Attacken in Schöneberg

Sieben Angriffe auf Prostituierte im März

Rund um den Strich an der Kurfürstenstraße sind im März mehrere vorwiegend transsexuelle Prostituierte angegriffen worden.

Der Straßenstrich an der Kurfürstenstraße. (Archivbild)

Der Straßenstrich an der Kurfürstenstraße. (Archivbild)

Foto: Reto Klar

Berlin.  In Schöneberg sind im März mindestens sieben Prostituierte angegriffen worden. Das bestätigte eine Polizeisprecherin der Berliner Morgenpost auf Nachfrage. Unter den Opfern waren mehrere Transsexuelle. Weitere Angaben zu den Angriffen machte die Polizei zunächst nicht.

Die Polizei vermutet hinter den Attacken ein Hassverbrechen, weshalb auch der dafür zuständige Staatsschutz ermittelt. Die Maßnahmen zum Schutz potenzieller Opfer seien „angepasst“ worden, hieß es. Die Angriffe sollen sich rund um die Frobenstraße ereignet haben.

Gewalt gehört zum Kiez

Glaubt man Bianca, der Betreiberin des Spätkaufs an der Ecke Froben- und Bülowstraße, dann ist Gewalt gegen Prostituierte nichts neues auf dem Straßenstrich. Früher seien Anwohner gegen die Frauen und Männer vorgegangen, hätten geschlagen, gespuckt, Gegenstände geworfen. „Die Prostituierten waren nicht ganz unschuldig an dem Streit, sind in die Hauseingänge, haben dort ihre Geschäfte gemacht. Irgendwann sind ein paar Anwohner ausgerastet“, sagt Bianca, die hier jeder nur beim Vornamen nennt. Auch in der Zeitung will sie ihren Nachnamen nicht lesen.

Die gewalttätigen Anwohner seien längst weggezogen. Aber die Gewalt kehre immer wieder zurück. Erst in der Nacht zu Dienstag, so erzählt es die Spätkauf-Betreiberin, sei eine Transsexuelle zu ihr in den Laden gelaufen, habe von einem Wagen berichtet, aus dem Flaschen nach den Prostituierten geworfen wurden. „Das sind Halbstarke, die fahren hier Abends durch, machen Ärger“, sagt Bianca.

Attacken mit Spülmittel

Zunächst hatte das Medienzentrum Berlin über die Übergriffe auf die Prostituierten berichtet. Den Angaben zufolge sollen die Angreifer Säure verwendet haben. Die Polizei machte dazu unter Verweis auf die laufenden Ermittlungen zunächst keine Angaben. Ob die Taten sich im Freien oder in Wohnungen ereignet haben, wollte die Polizei ebenfalls nicht sagen.

Vor Ort hieß es, dass es sich nicht um Säure, sondern um Spülmittel gehandelt haben soll. „Trotzdem geht hier die Angst um“, sagte eine mit den Fällen betraute Person der Berliner Morgenpost. Betroffen seien männliche wie weibliche Prostituierte.

In der Vergangenheit gab es an der Kurfürstenstraße aber auch Revierkämpfe zwischen Zuhältern. Auch dieser Hintergrund wird bei der Polizei geprüft. Dass es auch Biancas „Froben-Eck“ nicht immer friedlich zugeht, das verrät schon der Zustand ihrer Fensterscheiben. Direkt neben der Tür ist das Glas gesplittert, in der Scheibe ist eine handballengroße Delle. „Aschenbecher“, sagt Bianca. Der sei bei einem Streit geflogen. Der Ton sei rauer geworden in den vergangenen Jahren.

Harte Drogen im Umlauf

Daran, so erzählen es auch andere hier im Froben-Eck, sind die Drogen schuld. Die Preise für Sex seien stark gesunken – die Angebote auf der Straße beginnen bei 20 Euro. Und die Frauen und Männer, die für so wenig Geld ihre Dienste anbieten, hätten teils kein Zuhause, manche blieben tagelang auf dem Strich. „Das geht nur mit harten Drogen“, sagt einer, der früher auf der Straße gearbeitet habe. „Crystal Meth“, sagt Bianca, „darauf ticken die einfach aus.“ Viele der Transsexuellen in der Frobenstraße seien selber kriminell. Streit arte oft in Gewalt aus.

Anwohner stören sich an Prostitution

Um die Kurfürstenstraße gibt es seit vielen Jahren Diskussionen. Es ist aber auch ein Kiez voller Gegensätze. An der Kurfürstenstraße verkaufen Prostituierte Sex für 20 Euro. Ein Penthouse kostet 1,6 Millionen Euro. Anwohner stören sich am Straßenstrich vor ihrer Haustür, wo sich Prostituierte zu jeder Tageszeit anbieten, um mit ihnen Sex im Freien zu haben. Anwohner berichten von zurückgelassenen Kondomen, Tüchern und Fäkalien. Der Bezirk hatte als eine Maßnahme mobile Komposttoiletten aufstellen lassen.

Bastian Finke, Leiter des schwulen Anti-Gewalt-Projekts Maneo in Schöneberg, sagte der Berliner Morgenpost auf Nachfrage, dass die Polizei „pro aktiv“ vorgehen müsse. Die Beamten müssten die Prostituierten aufsuchen und ansprechen. Ein ähnliches Ansatz habe auch im Regenbogenkiez rund um die Fuggerstraße zu Erfolgen geführt.