Görlitzer Park

Dealer soll elf Jahre altem Mädchen Drogen angeboten haben

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Seit Jahren ein Brennpunkt und kriminalitätsbelasteter Ort: Der Görlitzer Park in Kreuzberg gilt in Berlin als einer der größten offenen Verkaufsplätze für Drogen. Die Polizei versucht die Lage, mit einer Brennpunkteinheit zu beruhigen.

Seit Jahren ein Brennpunkt und kriminalitätsbelasteter Ort: Der Görlitzer Park in Kreuzberg gilt in Berlin als einer der größten offenen Verkaufsplätze für Drogen. Die Polizei versucht die Lage, mit einer Brennpunkteinheit zu beruhigen.

Foto: dpa Picture-Alliance / Paul Zinken / picture alliance / dpa

Der Marokkaner fiel bereits durch etliche Straftaten auf. Nun sitzt er in Untersuchungshaft – und soll abgeschoben werden.

Berlin. Ein mutmaßlicher Drogenhändler soll seine illegale Ware im Görlitzer Park einem elfjährigen Mädchen angeboten haben. Der 32-Jährige soll das Kind am Donnerstag mehrfach angesprochen und es regelrecht verfolgt haben. Eine Sprecherin der Polizei bestätigte den Vorfall am Sonnabend auf Anfrage der Berliner Morgenpost.

Den Informationen zufolge alarmierte das Mädchen nach dem Verkaufsversuch mit ihrem Handy die Polizei. Bis zum Eintreffen der Beamten habe sie einen weiteren Verkaufsversuch des mutmaßlichen Dealers beobachten können.

Die Polizisten hätten den Mann zunächst vorläufig festgenommen. Im polizeilichen Informationssystem bemerkten sie, dass der Mann bereits in den Wochen zuvor mehrfach in Erscheinung getreten war. Anfang Juni war er beim Drogenhandel erwischt worden.

Görlitzer Park: Mit einer Metallstange auf Parkläufer losgestürmt

Einen Monat später ging er bisherigen Erkenntnissen zufolge mit einer Metallstange auf einige vom Bezirk eingesetzte Parkläufer los. Vor rund einem Monat soll er Parkbesucher mit einer Schere attackiert haben. Zudem besteht der Verdacht der sexuellen Belästigung.

Nach der Festnahme am vergangenen Donnerstag hielten die Beamten den Mann wegen seiner polizeilichen Einträge nach Rücksprache mit dem örtlichen Brennpunktkommissariat in Gewahrsam. Am Freitag erwirkte die Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl.

Laut Polizei ist der 32-Jährige bereits mehrfach vorbestraft. Außerdem liefen Ermittlungsverfahren wegen Verstößen gegen das Aufenthaltsrecht. In Folge mehrerer Straftaten sei der Marokkaner im Sommer vergangenen Jahres aus Deutschland abgeschoben worden.

Zurück in Berlin trotz Einreiseverbots

Auch ein Wiedereinreiseverbot habe ihn aber nicht von der illegalen Rückkehr nach Berlin abgehalten. Der Mann habe über 57 falsche Alias-Personalien verfügt und sich mal als Franzose, mal als Italiener, mal als staatenloser Palästinenser aus dem Gaza-Streifen ausgegeben.

Seine Festnahme und die Untersuchungshaft sind aus Sicht des vor rund eineinhalb Jahren eingerichteten Brennpunktkommissariates der örtlich zuständigen Direktion 5 ein wichtiger Erfolg.

„Den bisherigen Erkenntnissen zufolge handelt es sich bei dem Mann mutmaßlich um den klassischen Fall eines Brennpunkttäters“, sagte der Leiter Brennpunktermittlungen, Florian Nath. „Die Dynamik und die Gefahr eine Eskalation seiner erwartbar steigenden Tatintensität haben wir noch rechtzeitig unterbrochen“, sagte Nath.

Belästigungen und blutige Revierkämpfe

Der Görlitzer Park gilt als einer der wichtigsten öffentlichen Drogenverkaufsplätze der Stadt. Anwohner klagen seit Jahren über aggressive Verkaufsangebote, Belästigungen und teils blutige Revierkämpfe.

Um die Lage zu beruhigen, richtete die Polizei in der für den „Görli“ zuständigen Direktion 5 vor rund eineinhalb Jahren eine Brennpunkt - und Präsenzstreife. Ermittler der Brennpunktinspektion versuchen zudem, Handelsstrukturen aufzuklären und Hintermänner festzunehmen.

170 Kilogramm Drogen beschlagnahmt

Laut Inspektionsleiter Nath beschlagnahmten sie im Bereich Kottbusser Tor, Görlitzer Park, Wrangelkiez in den vergangenen eineinhalb Jahren 170 Kilogramm Drogen und etwa 350.000 Euro aus Handelserlösen. In Folge von Ermittlungen seien gegen mutmaßliche Drogendealer 114 Haftbefehle erwirkt worden.

Die Ermittlungen gegen den am Donnerstag festgenommen Marokkaner, der dem elfjährigen Mädchen Drogen angeboten haben soll, dauern an. Im Fall einer Verurteilung droht ihm eine Haftstrafe – und danach vermutlich die sofortige Abschiebung.