Kriminalität

Eine ganz normale Neuköllner Nacht

Die Polizei musste zu einer Brandstiftung, einer Massenschlägerei, einem renitenten Gastwirt und einer randalierenden Frau ausrücken.

Ein Mercedes-Fahrer soll an der Karl-Marx-Straße in Neukölln versucht haben, eine Polizeisperre zu durchbrechen.

Ein Mercedes-Fahrer soll an der Karl-Marx-Straße in Neukölln versucht haben, eine Polizeisperre zu durchbrechen.

Foto: Pudwell

In Neukölln hatte die Polizei in der Nacht von Dienstag zu Mittwoch viel zu tun. Die Beamten mussten gleich zu mehreren Großeinsätzen ausrücken. Das Besondere: Die Tatorte lagen nur wenige Kilometer auseinander.

Polizisten nehmen Auto-Einbrecher in Britz fest

Los ging es für die Polizei noch vergleichsweise ruhig. Polizisten konnten am Dienstagnachmittag zunächst einen Mann in Britz festnehmen, der im Verdacht steht, mehrere Autos aufgebrochen zu haben. Ein Zeuge beobachtete den 37-Jährigen am späten Nachmittag dabei, wie dieser an der Franz-Körner-Straße einen geparkten Mercedes durchsuchte und dabei einen Hammer in der Hand hielt. Der Zeuge alarmierte daraufhin die Polizei, die den Mann festnahm. Der Tatverdächtige soll zuvor versucht haben, vom Tatort zu fliehen. Der Zeuge hielt ihn aber bis zum Eintreffen der Beamten fest. Bei der Durchsuchung des 37-Jährigen fanden die Beamten Gegenstände, die mutmaßlich aus vorherigen Taten stammen, sowie ein Messer. In der Nähe wurden zwei weitere aufgebrochene Autos festgestellt. Der Tatverdächtige wurde in Gewahrsam genommen. Nun wird geprüft, ob ein Haftbefehl beantragt wird.

Schlägerei und Raser an der Karl-Marx-Straße

Deutlich mehr Polizisten waren dagegen gegen 21 Uhr an der Karl-Marx-Straße nötig. Dort waren der Fahrer eines Transporters und drei Insassen eines Kleinwagens in Streit geraten. Diese sollen den Transporter-Fahrer mit Messern und Gürteln attackiert haben. Die Lage eskalierte in einer Schlägerei, an der noch weitere Personen beteiligt gewesen sein sollen. Die Polizei rückte schließlich mit einer Einsatzhundertschaft an und sperrte die Straße weiträumig ab. Die Szenerie wurde laut Augenzeugen noch unübersichtlicher, als plötzlich ein Mercedes-Fahrer an der Polizeisperre mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit vorbeifuhr und dabei fast einen Beamten und einen Passanten erfasst haben soll, die sich nur durch einen Sprung zur Seite retten konnten. Polizisten konnten den Fahrer stoppen, überwältigen und festnehmen. Offenbar wollte der Fahrer einem an der Schlägerei beteiligten Mann zur Hilfe eilen. Auch zwei Männer, die den Transporter-Fahrer angegriffen haben sollen, wurden festgenommen. Der Mercedes, mit Kennzeichen aus dem Jerichower Land (Sachsen-Anhalt), wurde unter lautstarkem Protest anwesender Familienmitglieder des Fahrers beschlagnahmt.

Sechs Corona-Verstöße in einem Lokal

Der nächste Einsatzort lag für die Beamten nur wenige Hundert Meter entfernt an der Hermannstraße, die parallel zur Karl-Marx-Straße verläuft. Dort wurden in einem Café nach Beginn der Sperrstunde noch zahlreiche Gäste bewirtet. Zudem trug das Personal keine Masken. Kontaktdaten der Gäste seien auch nur unzureichend aufgenommen worden. Hinzu kam, dass für den Außenbetrieb des Cafés offenbar keine Genehmigung vorlag. Als die Polizei anrückte, verließen mehrere Gäste laut Augenzeugen fluchtartig das Lokal. Zeugen berichteten, dass die Betreiber des Cafés äußerst aggressiv auf den Einsatz reagierten. Das Café soll bereits in der Vergangenheit durch Verstöße gegen die Corona-Regeln aufgefallen sein.

Frau randaliert und wirft Stühle aus dem Fenster

Nahezu zeitgleich musste die Polizei an die Flughafenstraße ausrücken. Die Beamten waren wegen Ruhestörung gerufen worden. In einem Wohnkomplex, der bei den Beamten berühmt-berüchtigt ist, randalierte eine Frau. Aus einer Wohnung aus der vierten Etage wurde ein Stuhl auf die Straße geschleudert. Bilder vom Einsatzort zeigen, wie das zerbrochene Möbelstück auf dem Fahrradweg liegt. Die randalierende Frau wurde festgenommen. Etwa 30 Beamte waren im Einsatz.

Brandstifter zünden Unrat vor U-Bahn-Fahrstuhl an

Nur 200 Meter weiter liegt der U-Bahnhof Boddinstraße (U8). Dort stopften Unbekannte am frühen Morgen Müll, darunter eine Matratze, in einen Aufzugsschacht und steckten ihn an. Insgesamt brannte etwa ein Kubikmeter Unrat, wie ein Feuerwehrsprecher sagte. Polizisten hatten zunächst mit einem Feuerlöscher versucht, den Brand einzudämmen. Letztlich waren 24 Feuerwehrleute nötig, um das Feuer zu bekämpfen. Verletzt wurde niemand. Inwieweit der Aufzug durch den Brand beschädigt wurde, konnte noch nicht gesagt werden. Die Polizei ging aber noch in der Nacht von Brandstiftung aus.