Berlin-Friedrichshain

Hunderte demonstrieren gegen Amazon-Zentrale an der Spree

Linke Gruppen hatten zu dem Protest gegen den neuen Firmensitz von Amazon aufgerufen. Sie forderten die Enteignung des Internetkonzerns

Hunderte Menschen haben gegen die Ansiedelung von Amazon in Friedrichshain protestiert.

Hunderte Menschen haben gegen die Ansiedelung von Amazon in Friedrichshain protestiert.

Foto: dpa

Berlin. In Friedrichshain sind am Sonnabend mehrere Hundert Menschen gegen den geplanten neuen Firmensitz das Internetkonzerns Amazon auf die Straße gegangen. Mehrere linke Gruppen hatten unter dem Motto „Save your Kiez – Fight Amazon“ dazu aufgerufen. Sie befürchten steigende Mieten und Verdrängung in den umliegenden Kiezen, wenn der US-Konzern direkt an der Warschauer Brücke mit „3500 gut bezahlten“ Arbeitnehmern einzieht, hieß es im Demonstrationsaufruf. Auf Plakaten wurden Aufschriften wie „Fuck AMZ“ und „Amazon, Air BND, Lieferando & Co. enteignen“ gezeigt.

Protest gegen Amazon: 500 Demonstranten, 300 Polizisten, keine Zwischenfälle

Laut Polizei waren 1000 Teilnehmende angemeldet. Gekommen seien aber weniger, sagte eine Sprecherin am Nachmittag. Die Veranstalter sprachen auf Twitter von 500 Protestierenden, die um 15 Uhr am Frankfurter Tor zusammenkamen. Von dort setzte sich der Zug eine halbe Stunde später in Bewegung. An der Rigaer Straße sei man von den Bewohnern des linken Hausprojekts „Rigaer94“ „sehr herzlich empfangen“ worden, hieß es auf dem Kurznachrichtendienst weiter. Die Polizei, die am Rande der Demonstration mit 300 Kräften im Einsatz war, meldete dort und während des gesamten Zugs bis zum frühen Abend keine Zwischenfälle. „Es wurde Pyrotechnik von einem Dach abgebrannt“, sagte eine Polizeisprecherin.

Gegen 17 Uhr erreichte die Demonstration den Ort an der Warschauer Brücke, wo der neue Amazon-Sitz entstehen soll. Laut den Veranstaltern war der Zug bis dahin auf 800 Menschen angewachsen.

Firmensitz wird eines der höchsten Gebäude Berlins

Unter dem Titel „Edge East Side Berlin“ soll für rund 400 Millionen Euro bis 2023 an der Warschauer Brücke ein Hochhaus entstehen. Mit insgesamt 140 Metern soll es eines der höchsten Gebäude Berlins werden. Der Internetkonzern Amazon hatte angekündigt, 28 der 35 Etagen mieten zu wollen. Insgesamt kann das Unternehmen nach eigenen Angaben dort dann bis zu 3400 Mitarbeiter unterbringen.

Friedrichshain-Kreuzbergs Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) hatte im Oktober versucht, dem Investor das Baurecht zu entziehen, weil die Planung vom ursprünglich verabredeten Konzept stark abweiche. Die Senatsbauverwaltung sah dazu jedoch keine rechtliche Grundlage und gab grünes Licht.