Durchsuchungen

Polizei Berlin: Razzia wegen Kinderpornografie

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Dateiordner mit Aufschrift Kndrprngrf für "Kinderpornografie" (Symbolfoto).

Dateiordner mit Aufschrift Kndrprngrf für "Kinderpornografie" (Symbolfoto).

Foto: picture alliance | CHROMORANGE / Christian Ohde

Am Dienstag vollstreckte die Polizei mehrere Durchsuchungsbeschlüsse in Berlin. Es geht um Kinder- und Jugendpornografie.

Berlin. Die Polizei Berlin vollstreckte am Dienstagmorgen mehrere Durchsuchungsbeschlüsse wegen des Besitzes, der Besitzverschaffung und der Verbreitung von Kinder- und Jugendpornografie in Berlin. Das teilte sie via Twitter mit. Mehr als 40 Einsatzkräfte waren in Berlin unterwegs.

Durchsucht würden rund 20 Objekte, sagte ein Sprecher. Alle Polizeidirektionen in der Stadt seien involviert. Unklar blieb zunächst, gegen wie viele Verdächtige ermittelt wird. Die schon länger laufenden Ermittlungen konzentrierten sich demnach ausschließlich auf die Hauptstadt. Durchsuchungen in anderen Städten oder Standorten gebe es nicht, hieß es. Ob nur Wohnungen oder auch Geschäftsräume oder andere Einrichtungen durchsucht würden, blieb zunächst offen. "Koordiniert werden die Maßnahmen von einer Führungsgruppe im LKA 13", heißt es.

Razzia wegen Kinderpornografie: Nacktbilder, Oralverkehr, Penetration eines Kleinkindes

Hinter jeder Anzeige könne sich der aktive sexuelle Missbrauch eines Kindes verbergen, so die Polizei Berlin. Sie veröffentlichte auch Gründe für einzelne Durchsuchungsbeschlüsse.

  • Ein 57-Jähriger aus Neukölln soll von Mai bis Juli 2022 mehrere Bilddateien in die Cloud einer Suchmaschine hochgeladen haben, auf denen Mädchen zwischen neun und 16 Jahren das Geschlechtsteil in die Kamera halten.
  • Ein 30-Jähriger aus Charlottenburg soll im November 2020 über eine Social-Media-Plattform eine jugendpornografische Datei hochgeladen und sie damit anderen zur Verfügung gestellt haben.
  • Ein 40-Jähriger aus Spandau soll im Dezember 2020 mit einem weiteren Beschuldigten über eine Social-Media-Plattform gechattet, von diesem Nacktbilder von dessen 13-jähriger Tochter erhalten und dazu sexualisierte Chatnachrichten geschrieben haben.
  • Ein 16-Jähriger aus Wedding soll im Juli 2021 eine kinder- und drei jugendpornografische Dateien über einen Cloud-Dienst hochgeladen und sie anderen zur Verfügung gestellt haben. Die Dateien zeigen ein Kind, das sich entkleidet, sowie Hand- und Oralverkehr unter Jugendlichen.
  • Ein 31-Jähriger aus Schöneberg soll im Juni 2022 über einen Messenger Videodateien verbreitet haben, die die Penetration eines Kleinkindes zeigen.
  • Ein 17-Jähriger aus Tempelhof soll im Oktober 2021 über sein Social-Media-Profil mehrere Bilder hochgeladen und sie so anderen zur Verfügung gestellt haben. Darauf sieht man Mädchen & Jungen (unter 14) in geschlechtsbetonten Posen oder bei sexuellen Handlungen mit Erwachsenen.
  • Ein 47-Jähriger aus Pankow soll im Juli 2022 in seinem Account bei einem File-Sharing-Netzwerk eine kinderpornografische Datei für alle zum Download bereitgestellt haben. Das Video zeigt sexuelle Handlungen zwischen einem Mädchen (unter 14 Jahren) und einem Mann.

Kinderpornografie: Immer mehr Fälle registriert

Laut Polizei Berlin steigen die Fallzahlen für Verbreitung, Besitz und Herstellung von Kinderpornografie. Dieser Anstieg gehe auch auf die Verpflichtung für US-amerikanische Provider zurück, Verdachtsfälle an das National Center for Missing Exploited Children zu melden. Die Motive der Tatverdächtigen seien vielfältig. Pädosexuelle erstellten das Material selbst, Sammler suchen stetig „Neues“. Gelegenheitskonsumenten und neuerdings auch Jugendliche verbreiteten kinderpornografische Dateien zu Unterhaltungszwecken.

2021 hat die Polizei in Deutschland deutlich mehr Missbrauchsdarstellungen an Kindern erfasst als 2020. Mehr als 39.000 Fälle wurden den Behörden 2021 bekannt, wie aus einer Sonderauswertung der Polizeilichen Kriminalstatistik hervorgeht. Das entspricht einem Anstieg um 108,8 Prozent der Fälle von Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung von Darstellungen sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen. Die Polizeiliche Kriminalstatistik erfasst nur Fälle, die der Polizei bekannt werden, die Zahlen dürften daher nur die Spitze des Eisbergs sein.

Stephan Weh, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), dankte den Einsatzkräften und Sachbearbeitern in Berlin. "Sie genießen unsere absolute Hochachtung, weil sie tagtäglich mit den schlimmsten Bildern konfrontiert werden. Eine psychische Belastung, die sich kaum jemand vorstellen kann. Es gibt kaum etwas Perfideres, als die Unwissenheit und Hilfslosigkeit von Kindern und Jugendlichen schamlos auszunutzen."

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( bea/dpa )