Kriminalität in Berlin

Einbruch bei Tageslicht: Bankräuber werden immer dreister

Klassische Raubüberfälle auf Banken werden seltener. Die neue Masche: Diebe plündern im laufenden Betrieb wertvolle Schließfächer.

Am Tatort: Einbruch in eine Filiale der Commerzbank in Wilmersdorf im Mai.

Am Tatort: Einbruch in eine Filiale der Commerzbank in Wilmersdorf im Mai.

Foto: Sergej Glanze

Berlin. Einbrüche bei Nacht und Nebel? Das ist in Berlin offenbar Vergangenheit. Bankräuber in der Hauptstadt werden immer dreister und gehen bei Tageslicht, im laufenden Geschäftsbetrieb, ungeniert auf Beutezug.

So geschehen am Donnerstagnachmittag. Unbekannte drangen in eine Filiale der Commerzbank im Reinickendorfer Ortsteil Hermsdorf ein. Wie die Polizei mitteilte, wurde gegen 15.20 Uhr der Alarm einer Tür im Untergeschoss der Bank an der Heinsestraße ausgelöst. Alle Mitarbeiter und Kunden verließen daraufhin die Filiale. Polizeikräfte stellten einen Einbruch fest, die Täter konnten fliehen.

Wie konnte es dazu kommen? Laut Morgenpost-Informationen hebelten die Täter offenbar eine Nottür auf und drangen so in die Bank ein. Sie brachen dort mehrere Schließfächer auf und flüchteten in unbekannte Richtung. Am Abend ermittelte die Kriminalpolizei vor Ort.

Im Mai Bankeinbruch in Schmargendorf

Es ist nicht der einzige Fall. Nur wenige Wochen zuvor, am 16. Mai, waren ebenfalls an einem Donnerstag während des laufenden Geschäftsbetriebs mehrere bislang unbekannte Täter in eine Bankfiliale am Roseneck in Schmargendorf eingebrochen. Ob es zwischen den Taten einen direkten Zusammenhang gibt, ist Gegenstand der Ermittlungen.

Am Roseneck hatten sich die Täter über die Rückseite des Gebäudes in der Teplitzer Straße Zutritt verschafft. Dort hebelten sie eine Notausgangstür auf, wobei ein Alarm ausgelöst wurde.

Eine Bankangestellte hörte das und ging zum Tresorraum. Dort stieß sie auf einen der vier maskierten Einbrecher. Laut rufend lief die 39-Jährige in den Schalterraum zurück. Alle Anwesenden flüchteten aus der Bank, während die Täter mehrere Schließfächer plünderten und dann ebenfalls die Flucht ergriffen.

Die Angestellte erlitt einen leichten Schock. Ermittler des Landeskriminalamtes sicherten vor Ort Spuren.

Klassischer Banküberfall wird seltener

Es scheint eine neue Masche zu sein. Der klassische Banküberfall oder -einbruch wird demgegenüber immer seltener. Zuletzt hatte es Ende April in einer Bankfiliale in Zehlendorf einen Raubüberfall gegeben. Zwei Männer bedrohten in dem Gebäude einen Angestellten mit Schusswaffen und forderten Geld. Die Täter flüchteten.

Einen Einbruch in den Tresorraum einer Bank gab es zuletzt Anfang März an der Residenzstraße in Reinickendorf. Dort waren die Täter über den Keller eines Wohnhauses in den Tresor eingedrungen und hatten Schließfächer geöffnet. Die Unbekannten gelangten über das Obergeschoss des Gebäudes und ein Vordach ins Freie und flüchteten in Richtung Mittelbruchzeile.

Ende Januar brachen Unbekannte kurz nach Geschäftsschluss in eine Bankfiliale in der Scharnweberstraße in Reinickendorf ein. Zuvor gab es einen Einbruch in eine Sparkasse am Baumschulenweg in Treptow-Köpenick. Ende 2018 hatten Unbekannte die Tür der Targobank an der Friedrichstraße aufgehebelt und waren in das Gebäude eingedrungen. Tatzeit: gegen 17.30 Uhr.

Schäden bei Schließfächern schwer zu ermitteln

Die Ermittlung der Schäden nach Aufbrüchen von Schließfächern ist sehr mühsam. Der Grund: Viele Schließfachnutzer äußern sich nach Angaben von Ermittlern nur ungern über das, was sie dort deponiert haben.

Die Banken machen grundsätzlich keine Angaben zu ihren Schließfächern. Bankexperten empfehlen sogar den Abschluss von speziellen Versicherungen. Grundsätzlich sind Schrankfächer für Wertvolles, persönliche Dinge mit ideellem Wert oder besonders wichtige Dokumente gedacht.