Organisierte Kriminalität

Projekt Limes: Ermittler stellen Kriegswaffen sicher

Die Berliner Polizei ist im Kampf gegen die Russen-Mafia und Kfz-Schieber erfolgreich – gemeinsam mit Teams aus anderen Ländern.

Die Ermittler präsentierten sichergestellte Waffen.

Die Ermittler präsentierten sichergestellte Waffen.

Foto: Alexander Dinger

Berlin. Die Berliner Polizei hat im Rahmen des EU-finanzierten Projektes „Limes“ zur Bekämpfung der Russen-Mafia und der internationalen Kfz-Verschiebung auch Dutzende Waffen sichergestellt, darunter Kriegswaffen wie Maschinenpistolen und Handgranaten. Einen Teil der Funde präsentierte die Berliner Polizei am Montag der Öffentlichkeit.

Insgesamt ist die Berliner Kriminalpolizei in den vergangenen drei Jahren gemeinsam mit deutschen und europäischen Kollegen gegen 88 Gruppen der Organisierten Kriminalität (OK) vorgegangen und hat fast 800 Verdächtige vor allem aus Osteuropa überführt. Insgesamt wurde in 94 Komplexen ermittelt, davon 20 im Bereich der russischsprachigen Organisierten Kriminalität und 74 im Bereich der Kfz-Verschiebungen.

Nach Angaben der Polizei wurden 2255 Ermittlungsverfahren eingeleitet und 243 Haftbefehle vollstreckt. Ein Großteil der Verfahren läuft noch. Bislang wurden 47 Tatverdächtige verurteilt. Die Schadenshöhe aller Ermittlungskomplexe wird auf knapp 60 Millionen Euro geschätzt. Tatsächlich sichergestellt werden konnten in den Verfahren 4,2 Millionen Euro.

685 gestohlene Autos und Lkw beschlagnahmt

Insgesamt wurden auch 685 gestohlene Autos und Lkw beschlagnahmt und mehr als 400 Wohnungen durchsucht. Nebenbei stießen die Fahnder auch auf kiloweise Drogen wie Kokain, Cannabis und Ecstasy sowie Waffen. Nach Schätzungen der Polizei wurden von den zahlreichen Banden mehr als 10.000 Fahrzeuge gestohlen.

Bei „Limes“ arbeiteten unter Federführung der Landeskriminalämter (LKA) Berlin und Brandenburg in den vergangenen drei Jahren auch die Landeskriminalämter aus Sachsen-Anhalt und Sachsen mit den Polizeibehörden aus Polen, Tschechien, Estland, Lettland, Litauen, Schweden und Europol zusammen.

Nun ist das Projekt, das schon einmal verlängert wurde und einen Finanzierungsrahmen von knapp 800.000 Euro hatte, ausgelaufen. Mit dem Geld wurden unter anderem Informanten bezahlt, aber auch Technik beschafft und unbürokratische Treffen der Ermittler untereinander finanziert.

Kurierfahrer bringen gestohlene Autos über die Grenze

Thomas Susebach vom Berliner LKA, der das Projekt „Limes“ leitete, sagte, die typischen Täter würden von Polen nach Berlin fahren, nachts in mehreren Stunden acht bis zehn teure Autos stehlen und vorerst nur umstellen. Dann verschwänden sie wieder über die Grenze, während die Autos später von Kurierfahrern abgeholt und über die Grenze gefahren würden. Gegen diese gut organisierten Banden helfe auch nur eine internationale Zusammenarbeit der Polizei.

Die Berliner Polizeipräsidentin Barbara Slowik sagte, dass Sicherheitsbehörden gerade bei der grenzübergreifenden Zusammenarbeit immer wieder an ihre Grenzen stoßen würden. Mit „Limes“ habe man Strukturen für einen schnelleren Austausch geschaffen. Der Leiter des LKA Brandenburg, Dirk Volkland, sagte: „Wer heute erfolgreich Kriminalität bekämpfen will, muss international zusammenarbeiten.“

Hintermänner operieren aus dem Ausland

Susebach erklärte, dass Hintermänner und Chefs der Banden in Deutschland gar nicht aufträten. „Es wurde mit niederländischen und französischen Zulassungspapieren gearbeitet, es wurde mit slowakischen, tschechischen und österreichischen Personaldokumenten gearbeitet, die Fahrzeuge wurden von polnischen und auch deutschen Verdächtigen entwendet, es gab Verdächtige aus Saudi-Arabien, aus Jordanien, Fahrzeuge wurden bis nach Tunesien, bis nach Algerien weiterverschifft.“

Eine internationale Zusammenarbeit der Polizei sei „zwingend erforderlich“. Zum Teil würden die Autos auch blitzschnell zerlegt und die Teile verkauft und versendet – bis nach China. Michael Will von Europol, der europäischen Polizeibehörde, wies dabei auf die großen Gefahren durch die russischsprachige Kriminalität hin. Fast jedes EU-Land sei von diesen Banden betroffen, so Will.