Feuerwehreinsatz

Nach Garagen-Brand in Neukölln: Verdächtiger in Haft

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Michaela Menschner und Andreas Gandzior

Der Mann soll Autos in der Garage angezündet haben. 120 Mieter mussten ihre Wohnungen verlassen. Nun erging ein Haftbefehl.

Berlin. Nach dem verheerenden Feuer in der Tiefgarage eines Wohnhauses in der Nacht zum 13. Juli an der Neuköllner Buschkrugallee Ecke Jahnstraße hat die Polizei einen Verdächtigen festgenommen, wie ein Sprecher am Montag mitteilte. Die Festnahme sei nach intensiven Ermittlungen und Hinweisen von Zeugen bereits am Freitag erfolgt.

Der 32-Jährige war bereits polizeibekannt, allerdings noch nicht wegen Branddelikten in Erscheinung getreten. Am Sonnabend erließ ein Untersuchungsrichter einen Haftbefehl. In seiner Vernehmung wollte der Mann keine Angaben zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen machen. Ihm wird auch die Brandstiftung an Autos in der Karl Marx-Straße zur Last gelegt. Eine politische Tatmotivation sei nach Angaben der Ermittler zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht erkennbar.

Das Mietshaus in Berlin-Neukölln, das durch den Brand von mehreren Autos zu Wochenbeginn beschädigt wurde, musste am vergangenen Donnerstag geräumt werden. Das Haus soll nach Angaben aus dem Bezirksamt nicht mehr standsicher sein, habe ein Statiker festgestellt, hieß es in der RBB-Abendschau. Ein Sprecher des Bezirksamtes sagte in der Sendung, die Bewohner würden in einem Hotel in der Nähe untergebracht. Es geht demnach um 120 Menschen.

Die Feuerwehr war mit etwa 20 Kräften vor Ort, um gegebenenfalls medizinische Hilfe leisten zu können, sagte ein Sprecher. Der Einsatz habe von etwa 16 bis 20 Uhr gedauert.

Die Fahrzeuge verbrannten zum Teil bis zur Unkenntlichkeit, sodass noch nicht gesagt werden kann, ob lediglich ein Pkw in Brand gesetzt wurde, oder ob zeitgleich Anschläge auf mehrere Fahrzeuge verübt worden sind.

Wegen der starken Rauch- und Hitzeentwicklung war auch das Wohngebäude an der Jahnstraße Ecke Buschkrugallee in Mitleidenschaft gezogen worden. Laut Feuerwehr bestand für die Bewohner des sechsgeschossigen Hauses Lebensgefahr. Die Parkplätze, auf denen die Autos ausbrannten, liegen unter dem Wohnbereich des Gebäudes.

Neuköllns Bürgermeister Martin Hikel (SPD) will junge Retterin auszeichnen

Alle Bewohner des Eckgebäudes mussten in der Nacht ihre Wohnungen verlassen, um sich vor dem giftigen Rauch in Sicherheit zu bringen. Und ohne das schnelle Handeln und Eingreifen von Linda Barbicke wäre es vermutlich für einige Bewohner nicht so glimpflich abgelaufen. Die 19 Jahre alte Krankenschwester, die in dem Haus an der Jahnstraße wohnt, hatte in der Nacht die Flammen bemerkt und Polizei und Feuerwehr alarmiert. Dann weckte sie alle Nachbarn im Haus und führte ihre kleinen Geschwister ins Freie. Womöglich verhinderte die mutige junge Frau damit Schlimmeres. Statt sich von dem Schrecken zu erholen, trat die Krankenschwester am Montagnachmittag ihren Dienst auf der Intensivstation im Klinikum Neukölln an.

Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) erreichte die Nachricht von der Brandstiftung an seinem Urlaubsort. „Ich bin entsetzt von dieser menschenverachtenden Tat und hoffe, dass dem oder den Brandstiftern schnell das Handwerk gelegt wird. Die Serie von Brandanschlägen auf Fahrzeuge, die sich seit Wochen durch Neukölln zieht, muss ein Ende finden“, sagte er der Berliner Morgenpost. „Nur durch viel Glück und das beherzte Handeln der mutigen jungen Frau sind Menschenleben bei dem Feuer in der Jahnstraße verschont worden.“ Neuköllns Bürgermeister kündigte an, dass er sich nach seiner Rückkehr mit der Heldin treffen wolle, um ihr persönlich seine Hochachtung für ihr umsichtiges und richtiges Verhalten auszusprechen und ihr als kleines Dankeschön eine Anerkennung zu überreichen.

Insgesamt standen in der offenen Mietergarage des Wohnhauses an der Jahnstraße Ecke Buschkrugallee im Neuköllner Ortsteil Britz in der Nacht zu Montag acht Autos und zwei Mopeds in Flammen. Wegen der starken Rauch- und Hitzeentwicklung war auch das Wohngebäude betroffen. Laut Feuerwehr bestand für die Bewohner des sechsgeschossigen Hauses Lebensgefahr. Die Parkplätze liegen unter dem Wohnbereich des Gebäudes.

Ein Mieter riskierte für sein Auto sogar sein Leben: Er sprang in den Wagen in der Garage und fuhr damit durch das Feuer ins Freie. Sechs Menschen wurden mit Verdacht auf Rauchgasvergiftungen vom Rettungsdienst vor Ort versorgt, wie ein Feuerwehrsprecher am Montag sagte.

Feuer in Neukölln: Drei Wohnungen unbewohnbar - Fassade rauchgeschwärzt

Alle Bewohner mehrerer Gebäude mussten ihre Wohnungen verlassen. Einen Großteil der 33 Wohnungen hätten die Einsatzkräfte gewaltsam öffnen müssen, sagte ein Sprecher. Insgesamt wurden 100 Menschen betreut und 24 Wohnungen und ein Café belüftet, wie die Feuerwehr twitterte. Drei Wohnungen, die direkt über den Stellplätzen liegen, wurden unbewohnbar. 50 Feuerwehrkräfte waren im Einsatz und löschten die Flammen. Die Polizei geht von Brandstiftung aus. Bei den ausgebrannten Autos handelt es sich um einen Toyota, einen Kia, einen VW, einen Renault, einen Mercedes, zwei BMW, einen Audi quattro und zwei Mopeds.

Der starke Rauch des Feuers schwärzte die Fassade des Wohnhauses bis unter das Dach. Aufgrund der großen Hitze zersprangen Fensterscheiben in den Wohnungen, Plastikgegenstände auf den Balkonen der Mieter, wie etwa Blumenkästen, schmolzen.

Bewohnerin: "Wir haben sehr viel Glück gehabt"

Eine andere Bewohnerin steht am Montagmittag auf dem Balkon ihrer Wohnung. Direkt unter ihrer Wohnung ist ein Auto zur Unkenntlichkeit ausgebrannt. Ihre Blumenkästen sind durch die große Hitze geschmolzen und kleben jetzt wie große Tropfen an der schwarzen Hausfassade. Sie möchte nicht reden und auch ihren Namen nicht nennen. „Wir haben sehr viel Glück gehabt“, sagte sie kurz angebunden. „Jetzt warten wir auf eine Ersatzwohnung vom Bezirksamt.“

Vom Feuer selber hat Basel Alkadre erst etwas mitbekommen, als seine kleine Schwester sagte, dass es im Hof brenne. „So um 3 Uhr hat meine kleine Schwester das Feuer gemerkt“, sagt der 27-Jährige. „Ich bin erst nach Mitternacht nach Hause gekommen und habe geschlafen.“ Er wohnt in der fünften Etage an der Buschkrugallee. „Wir mussten noch im Haus in unseren Wohnungen bleiben und konnten erst nach Aufforderung durch die Feuerwehr das Haus verlassen“, beschreibt er am Tag nach dem Feuer die Situation. „Im Treppenhaus und in der Wohnung riecht es stark nach Rauch, aber glücklicherweise habe ich mein Auto an der Buschkrugallee geparkt.“

Brennende Autos in Neukölln: Landeskriminalamt ermittelt wegen Brandstiftung

Kurz zuvor hatte an der nahe gelegenen Karl-Marx-Straße gegen 2.40 Uhr ein Auto gebrannt. Passanten bemerkten die Flammen an dem Wagen und alarmierten Polizei und Feuerwehr. Die Einsatzkräfte löschten den Vollbrand, konnten jedoch nicht verhindern, dass das Feuer auf einen davor geparkten Skoda übergriff. Verletzt wurde niemand.

Einen politisch motivierten Hintergrund - etwa durch linksextremistische Täter - sieht die Polizei nur bei einem kleinen Teil der 2020 begangenen Taten. Bei den meisten Brandstiftungen werden Vandalismus, pyromanische Tendenzen, gezielte Racheaktionen im privaten Umfeld, Versicherungsbetrug und sogenannte Verdeckungsbrände angenommen. In einem solchen Fall soll mit einem Feuer eine andere Straftat verdeckt werden.