Kriminalität in Berlin

Nach Angriff auf Neuköllner Späti - Weitere Gewalt-Vorfälle

Das Geschäft wird der bekannten Großfamilie R. zugerechnet. Szenekenner befürchten nun Vergeltungsaktionen.

Der Überfall ereignete sich an der Wildenbruchstraße in Neukölln.

Der Überfall ereignete sich an der Wildenbruchstraße in Neukölln.

Foto: Thomas Peise

Berlin. Nach dem Angriff auf einen Spätkauf an der Wildenbruchstraße in Neukölln ist es in Gesundbrunnen am Wochenende zu zwei weiteren Gewalttaten gekommen, die mit der Attacke in Neukölln in Zusammenhang stehen könnten. Mehrere Vermummte hatten am Sonnabendabend einen Spätkauf an der Wildenbruchstraße in Neukölln überfallen. Die Männer stürmten in das Geschäft und beschädigten die Einrichtung.

Wie die Polizei mitteilte, begann die Attacke auf den Spätkauf gegen 18.45 Uhr. Zeugen berichteten von bis zu 30 Personen, die mit Messern, Einrichtungsgegenständen und Wasserpfeifen aufeinander losgingen. Anschließend sollen bis auf drei Verletzte, die zurückblieben, alle Beteiligten in Richtung Sonnenallee und Laubestraße geflohen sein. Einsatzkräfte konnten sechs Tatverdächtige im Alter von 17 bis 31 Jahren auf der Flucht stellen und festnehmen.

Der 31-Jährige wies eine Kopfverletzung auf, verzichtete jedoch auf eine Behandlung. Die Festgenommenen wurden zunächst zum Polizeiabschnitt 54 gebracht und von dort nach Überprüfung wieder auf freien Fuß gesetzt. Die in dem Geschäft zurückgebliebenen 16-, 39- und 46-jährigen Verletzten kamen zum Teil mit schweren Kopf- und Schnittverletzungen in umliegende Krankenhäuser. Die Kriminalpolizei ermittelt nun zu den Tathintergründen. Die Festgenommenen sollen nach Morgenpost-Informationen einen russischen Akzent gehabt haben.

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Angriff auf Spätkauf: Geschäft aus dem Einflussbereich der bekannten Großfamilie R.

Der Vorfall ist brisant. Denn das Geschäft wird dem Einflussbereich der bekannten Großfamilie R. zugerechnet. Der Besitzer selbst gehört nicht zu der Großfamilie. Szenekenner sagen, dass so ein Überfall nicht zufällig stattfindet und wahrscheinlich nicht ohne Reaktion bleiben wird. Das Haus gehört nach Morgenpost-Informationen zu den 77 beschlagnahmten Immobilien.

Der Spätkauf war vor wenigen Monaten in den Medien, weil dort einer der ersten Fälle nach dem neuen Landesantidiskriminierungsgesetz (LADG) dokumentiert wurde. Wie die "B.Z." damals berichtete, war dort ein Streit zwischen einem Kiez-Polizisten und Mitgliedern der Familie R. entbrannt. Es ging um nicht genehmigte Bänke auf dem Fußweg.

Neuköllner Spätkauf angegriffen: Ermittler sehen Zusammenhang zu Vorfällen in Gesundbrunnen

Nach Informationen der Morgenpost vermuten Ermittler einen Zusammenhang mit zwei weiteren Vorfällen in Gesundbrunnen. Dort war es zunächst am Sonnabendabend zu einem gewaltsamen Streit zwischen zwei Gruppen gekommen. Wie die Polizei mitteilte, gerieten gegen 22 Uhr am Hanne-Sobek-Platz ungefähr 15 Personen auf der Straße in Streit.

Zeugen gaben an, dass sich fünf Personen, zum Teil in einem Porsche bei offenstehenden Türen sitzend, unterhielten, als sich drei Fahrzeuge näherten und mindestens zehn Personen ausstiegen. Im Laufe der dann folgenden Auseinandersetzung sollen die hinzugekommenen Männer mit Messern und unbekannt gebliebenen Schlagwerkzeugen vorgegangen und dann geflüchtet sein. Die Angegriffenen erlitten Platzwunden an den Köpfen. Einer von ihnen erlitt einen Stich in den unteren Rückenbereich. Die Verletzten mussten teilweise ambulant in Krankenhäusern behandelt werden.

Ein zweiter Angriff ereignete sich dann am Sonntagabend, ebenfalls auf dem Hanne-Sobek-Platz. Wie die Polizei mitteilte, wurden ein 31-Jähriger und ein 43-Jähriger gegen 17.30 Uhr von bis zu 20 Männern angegriffen. Anschließend konnten die Angreifer entkommen. Der jüngere der beiden Angegriffenen konnte mit Kopfverletzungen nach einer ambulanten Behandlung in einer Klinik wieder entlassen werden. Der Ältere erlitt eine Stichverletzung im unteren Rückenbereich sowie diverse Prellungen und Schnittverletzungen. Er musste stationär im Krankenhaus verbleiben. Lebensgefahr bestand nicht. Wie die Morgenpost erfuhr, handelt es sich bei den Verletzten um Russen.

Die Gegend in Gesundbrunnen ist hart umkämpft. Tschetschenische Gruppe, die auf dem Vormarsch sind, sollen schon Läden von Rockerclubs übernommen haben.