Fall Rebecca

Schwester von Rebecca: „Wir werden dich lebend finden“

Seit mehr als zehn Tagen fehlt von dem vermissten Mädchen jede Spur. Die Polizei vermutet ein Tötungsdelikt.

Kriminaltechniker suchen im Haus des Schwagers von Rebecca Reusch nach Spuren.

Kriminaltechniker suchen im Haus des Schwagers von Rebecca Reusch nach Spuren.

Foto: dpa/Polizei Berlin / BM

Berlin.  Überraschende Wende im Fall Rebecca: Die Polizei musste am Freitag den Schwager des Mädchens wieder freilassen. Der Ermittlungsrichter konnte keinen dringenden Tatverdacht sehen.

„Das ist für uns frustrierend“, hieß aus dem Umfeld der Ermittler. Die Staatsanwaltschaft hielt den Mann für dringend tatverdächtig. Sie warf ihm nach Informationen der Berliner Morgenpost Totschlag vor. In dem Haus des Tatverdächtigen wurden demnach offenbar Spuren gefunden, die auf ein Verbrechen schließen lassen sollen. Deshalb geriet der Schwager in den Fokus der Ermittler. Außerdem soll er sich bei seiner Befragung in Widersprüche verstrickt haben. Ein Haftrichter hatte hingegen keinen dringenden Tatverdacht gesehen.

Der Fall Rebecca Reusch: Das Wichtigste in Kürze

• Die 15-jährige Schülerin Rebecca Reusch ist seit dem 18. Februar 2019 verschwunden

• Ermittler gehen mittlerweile davon aus, dass Rebecca getötet wurde

• Am Donnerstag wurde Rebeccas Schwager (27) festgenommen

• Der Schwager kam am Freitag wieder auf freien Fuß: Ein Ermittlungsrichter stellte keinen dringenden Tatverdacht fest

• Am Freitag untersuchten Kriminaltechniker das Haus des 27 Jahren alten Schwagers

• Rebeccas Schwester meldete sich am Freitagabend bei Instagram zu Wort und schrieb: „Wir werden dich lebend finden!!!“

Mordkommission und Staatsanwaltschaft ermittelt mit Hochdruck weiter

„Nachdem gestern Mittag Ermittler der 3. Mordkommission den 27 Jahre alten Schwager der vermissten Rebecca aufgrund neuer Erkenntnisse, insbesondere derzeit nicht aufzuklärender Widersprüche zwischen seinen Angaben und den neusten Ermittlungsergebnissen, vorläufig festnahmen, wurde der Beschuldigte heute dem Ermittlungsrichter vorgeführt“, hieß es in einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft.

Die Ermittlungen der Mordkommission und Staatsanwaltschaft würden mit Hochdruck fortgeführt.

Unterdessen hat sich die Schwester von Rebecca beim Onlinedienst Instagram zu Wort gemeldet. Am Freitagabend veröffentlichte sie eine Story, in der sie schreibt: „Becci, ich liebe dich vom ganzen Herzen. Du fehlst uns so… Wir werden dich lebend finden!!!“

Haus des Schwagers am Freitag durchsucht

Da es nach wie vor keinerlei Lebenszeichen von der Vermissten gibt, ist inzwischen davon auszugehen, dass Rebecca Opfer eines Tötungsdeliktes wurde. Sie konnte bislang nicht aufgefunden werden, hieß es von der Staatsanwaltschaft. Die 15-Jährige sei wie vom Erdboden verschluckt. „Wir haben wirklich absolut nichts. Wir wissen nicht, wo sie ist“, sagte eine mit den Ermittlungen vertraute Person.

Noch am Freitag wurde das Haus des Verdächtigen in Britz kriminaltechnisch untersucht. Die Ermittler hofften so, weitere Spuren zu finden. Das deutete zunächst darauf hin, dass neue Beweise aufgetaucht sind. Denn für die Durchsuchung brauchen die Ermittler einen richterlichen Beschluss. Das Haus ist der letzte bekannte Aufenthaltsort von Rebecca. Die 15-Jährige hatte dort die Nacht verbracht, bevor sie verschwand.

Die Ermittler trugen Schutzanzüge und durchsuchten das Haus, die Garage und den Garten. Die Beamten machten Fotos. Spuren zum Nachweis einer Tat zu finden, dürfte dafür eine wesentliche Rolle spielen.

Schwager soll bei Befragung geschwiegen haben

Parallel gingen auch die Befragungen weiter. Der 27-Jährige soll jedoch geschwiegen haben. Die Ermittler gerieten dabei offenbar immer mehr unter Druck. Denn die Polizei hätte den Mann ohne Haftbefehl nur bis Mitternacht festhalten können.

Bei Vernehmungen prüfen Beamte normalerweise, ob ein Verdächtiger widersprüchliche Angaben macht oder sich zu Sachverhalten äußert, die nur der Täter wissen kann. Deshalb legt die Polizei generell zum Beispiel bei Tötungsdelikten auch Wert darauf, dass zunächst keine Details der Tat über die Medien bekannt werden.

Rebecca hatte bei ihrer Schwester übernachtet

Rebecca war am 18. Februar verschwunden. Sie hatte bei ihrer Schwester am Maurerweg in Britz übernachtet und am frühen Morgen das Haus verlassen, erschien dann aber nicht zum Unterrichtsbeginn um 9.50 Uhr in der Walter-Gropius-Schule an der Fritz-Erler-Allee.

Die Ermittler wissen inzwischen, dass sich das Handy von Rebecca am Tag des Verschwindens noch einmal in den Wlan-Router des Hauses einwählte. Das geschah zu einem Zeitpunkt, an dem sie angeblich schon das Haus verlassen haben soll.

Die Schwester von Rebecca hatte an jenem Tag das Haus als Erste verlassen. Die 15-Jährige schlief im Wohnzimmer. Ihr Schwager war erst am frühen Morgen von einer Feier zurückgekehrt. Was in dem Haus geschah, wollen die Ermittler nun rekonstruieren. Unklar ist beispielsweise, warum Rebecca eine Wolldecke mitnahm.

Schwager verstrickt sich bei der Vernehmung in Widersprüche

Warum der Schwager ins Visier der Ermittler geriet, ist weiter unklar. Nach Informationen der Berliner Morgenpost hatte sich der Mann bei der Vernehmung in Widersprüche verstrickt. Kurz nach der Festnahme des 27-Jährigen am Donnerstag fuhr ein dunkler Wagen am Haus des Schwagers und der Schwester vor. Eine Frau holte Sachen heraus und ließ die Rollläden herunter.

Der Schwager von Rebecca war bereits zu einem früheren Zeitpunkt von der Polizei befragt worden, da es bereits früh den Verdacht gab, dass er mehr über das Verschwinden der 15-Jährigen wissen könnte. Tagelang waren die Ermittlungen nicht vorangekommen. Den ersten scheinbaren Durchbruch gab es am Mittwoch, als bei einer Suche mit Hubschraubern und Hundertschaften ein Kleidungsstück sichergestellt werden konnte.

Vater von Rebecca: „Es muss etwas passiert sein“

Am Mittwoch hatte Bernd Reusch, Vater der Vermissten, der Morgenpost gesagt: „Es muss etwas passiert sein. Unsere Tochter würde nicht einfach so verschwinden. Wir suchen weiter, sie könnte überall sein“, fügt der 55-Jährige hinzu. Rebecca habe vor ihrem Verschwinden eine Wolldecke dabeigehabt – deshalb vermutete ihr Vater auch, dass sie sich mit jemandem treffen wollte.

Der Schwager von Rebecca war bereits in der vergangenen Woche von der Polizei befragt worden. Eine weitere Schwester von Rebecca hatte sich im Internet geäußert und appelliert, keine Hetzjagd auf ihn zu veranstalten.

Rebeccas Mutter sagte einem Team des Boulevardmagazins „Brisant“: „Ich denke jeden Tag, ich müsste aus diesem Alptraum aufwachen. Das ist für uns sehr hart“. Die Eltern haben Nachbarn gebeten, Ausschau zu halten - auch in entlegenen Winkeln. Die Familie habe sogar ein Feld in der Nähe abgesucht.

Neuköllns Bezirksbürgermeister: „Eine absolute Ausnahmesituation“

Am Mittwochabend hatte sich auch der Neuköllner Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) zu dem Fall geäußert. Er sagte in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV): „Für alle Beteiligten ist das eine absolute Ausnahmesituation.“ Man wisse noch nicht, weshalb Rebecca verschwunden sei und müsse die Ermittlungen der Polizei abwarten. Hikel lobte den sozialpsychologischen Schuldienst, der derzeit an der Schule von Rebecca im Einsatz sei.

Unter dem Hashtag „findbecci“ werden zudem in sozialen Medien wie Instagram Vermisstenanzeigen geteilt. „Becci wir finden dich“, schreibt dort ihre Schwester Vivien. „Egal wo du jetzt bist. Wir lieben dich. Gott ist bei dir und behütet dich. Danke an alle für die Mithilfe.“

An den Bushaltestellen des Blumenviertels, in dem die Schülerin zusammen mit ihren Eltern wohnt, wurden in den vergangenen Tagen Vermisstenanzeigen aufgehängt. Darauf sind drei Bilder von der 15-Jährigen zu sehen. Zudem sind die Adressen der Facebook und Instagram-Seiten von Rebecca und eine Telefonnummer für Hinweise genannt. Ein kurzer Text steht darunter. Er endet mit der verzweifelten Bitte: „Wenn ihr sie gesehen habt oder näheres wisst meldet euch bitte sofort!“

Polizei sucht weiter nach Rebecca Reusch

Nach wie vor gibt es keine Hinweise für den Aufenthaltsort der vermissten 15-jährigen Rebecca Reusch. Auf der Internetseite der Polizei wird immer noch nach dem Mädchen gesucht. Die 3. Mordkommission fragt daher:

Wer hat Rebecca Reusch am Morgen des 18. Februar 2019 im Bereich zwischen Maurerweg und Fritz-Erler-Allee gesehen? Wer hat sie nach dem 18. Februar 2019 noch gesehen oder Kontakt zu ihr gehabt?

Personenbeschreibung:

• 15 -18 Jahre

• 170 -180 cm groß

• schlanke Gestalt

• braunes, schulterlanges Haar

Rebecca war wie folgt bekleidet

• rosafarbene Plüschjacke

• weißer Kapuzenpullover mit Aufschrift „RAP MONSTER“

• blaue Jeans mit zerrissenen Knien

• schwarz/weiße Sportschuhe der Marke „VANS“

• große beige-rosafarbene Handtasche

• roter Rucksack

Hinweise nimmt die 3. Mordkommission beim Landeskriminalamt, Keithstraße 30 in 10787 Berlin unter folgender Rufnummer (030) 4664-911333 oder per E-Mail (lka113-hinweis@polizei.berlin.de) oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.