Kottbusser Tor

Mann vor U8 gestoßen: Verdächtiger in U-Haft

Nach dem tödlichen Stoß vor eine U-Bahn am Kottbusser Tor hat es eine Festnahme gegeben. Gegen den Mann wurde Haftbefehl erlassen.

Tragödie in Berlin: Mann vor U-Bahn gestoßen
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Berlin. Nachdem ein Mann vor eine U-Bahn der Linie 8 im Kreuzberger Bahnhof Kottbusser Tor gestoßen wurde und starb, sitzt ein Tatverdächtiger in U-Haft. Martin Steltner, Sprecher der Staatsanwaltschaft, verwies am Montag auf den am Vortag erlassenen Haftbefehl wegen Mordes aus Heimtücke. Hintergrund der Tat seien mutmaßlich Drogengeschäfte gewesen. Der Tatverdächtige stammt aus Marokko, er befindet sich in U-Haft und hat sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert. Er war am Sonnabend in einer Flüchtlingsunterkunft in Berlin-Wannsee festgenommen worden, wie Steltner sagte.

Zeugenaussagen und Ermittlungen der Mordkommission in der Drogenszene hätten zum Tatverdächtigen geführt. Die Aufnahmen der Überwachungskameras vom Bahnsteig seien nicht besonders ergiebig gewesen, so Steltner. Die Ermittlungen wegen Mordes dauern an. Steltner sprach von großem Engagement der Mordkommission und insgesamt schwierigen Ermittlungen im Bereich der Drogenkriminalität - mit widersprüchlichen Aussagen. Das Opfer, der fälschlicherweise Festgenommene und der mutmaßliche Täter seien alle dieser Szene zuzurechnen.

Berliner Fahnder hatten zuvor am Freitagabend in Eberswalde einen anderen Mann festgenommen. Er wurde am Sonnabend einem Haftrichter vorgeführt, kam im Anschluss aber wieder frei. "Die weiteren Ermittlungen und Videoauswertungen konnten heute - insbesondere aufgrund aufgetretener Widersprüche in den Zeugenaussagen - den Tatverdacht nicht erhärten. Der Beschuldigte wird deshalb heute von der StA (Staatsanwaltschaft, Anm. d. Red.) entlassen. Es besteht derzeit kein dringender Tatverdacht", schrieb die Generalstaatsanwaltschaft am Sonnabend.

Kottbusser Tor seit Jahren als Drogenumschlagplatz bekannt

In der Nacht zu Mittwoch war ein 30-jähriger Mann vor eine Berliner U-Bahn gestoßen und getötet worden. Die Polizei geht von Drogenhandel als Anlass für die Auseinandersetzung aus. „Es haben sich Hinweise verdichtet, dass ein Drogengeschäft der Tat zugrunde gelegen haben könnte“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, am Freitag. Der Mann habe für die Tatzeit ein Alibi vorweisen können und gelte als entlastet, hieß es.

Vor der Tat soll es auf dem Bahnsteig laut Polizei einen Streit zwischen dem Opfer und einem Begleiter sowie einer größeren Gruppe, zu der der Täter gehörte, gegeben haben. Das Kottbusser Tor ist seit Jahren als Drogenumschlagplatz bekannt. Im U-Bahnhof und auf dem Platz selbst halten sich öfters Konsumenten auf. Von der Berliner Polizei hieß es, das 30 Jahre alte Opfer habe in Berlin gewohnt und sei der Behörde wegen Drogendelikten bekannt.

Tod an der U8 in Berlin-Kreuzberg: Mordkommission ermittelt wegen Totschlags

Polizei und Staatsanwaltschaft gehen von einem gezielten Stoß aus. Eine Mordkommission ermittelt wegen Totschlags. Der Getötete wurde von einem Rollstuhlfahrer begleitet.

Kottbusser Tor in Berlin-Kreuzberg: Video zeigt, wie Mann vor U-Bahn der U8 gestoßen wird

Nach Informationen der Berliner Morgenpost sind Tat, Tatverdächtige und Opfer auf einem Video zu sehen. Auf diesem Bildmaterial sieht man, wie das Opfer durch den Stoß zwischen Bahnsteigkante und der einfahrenden U-Bahn eingeklemmt und mehrere Meter mitgeschleift wird. Dabei wurde der Mann so schwer verletzt, dass er trotz einer sofortigen Reanimation noch am Tatort starb.

Die Polizei rückte in der Nacht mit einem Großaufgebot am Kottbusser Tor an, befragte Zeugen und sicherte Videoaufnahmen des Vorfalls. Die Filmaufnahmen wurden ebenfalls noch in der Nacht ausgewertet. Aus Sicherheitskreisen hieß es, dass die Täter schnell gefunden werden könnten, weil die Männer auf dem Video gut zu sehen und zu erkennen seien.

Tödlicher Stoß am U-Bahnhof Kottbusser Tor in Berlin - Das Wichtigste in Kürze

  • In der Nacht zu Mittwoch (30. Oktober) ist am U-Bahnhof Kottbusser Tor in Berlin-Kreuzberg ein 30-Jähriger vor eine einfahrende U-Bahn gestoßen worden. Er kam dabei trotz sofortiger Reanimation ums Leben. Vorangegangen war dem Stoß ein Streit zwischen zwei Gruppen.
  • Die Tat ist auf einem Video zu sehen, das durch Überwachungskameras aufgenommen wurde. Laut Polizei könnten der oder die Täter rasch identifiziert werden, weil die Männer in dem Video gut zu erkennen sind. Noch gibt es keine öffentliche Fahndung durch die Berliner Polizei. Für die Veröffentlichung solcher Bilder ist ein Richterbeschluss nötig.
  • Die Polizei vermutet Drogenhandel als Anlass für die Auseinandersetzung. Das Opfer ist den Behörden wegen Drogendelikten bekannt. Der Bereich rund um das Kottbusser Tor ist als Drogenumschlagplatz bekannt und gilt als kriminalitätsbelasteter Ort.
  • Am Freitagabend konnten Berliner Fahnder in Eberswalde einen Tatverdächtigen festnehmen. Dieser wurde inzwischen wieder auf freien Fuß gesetzt. Ein dringender Tatverdachte besteht laut Generalstaatsanwaltschaft nicht mehr.
  • Nun gab es eine weitere Festnahme. Gegen einen 26 Jahre alten Marokkaner wurde am Sonntag Haftbefehl erlassen.

Wann wird eigentlich öffentlich gefahndet?
Wann wird eigentlich öffentlich gefahndet?

U-Bahnhof Kottbusser Tor: Genauer Tathergang noch unklar

Der genaue Tathergang, also das, was zu dem Stoß führte, ist noch nicht abschließend geklärt. Ob sich die Personengruppen kannten oder ob es sich um eine zufällige Begegnung handelte, ist nicht bekannt.

Nach dem Vorfall wurde der U-Bahnverkehr zeitweise unterbrochen, auf der Linie U8 kam es zu deutlichen Verzögerungen. Fahrgäste wurden gebeten, auf Nachtbusse auszuweichen. Der Fahrer des Zuges, der den Mann überrollt hatte, wurde von Seelsorgern betreut. Auch Bekannte des Getöteten wurden vor Ort betreut.

Das Kottbusser Tor zählt für die Polizei zu den sogenannten kriminalitätsbelasteten Orten Berlins. Der innenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Marcel Luthe, erklärte nach dem aktuellen Fall, es zeige sich „leider einmal mehr die Notwendigkeit der Stärkung der objektiven Sicherheit“ bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) „durch Menschen statt Kameras“ auf den Bahnsteigen. Nötig sei Sicherheitspersonal, das Straftaten im Nahverkehr unterbinde.

U-Bahnhof Alexanderplatz: 17-jähriges Mädchen ins Gleisbett der U-Bahn gezerrt

Immer wieder kommt es vor, dass Menschen in die Gleise gestoßen werden. Nach einem Angriff auf eine Jugendliche auf einem U-Bahnhof in Berlin-Mitte Anfang des Jahres musste sich eine 41-Jährige vor dem Landgericht Berlin wegen versuchten Totschlags verantworten. Sie hatte die ihr unbekannte junge Frau an den Haaren in das Gleisbett gezogen. Der 17-Jährigen war es gelungen, sich vor der Einfahrt einer U-Bahn zu retten. Im Jahr 2016 starb am Ernst-Reuter-Platz in Charlottenburg eine 20-Jährige, nachdem sie von einem psychisch kranken Mann vor eine einfahrende U-Bahn gestoßen worden war.

An Bahnhöfen der U8 in Kreuzberg und dem benachbarten Neukölln kam es in den vergangenen Jahren mehrfach zu Taten, die bundesweit schockierten. So hatte zum Beispiel ein inzwischen verurteilter Täter 2016 an der Station Hermannstraße eine junge Frau mit einem wuchtigen Tritt in den Rücken eine Treppe hinuntergestürzt. In der Weihnachtszeit 2016 hatten gelangweilte junge Männer an der Station Schönleinstraße versucht, einen Obdachlosen anzuzünden. Auch sie wurden gefasst. In beiden Fällen gab es Überwachungskamera-Aufnahmen.

Berliner Polizei will an Brennpunkten wie dem Kottbusser Tor mehr Beamte einsetzen

In Berlin ist für 2020 eine Umstrukturierung der Polizei geplant, die auch auf mehr Präsenz in den Innenstadt-, Touristen- und Partykiezen abzielt. Besonders nachts und am Wochenende sollen an Brennpunkten - darunter das Kottbusser Tor - mehr Beamte unterwegs sein. Geplant ist, dass eine Einheit mit 125 erfahrenen und jungen Leuten immer wieder an den gleichen Orten eingesetzt wird. Damit soll besonders gegen Drogenhandel, Gewaltdelikte und Hütchenspieler vorgegangen werden. (mit dpa)