Klimaschutz

"Letzte Generation" überzieht ganz Berlin mit Aktionen

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Klimaaktivisten haben sich in Prenzlauer Berg an der Kreuzung Prenzlauer Allee und Danziger Straße festgeklebt.

Klimaaktivisten haben sich in Prenzlauer Berg an der Kreuzung Prenzlauer Allee und Danziger Straße festgeklebt.

Foto: Thomas Schubert

Klima-Aktivisten haben Mittwoch Aktionen in der ganzen Stadt gestartet. Es kam zu langen Staus.

Berlin. Und wieder kam es am Mittwochmorgen in Berlins Berufsverkehr zu hitzigen Diskussionen zwischen Autofahrern und Aktivisten. „Wir werden alle kürzer treten und aus unserer Komfortzone rauskommen müssen“, rief die Klima-Demonstrantin Eika, die sich zuvor mit mehreren Mitstreiterinnen an der Kreuzung Prenzlauer Allee und Danziger Straße auf die Fahrbahn geklebt hatte.

Durch Ressourcenverschwendung würden „bürgerkriegsähnliche Zustände“ drohen, so die Juristentochter, die sich nach eigener Aussage immer gesetzeskonform verhalten habe, aber nun handeln müsse. „Das ist eure Meinung“, entgegnete ein wütender Autofahrer. „Keiner kennt die Zukunft. Wir müssen zur Arbeit und Geld verdienen.“

"Letzte Generation" hatte massive Störungen im Berufsverkehr angekündigt

Bereits im Vorfeld hatte die Gruppe „Letzte Generation“ massive Störungen des Berufsverkehrs angekündigt. Von acht Uhr an rückten Aktivistinnen und Aktivisten an mehreren neuralgischen Punkten an und machten das wahr. Neben der Prenzlauer Allee waren die Frankfurter Allee, der Rosenthaler Platz, die Leipziger Straße und die Invalidenstraße von den Klebe-Aktionen betroffen. In der Folge kam es zu langen Staus.

Nach ein bis zwei Stunden hatte die Polizei alle Blockaden wieder aufgelöst. Außerdem kletterten mehrere Demonstranten auf zwei Schilderbrücken an der Stadtautobahn in Charlottenburg am Messedamm und am Jakob-Kaiser-Platz, wo sie Einsatzkräfte der Polizei nach und nach wieder herunter holten.

Am Jakob-Kaiser-Platz dauerte das jedoch Stunden. Der Verkehr rollte dort laut einer Polizeisprecherin erst gegen 13 Uhr wieder normal. Die Gruppe schrieb bei Twitter: „Wir wissen, besetzte Schilderbrücken erzeugen massive Störungen und es tut uns Leid. Wir richten uns an die Bundesregierung und fordern, was eigentlich längst hätte da sein müssen: Tempolimit 100 und das dauerhafte 9-Euro-Ticket.“

Gewerkschaft: Polizei kann Einheiten nicht für „sinnfreie Sache“ abstellen

Die Polizei war überall im Einsatz und trug Demonstranten weg. In den vergangenen Monaten hatten die Beamten viele Autobahnausfahrten im Auge behalten und einige Blockaden verhindert. Vermutlich deswegen konzentrierten sich die Demonstranten nun verstärkt auf große Kreuzungen in der Stadt.

Irgendwann sei der Punkt erreicht, an dem die „Polizei nicht mehr zu Lasten der Überstundenkonten unserer Kolleginnen und Kollegen täglich mehrere Einheiten nur für derart sinnfreie Sachen abstellen kann“, sagte Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei Berlin. „Wer Rettungswagen im Einsatz behindert, Kunstwerke zerstört, Menschen nötigt, begeht Straftaten, keinen Aktivismus.“ Das sollten auch alle bedenken, die die Gruppe finanziell unterstützen.

"Letzte Generation": Kartoffelbrei auf Monet-Bild geworfen

Seit Anfang des Jahres hatte die Klimaschutz-Protestgruppe immer wieder mit Blockaden für erhebliche Behinderungen auf Berlins Straßen gesorgt. Zuletzt hatten Mitglieder am Sonntag Kartoffelbrei auf ein verglastes Gemälde von Claude Monet im Potsdamer Museum Barberini geschüttet und sich dann angeklebt.

ährend es zuletzt aus Reihen der Grünen und Linken zumindest Verständnis für die Ziele der Gruppe gab, spricht der innenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Björn Jotzo, von „kriminellen Straftäterinnen und Straftätern“. Der Senat sei gefordert, „in dieser Situation unverzüglich mit einer Stimme zu sprechen und die Taten endlich geschlossen zu verurteilen“, so Jotzo.

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