert“, erzählt Claudia Trautloft.

Sterbebegleiter seien im wahrsten Sinne des Wortes nur Begleiter, betont Claudia Trautloft. „Wir bevormunden den Menschen nicht, sagen ihm nicht, was er tun soll, sondern sind für ihn da. Gerade in Berlin würden viele sonst ganz allein sterben“, sagt sie.

Eine Aufgabe, für die es viel Dankbarkeit gibt

Das Lazarus Hospiz bildet auch ambulante Hospizbegleiter aus. Alle Ehrenamtlichen werden während ihrer Tätigkeit durch Supervision begleitet. „Wir tauschen uns alle sechs Wochen untereinander aus, um gerade den Neueinsteigern Ängste zu nehmen und Erfahrungen weiterzugeben“, sagt Claudia Trautloft.

„Es ist eine wunderbare Aufgabe, bei der man viel Dankbarkeit erfährt“, bestätigt Hospizleiterin Anette Adam. Dennoch werde man dabei natürlich an sein eigenes Ende erinnert, sagt die 57-jährige. Das Schöne an der Hospizarbeit sei die Wahrhaftigkeit im Umgang miteinander. „Das man am Ende des Lebens für jemanden da sein kann, ist ein großes Geschenk“, sagt sie.

Ehrenamt im Hospizdienst

  • Das Lazarus Hospiz an der Bernauer Straße in Mitte gehört der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal, eine kirchliche Stiftung privaten Rechts.
  • Das stationäre Hospiz nimmt Menschen auf, die an einer fortgeschrittenen unheilbaren Erkrankung leiden und wo eine Heilung oder ein Stillstand nicht zu erwarten ist, wenn eine Pflege und Begleitung durch Angehörige und Pflegedienste zu Hause nicht sichergestellt werden kann und ein Arzt dies befürwortet.
  • Der ambulante Lazarus-Hospizdienst sucht Patienten zu Hause auf. Ehrenamtliche Sterbebegleiter bauen vertrauensvolle Beziehungen zu schwer erkrankten Menschen und ihren Angehörigen auf und können letzte Wünsche erfüllen. Ein neuer Vorbereitungskurs beginnt Mitte Mai.