Kreuzberg

Tumult im Clan-Milieu: Polizei-Einsatz vor Rettungsstelle

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Andreas Gandzior und Michael Bee
Bei einer Geschwindigkeitskontrolle an der Hermann- Ecke Thomasstraße in Neukölln kam es zu gefährlichen Verstößen durch Clan-Mitglieder.

Bei einer Geschwindigkeitskontrolle an der Hermann- Ecke Thomasstraße in Neukölln kam es zu gefährlichen Verstößen durch Clan-Mitglieder.

Foto: BM

Vor der Rettungsstelle des Klinikums am Urban in Kreuzberg ist es in der Nacht zu Dienstag zu einem Polizei-Einsatz gekommen.

Berlin. Der arabischstämmige Remmo-Clan hat in der Nacht zu Dienstag gleich mehrere Polizeieinsätze ausgelöst. Begonnen hatte die Serie von Einsätzen mit einem Alarm bei der Feuerwehr. Um 23.46 Uhr wurden die Einsatzkräfte unter dem Stichwort Notarzt/ Reanimation zur Eschersheimer Straße in Neukölln gerufen. Dort wohnt ein weibliches Familienmitglied des Remmo-Clans.

Nach Informationen der Berliner Morgenpost handelt es sich um eine etwa 70 Jahre alte Frau, die den gleichen Nachnamen wie der Clanchef hat. Die Frau wurde unter Notarztbegleitung zum Urban-Krankenhaus transportiert. Laut Einsatzprotokoll wurde sie um 0.38 Uhr in die medizinische Obhut des Krankenhauspersonals übergeben. Binnen kurzer Zeit versammelten sich vor der Rettungsstelle der Klinik bis zu 60 Personen. Der Sicherheitsdienst des Urban alarmierte die Polizei, und mehrere Gruppenwagen trafen auch wenig später dort ein, wie ein Zeuge berichtet.

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Clans in Berlin: Polizist muss sich zweimal vor Rasern retten

Etwa vier Kilometer von der Klinik entfernt hatten Polizeibeamte des Abschnitts 55 in Neukölln an der Hermannstraße Ecke Thomasstraße eine Geschwindigkeitskontrolle eingerichtet. Nach Angaben der Polizei raste wenige Minuten nach 1 Uhr ein Porsche-Fahrer auf die Kontrollstelle zu. Ein Polizist soll mit einer Polizeikelle versucht haben, den Porsche anzuhalten.

Nach Polizeiangaben soll der Fahrer zunächst das Tempo verringert, dann jedoch auf den Beamten zugefahren sein, der einen Sprung zur Seite machen musste, um nicht von dem Pkw erfasst zu werden. Zivilkräfte bemerkten den Mann später auf dem Columbiadamm. Dort soll er mehrere rote Ampeln missachtet haben. Aufgrund der hohen Geschwindigkeit brachen die Zivilkräfte die Verfolgung ab. Die Fahndung dauert an.

Die offizielle Mitteilung der Berliner Polizei zu dem Fall lesen Sie hier.

Gegen 1.20 Uhr wurde ein weiterer Raser mit 86 km/h bei erlaubten Tempo 30 an der Kontrollstelle gemessen. Der Fahrer des VW soll laut Polizei direkt auf den Polizisten, der schon versucht hatte den Porsche zu stoppen, zugerast sein. Der Beamte musste erneut zur Seite springen, um nicht von dem Auto erfasst zu werden. Seine Polizeikelle prallte dabei gegen die Windschutzscheibe des VW. Der Beamte erlitt eine leichte Handverletzung.

Der Fahrer des VW raste davon und soll bei seiner Flucht mehrfach rote Ampeln missachtet haben. An der Kreuzung Grimmstraße Ecke Dieffenbachstraße, dort befindet sich auch das Krankenhaus, wurde er gestellt, rammte aber noch einen Polizeiwagen. Der 18 Jahre alte Fahrer wurde festgenommen. Im VW saßen zwei weitere Männer im Alter von 20 und 43 Jahren sowie eine 34-jährige Frau. Im Fahrzeug fanden die Einsatzkräfte ein Messer, dass sichergestellt wurde.

Gewerkschaft der Polizei spricht von versuchtem Tötungsdelikt

Wie die Polizei mitteilte, könne nicht ausgeschlossen werden, dass der zuvor in der Eschersheimer Straße stattgefundener Rettungseinsatz in Zusammenhang mit den mutmaßlichen Rasern steht. Zeugen sollen zuvor den Porsche und den VW dort gesehen haben. Die Polizei prüft auch, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Menschenauflauf vor dem Krankenhaus in Kreuzberg und dem Rettungseinsatz gibt. Es wurden Strafermittlungsverfahren wegen gefährlicher Eingriffe in den Straßenverkehr eingeleitet.

„Bei allem Verständnis für den schmerzhaften Verlust eines geliebten Menschen – In unserem Land gelten Gesetze, an die sich alle Menschen zu halten haben. Wer Rettungsstellen bei der Arbeit behindert, riskiert Menschenleben. Wer sich einer Verkehrskontrolle entzieht und nicht davor zurückschreckt, einen Menschen umzufahren, begeht ein versuchtes Tötungsdelikt“, sagte Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP). „Wer das anders sieht und klein redet, pflegt genau die falsch verstandene Toleranz, die uns zu den heutigen Problemen bei arabischen Clans in der organisierten Kriminalität gebracht hat.“

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