Frankfurter Allee

Radfahrerin tödlich verletzt: Bezirk plant besseren Schutz

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Eine Radfahrerin ist bei einem Unfall auf der Frankfurter Allee in Berlin-Friedrichshain tödlich verletzt worden. Der Feuerwehr zufolge war ein Lkw an dem Unfall beteiligt.

Eine Radfahrerin ist bei einem Unfall auf der Frankfurter Allee in Berlin-Friedrichshain tödlich verletzt worden. Der Feuerwehr zufolge war ein Lkw an dem Unfall beteiligt.

Foto: dpa

Nach dem tödlichen Unfall an der Frankfurter Allee in Friedrichshain plant der Bezirk, den Radweg besser zu schützen.

Berlin. Nach dem Unfall, bei dem am vergangenen Donnerstag eine Radfahrerin an der Frankfurter Allee getötet wurde, will Friedrichshain-Kreuzberg an der Strecke für mehr Schutz sorgen.

Wie eine Sprecherin des Bezirksamts auf Anfrage sagte, soll der Radfahrstreifen künftig durch Leitboys oder Poller gesichert werden – allerdings nur an den Stellen, an denen keine Parkplätze rechts davon liegen. Unter anderem befinden sich an der Frankfurter Allee auch Behindertenparkplätze, die erreichbar bleiben müssen.

Die Umsetzung ist der Sprecherin zufolge bereits für die kommende Woche geplant. Zuvor soll es an diesem Dienstag aber noch eine Abstimmung mit der Senatsverkehrsverwaltung geben. Weil es sich bei der Frankfurter Allee um eine Hauptverkehrsstraße handelt, ist die Verkehrsverwaltung offiziell zuständig.

Bei dem Unfall wurde die 37 Jahre alte Radfahrerin der Polizei zufolge von einem Sattelzug überrollt, als sie einem auf dem Radweg parkenden Geldtransporter auswich. Die Kollision ereignete sich auf Höhe des U-Bahnhofs Samariterstraße; etwa 20 Meter hinter der Stelle, wo der Radfahrstreifen vom Gehweg auf die Straße schwenkt.

An der Frankfurter Allee ist im vergangenen Jahr zwischen Voigtstraße und Proskauer Straße ein Pop-up-Radweg entstanden, der bislang aber nicht geschützt ist. Wie alle anderen dieser Bikelanes in Friedrichshain-Kreuzberg soll auch er noch in diesem Jahr in einen dauerhaften Radweg umgewandelt werden.

Tödlicher Unfall in Friedrichshain: Hunderte kommen zur Mahnwache

Mehrere hundert Menschen hatten am Freitag mit einer Mahnwache auf der Frankfurter Allee an die getötete Radfahrerin erinnert. An der Unfallstelle wurden Blumen niedergelegt und Kerzen aufgestellt. Auf Transparenten von Teilnehmern war etwa zu lesen: „Radweg ist kein Parkplatz“. Auf einem anderen Schild wurde dem Senat „tödliche Untätigkeit“ vorgeworfen. Ein weißes, sogenanntes Geisterrad erinnerte an die 37-Jährige, die hier am Donnerstag starb.

Die 37-Jährige wurde laut Polizei von einem Sattelzug überrollt, als sie einem auf dem Radweg parkenden Geldtransporter auswich und dabei auf die Fahrbahn geriet.

Aufgerufen zu dem Gedenken hatte auch der Verein Changing Cities. Eine Sprecherin sagte, Berlin brauche getrennte Wege für Fußgänger, Radler und Autofahrer. Nur so könne es für alle sicherer werden.

Getötete Radfahrerin: Augenzeugen erleiden Schock

„Wir konnten eine Person nur noch leblos bergen“, hatte die Feuerwehr am Donnerstagmittag getwittert. Ihr zufolge war ein Lkw an dem Unfall beteiligt. Die Unfallstelle am U-Bahnhof Samariterstraße wurde abgesperrt. Die tote Frau wurde mit Tüchern abgedeckt.

Ein Feuerwehrsprecher sagte, drei Menschen, die in der Nähe waren, hätten einen Schock erlitten. Sie würden derzeit von Rettungskräften betreut. Einer von ihnen sei in ein Krankenhaus gekommen.

Tödlicher Unfall in Friedrichshain: Lkw soll Radfahrerin erfasst haben

Nach Schilderung eines Augenzeugen soll die 37-Jährige auf der Fahrradspur stadteinwärts unterwegs gewesen sein. Als sie einem dort stehenden Geldtransporter habe ausweichen wollen, sei sie vom hinteren Teil eines vorbeifahrenden Lastwagen erfasst worden.

Polizei und Feuerwehr waren mit zahlreichen Einsatzkräften vor Ort. Die Feuerwehr rückte eigenen Angaben nach mit rund 25 Einsatzkräften in mehreren Fahrzeugen an. Verkehrsermittler der Polizei begannen mit der Untersuchung des Unfalls. Hinter den rot-weißen Absperrbändern kreisten sie das Fahrrad gelb ein, eine Drohne lieferte Übersichtsbilder aus der Luft.

Umwandlung der Pop-up-Radwege in Bikelanes läuft im Bezirk

An anderen Orten im Bezirk läuft die Umwandlung der Pop-up-Radwege in geschützte Bikelanes bereits – so am Kottbusser Damm und entlang des Landwehrkanals. Mit Stand Anfang April gab es der Senatsverkehrsverwaltung zufolge in Berlin insgesamt rund acht Kilometer geschützte Radwege. Erst kürzlich ist zudem der rund 400 Meter lange, mit Pollern geschützte Radweg an der Invalidenstraße in Mitte fertig geworden. Weitere Strecken sind etwa entlang der Hermannstraße in Neukölln und am Tempelhofer Damm geplant.

Auch der Fahrradclub ADFC hält geschützte Radwege für eine wirksame Maßnahme, um die Sicherheit für Radfahrende zu erhöhen. Zuletzt forderte er in einer Publikation anlässlich der Abgeordnetenhauswahl im September, dass Radwege in der Stadt baulich so gestaltet werden sollen, dass ein Parken darauf verhindert wird. Auf Twitter rief der ADFC gemeinsam mit dem Verein Changing Cities am Donnerstagabend zur Mahnwache für die getötete Radfahrerin und zu einer Vision-Zero-Demonstration auf.

Beginn der Demonstration war am Freitag um 16.30 Uhr an der Möckernstraße 47 in Kreuzberg. Von dort aus ging es zum Unfallort an der Frankfurter Allee.

Bereits elf Verkehrstote in Berlin im Jahr 2021

Die Radfahrerin ist die elfte Person, die in diesem Jahr bislang im Straßenverkehr in Berlin umgekommen ist, darunter auch vier Fußgänger.

Mit dem Unfall in Friedrichshain sind in diesem Jahr bereits drei Radfahrerinnen auf Berliner Straßen ums Leben gekommen.

Am 22. März war eine 66-Jährige in Weißensee von einem Lkw erfasst und tödlich verletzt worden. Kurz zuvor, am 18. März, war eine 56-Jährige an der Oderstraße in Neukölln ums Leben gekommen, als sie von einem Lkw-Fahrer erfasst wurde.

Der ADFC Berlin zählte im vergangenen Jahr 19 getötete Radfahrer, wobei einer im Dezember von einem abbiegenden Lkw erfasst wurde, aber erst Anfang Januar dieses Jahres seinen Verletzungen im Krankenhaus erlag.

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( jes/dpa )