Ehrenamt

Junge Blindenhunde suchen Berliner Patenfamilien

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Petra Götze
Mareike Röder mit dem Labradorrüden Galileo.

Mareike Röder mit dem Labradorrüden Galileo.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Blindenführhunde tragen eine große Verantwortung. Bevor sie ausgebildet werden, müssen sie das Welpen-ABC lernen.

Berlin. Ein ausgebildeter Blindenführhund trägt für seinen Menschen eine große Verantwortung. Er kennt circa 40 Hörzeichen, findet Ampeln, Eingänge, Zebrastreifen oder Briefkästen und kann Hindernisse und Straßenübergänge erkennen.

Blindenführhunde sind das einzige zugelassene lebende medizinische Hilfsmittel in Deutschland. Ärzte können sie per Rezept verordnen, denn die Hunde tragen erheblich zur Verbesserung der Mobilität von blinden und sehbehinderten Menschen bei.

Bevor ein junger Blindenhund seine anspruchsvolle Ausbildung im Alter von zwei Jahren beginnen kann, kommen die Zuchtwelpen des Deutschen Blindenführhundevereins mit acht oder neun Wochen zu ehrenamtlichen Paten. „Die Aufgabe eines Paten ist es, die jungen Hunde als Familienmitglieder aufzunehmen, mit Geduld, Konsequenz und Liebe zu erziehen, damit sie Ihrer vorgesehenen Aufgaben gerecht werden können“, erläutert Maik Schubert, Leiter der Führhundeschule Schubert & Wetzel, die mit dem Verein für Deutsche Blindenführhunde zusammenarbeitet.

Der Labrador muss das kleine Welpen-ABC lernen

„Ich bringe ihm das kleine Welpen-ABC bei: Sitz, Platz, Komm“, beschreibt Mareike Röder ihre Patenschaft für Galileo, einen jungen Labradorrüden. Die Promotionsstudentin für Veterinärmedizin an der FU ist durch ein Auslandsjahr an der Sorbonne in Paris auf die Idee der Welpen-Patenschaft gekommen. „Die Uni kooperierte mit einer Schule für Assistenzhunde, meine Kommilitonen haben sich um die jungen Hunde gekümmert“, erzählt sie.

Galileo ist schon ihr zweiter Patenhund, um den sie sich seit September letzten Jahres kümmert. Sie sorgt dafür, dass er stubenrein wird, lernt, an der Leine zu laufen, Bus und U-Bahn zu fahren und sich unterwegs nicht so leicht ablenken zu lassen. Und in ihrer vierköpfigen Wohngemeinschaft in Reinickendorf gewöhnt er sich an Menschen.

Wie sein vierbeiniger Vorgänger Tomtom begleitet Galileo die 27-jährige Studentin überall hin, auch in die Uni. „Das wird akzeptiert, weil er eben ein besonderer Hund mit einer Aufgabe ist“, sagt Mareike Röder. Bis zum Sommer wird Galileo noch bei ihr bleiben, und bis dahin hoffentlich auch noch lernen, im Restaurant ruhig unter dem Tisch zu liegen. Dann kommt der junge Labrador zu einem Hundetrainer und seine zertifizierte Ausbildung zum Blindenführhund beginnt, an dessen Abschluss Galileo eine Prüfung bestehen muss.

Fällt es nicht sehr schwer, so ein Tier nach einem Jahr wieder abzugeben? „Diese Frage wird mir immer gestellt, aber ich genieße die vielen schönen Momente mit ihm und weiß ja, dass er anschließend in gute Hände kommt“ sagt die Studentin. Seinen künftigen Besitzer oder Besitzerin wird Galileo schon während seiner Ausbildung zum Blindenführhund kennenlernen, um zu sehen, ob die Chemie stimmt. „Und ich bekomme später Fotos und kann seine Entwicklung verfolgen“, sagt Mareike Röder.

Eine einjährige Patenschaft verlangt vom Paten immer eine gesunde Mischung aus Emotion und Rationalität, erklärt Hundetrainer Maik Schubert. „Denn am Ende besteht nicht die Option, den Hund doch bei sich zu behalten. Die besten Paten sind Menschen, die Hunde lieben aber eher rationale Gründe haben, als Pate zu helfen – etwa eine starke soziale Verantwortung oder eine geplante Überbrückungsphase im Leben“, so der Experte.

Welpen-Patenschaft ist ehrenamtlich

Die Welpen-Patenschaft ist ehrenamtlich und wird nicht bezahlt. Der Verein für Deutsche Blindenführhunde wählt die Patenfamilien aus und übernimmt die Kosten für das Futter, den Tierarzt und die Ausstattung wie Napf, Leine und Körbchen. Ein Hundetrainer ist für die Paten jederzeit ansprechbar und begleitet die Erziehung des Hundes. Alle vier Wochen gibt es ein Treffen zum Hundetraining. „Ich lerne selbst sehr viel dabei und mir gefällt der Aspekt, dass ich das für jemanden tue, der später auf Galileo angewiesen sein wird“, sagt die Studentin. „Und natürlich werde ich ihn vermissen, wenn ich ihn wieder abgebe“, fügt sie hinzu.

Patenfamilien für zehn Welpen gesucht

Der Deutsche Blindenführhunde e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der sich für eine bessere Qualität der Blindenführhundausbildung in Deutschland mit dem Ziel der Erhöhung der Lebensqualität von blinden und sehbehinderten Menschen und ihrer aktiven und pensionierten Hunde einsetzt.

Im März 2021 hat Zuchthündin Oiva einen Wurf mit zehn gesunden Labrador-Welpen zur Welt gebracht. Für die Betreuung der angehenden Blindenführhunde von Mai 2021 bis Mai 2022 sucht der Verein derzeit liebevolle, ehrenamtliche Patenfamilien.

Kontakt und weitere Informationen unter www.dbfh.de
Tel. 030-69202088
oder per E-Mail an
pate@dbfh.de