Versuchter Mord

Obdachlose angezündet: 31-Jähriger in Untersuchungshaft

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Obdachlose Menschen sind für viele ein leichtes Opfer (Symbolbild).

Obdachlose Menschen sind für viele ein leichtes Opfer (Symbolbild).

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Ein 31-Jähriger soll in Kreuzberg das Zelt von zwei schlafenden Obdachlosen angezündet haben. Nun sitzt er in Untersuchungshaft.

Berlin. Ein Mann, der versucht haben soll, das Zelt von Obdachlosen anzuzünden, muss in Untersuchungshaft. Gegen den 31-Jährigen sei Haftbefehl wegen versuchten heimtückischen Mordes und versuchter besonders schwerer Brandstiftung erlassen worden, wie die Berliner Staatsanwaltschaft am Freitag mitteilte. Der Mann ist demnach am Donnerstag festgenommen worden. Über das Motiv war zunächst nichts bekannt.

Die Tat, der er verdächtigt wird, soll er am 26. September auf der Skalitzer Straße in Kreuzberg begangen haben. Dort wurde ein sogenannter Molotow-Cocktail, also eine mit einer brennenden Flüssigkeit gefüllte Glasflasche mit einer Lunte, auf ein Zelt geschleudert. Darin schliefen zu diesem Zeitpunkt zwei Menschen – ein 47-Jähriger und eine 27-jährige Frau. Der Mann wachte durch den Aufprall auf, sodass beide unverletzt raus kamen. Der Beschuldigte habe laut Staatsanwaltschaft den Tod der beiden Menschen billigend in Kauf genommen.

Polizei erfasst mehr Straftaten gegen Obdachlose

Nach Zahlen der Berliner Polizei werden Obdachlose in der Hauptstadt immer häufiger Opfer von Straftaten. So erfasste die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) im vergangenen Jahr in der Hauptstadt insgesamt 478 Straftaten gegen diese Gruppe. Gegenüber 2014, dem Jahr der ersten Erfassung, hat sich die Zahl damit fast verfünffacht. Mit 377 Fällen handelte es sich 2020 zum größten Teil um Körperverletzungen.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe geht von einem deutlich höheren Dunkelfeld aus. Der Anstieg der Zahlen ist demnach auch nicht zwingend nur ein Beweis für eine steigende Gewaltbereitschaft gegen oder unter Obdachlosen, sondern auch ein Beleg für die bessere Erfassung und für die Sensibilisierung der Polizeibeamten für das Thema.

Im Juli 2018 sorgte ein Fall aus Berlin bundesweit für Entsetzen. Am S-Bahnhof Oberschöneweide übergoss Aleksandr T. zwei Obdachlose mit Benzin und zündete sie an an. Einer von ihnen starb später im Krankenhaus, der andere überlebte schwer verletzt. Zuvor soll sich der nicht obdachlose T. mit den Männern um Alkohol gestritten haben. Die drei kannten sich bereits vorher. Im März 2019 wurde T. wegen Totschlags und versuchten Totschlags zu acht Jahren Haft verurteilt.