Berlin-Wilmersdorf

Commerzbank an der Blissestraße überfallen

| Lesedauer: 3 Minuten
Alexander Dinger und Philipp Siebert
SEK-Beamte sichern die Commerzbank an der Blissestraße.

SEK-Beamte sichern die Commerzbank an der Blissestraße.

Foto: Morris Pudwell

Bewaffnete Täter haben eine Commerzbank in Wilmersdorf überfallen. Die Verdächtigen konnten entkommen. SEK im Einsatz.

Berlin. Anna Teresa Cutolo wunderte sich zunächst, als am Dienstagmorgen um kurz nach 7.30 Uhr plötzlich keine Kunden mehr kamen. „Und dann war überall Polizei“, sagt die 29-Jährige, die um fünf Uhr morgens ihre Schicht in einer Bäckerei an der Wilmersdorfer Blissestraße begann. Dass die Commerzbank-Filiale direkt nebenan überfallen wurde und dass lange unklar war, ob sich die Täter noch in der Bank verschanzen, habe sie erst nach Ende des Einsatzes erfahren, so Cutolo weiter. „Ich wurde nicht rausgelassen, habe mich aber auch nicht nach draußen getraut.“ So ein Verbrechen so nah mitzubekommen, habe sie schon erschreckt.

Ähnlich ging es einem Anwohner, der gerade sein Haus verließ, als auf der anderen Straßenseite die ersten Polizeiautos eintrafen. „Ich habe mich noch gewundert, weil die Bank noch gar nicht geöffnet war“, sagte er der Berliner Morgenpost. Wie ein Überfall habe das zunächst nicht gewirkt. Allmählich sei dann aber mehr Polizei eingetroffen und habe die Straße gesperrt. Ein Polizist habe ihn aufgefordert, weiter zu gehen und keine Fotos von dem Einsatz zu machen.

Nach Angaben der Polizei löste um 7.20 Uhr eine Alarmanlage in der Bank aus. Die Bank war zu diesem Zeitpunkt noch geschlossen. Nach Informationen der Berliner Morgenpost hatte die Mitarbeiterin eines Sicherheitsdienstes zuvor zwei Maskierte auf Überwachungsmonitoren in der Bank entdeckt. Beim Betreten des Tresorvorraums wurde die Mitarbeiterin mit einer Pistole bedroht und zur Herausgabe von Geld aufgefordert. Die 55-Jährige sollte den Tresor öffnen. Als dies der Mitarbeiterin nicht gelang und die Alarmanlage auslöste, flüchteten die Männer ohne Beute. Auch die Frau konnte wegrennen.

Täter flüchten aus der Bank, SEK im Einsatz

Unklar war am Morgen laut Polizeisprecher Michael Gassen zunächst, ob die Täter sich noch in der Bank aufhielten. Es wurden alle Kellerräume durchsucht, die Verdächtigen aber nicht im Gebäude angetroffen. Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) war vor Ort, rückte aber wieder ab. „Wir müssen herausbekommen, wie es den Tätern gelang, in diesen Tresorraum vorzudringen und wie sie so schnell flüchten konnten“, so Sprecher Gassen weiter. Denn in den Räumen hätten sich bei Ankunft der Polizei keine Personen mehr befunden. Kriminaltechniker sicherten vor Ort Spuren. Außerdem wurden die Bank-Mitarbeiter befragt.

Wilmersdorf war bereits im vergangenen Jahr wiederholt Schauplatz spektakulärer Raubtaten. So wurde am 16. Juni ein Geldbote vor einer Volksbank-Filiale an der Detmolder Straße am Bundesplatz überfallen – nur wenige Fußminuten vom jetzigen Tatort entfernt. Die Täter konnten den 56-Jährigen mit Tränengas überwältigen und ihm Geldkassette und Pistole abnehmen, bevor sie unerkannt mit einem Auto mit gefälschten Kennzeichen flohen.

Am 4. August schließlich war die Volksbank-Filiale selbst das Ziel von Räubern. Die Täter versuchten, sich mit einem VW T5-Pritschenwagen, auf dessen Ladefläche eine Stahlkonstruktion zum Rammen montiert war, gewaltsam einen Weg in das Bankgebäude zu verschaffen.

Allerdings scheiterten sie am Widerstand von Sicherheitsmitarbeitern und flohen ohne Beute mit einem Auto über die Autobahn A100, nachdem Schüsse fielen und ein Security-Mann verletzt wurde. Den Pritschenwagen setzten sie im Hof hinter der Bank in Brand. In der darauffolgenden Nacht wurde auch der Fluchtwagen, ein dunkler Audi, ausgebrannt in einer Britzer Kleingartenanlage gefunden.