Britzer Damm

Schüsse aus Auto - zwei Männer vor Neuköllner Bar verletzt

In der Nacht wurden vor einer Sportsbar zwei Mitglieder einer polizeibekannten Großfamilie angeschossen Sie sind außer Lebensgefahr.

Polizisten vor der Bar, wo aus einem fahrenden Pkw auf zwei Männer geschossen wurde

Polizisten vor der Bar, wo aus einem fahrenden Pkw auf zwei Männer geschossen wurde

Foto: Morris Pudwell

Berlin. Die gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Großfamilien in Berlin haben in der Nacht zu Montag einen neuen Höhepunkt erreicht. Im Neuköllner Stadteil Britz fielen Schüsse, durch die zwei Männer schwer verletzt wurden. Und im Graefe-Kiez in Kreuzberg lieferten sich etwa 30 Mitglieder zweier Familienclans eine Massenschlägerei, bei der mehrere Personen verletzt wurden. Auch dort war eine Schusswaffe im Spiel. In beiden Fällen war die Polizei mit einem Großaufgebot, darunter Spezialkräfte, im Einsatz.

Mehrere Schießereien innerhalb weniger Wochen

Zur Tat in Britz kam es wenige Minuten nach Mitternacht. Den bisherigen Ermittlungen zufolge passierte ein Fahrzeug eine Bar am Britzer Damm, bremste davor kurz ab, dann fielen mehrere Schüsse, durch die zwei 32 und 42 Jahre alte Männer vor der Bar getroffen wurden.

Als dann ein weiterer Mann mit seinem vor der Bar abgestellten Wagen die Verfolgung der Schützen aufnahm, erinnerte das Geschehen an eine Action-Szene eines Kriminalfilms. Während beide Fahrzeuge mit überhöhter Geschwindigkeit über den Britzer Damm in Richtung Gradestraße rasten, wurden aus dem vorderen, verfolgten Wagen mehrfach weitere Schüsse auf den verfolgenden Pkw abgegeben. Dieser brach die Verfolgung daraufhin ab.

Die beiden durch die Schüsse schwer verletzten Männer mussten von Rettungskräften nach ersten Sofortmaßnahmen am Tatort zur stationären Behandlung in Krankenhäuser eingeliefert werden. Lebensgefahr soll nach Polizeiangaben bei beiden Männern nicht mehr bestehen. Wie aus Ermittlerkreisen bekannt wurde, sollen die Verletzen der Großfamilie A. angehören. Bei einem weiteren Mitglied dieser Familie fand in der vergangenen Woche eine Razzia der Polizei statt, bei der es um Falschgeld ging.

Bei der Massenschlägerei im Graefekiez gingen die Beteiligten mit Baseballschlägern, einer Axt und Pfefferspray aufeinander los. Eine Schusswaffe kam ebenfalls zum Einsatz, ob damit nur gedroht oder auch geschossen wurde, ist noch unklar. Der Auslöser der Schlägerei war eher banal. Anfangs gab es zwischen den Familien Streit über einen Unfallschaden an einem Pkw. Über die Frage, wer für den Schaden aufkommt, eskalierte die Situation.

Im kriminellen Milieu Berlins wurde in den vergangenen Wochen auffällig oft geschossen. Nur 24 Stunden vor der spektakulären Attacke in Britz feuerte ein bislang Unbekannter mehrere Schüsse auf einen Dönerimbiss am Breslauer Platz in Friedenau ab. Zeugen beobachteten den Mann, als er durch die geöffnete Tür des Ladens schoß, bevor er flüchtete. Verletzt wurde niemand. Lebensgefährlich verletzt wurden hingegen zwei Männer, als Anfang August auf ein Kulturzentrum im Märkischen Viertel geschossen wurde. Die Polizei nahm noch in Tatortnähe zwei Verdächtige fest, vermutet wird ein Zusammenhang mit dem Drogenmilieu.

LKA: Bei den Familienclans herrscht Unruhe

Ebenfalls Anfang August gibt ein Unbekannter mehrere Schüsse auf eine Bar an der Urbanstraße in Kreuzberg ab, exakt einen Monat zuvor trifft es einen Friseursalon zwei Häuser weiter. Bereits Mitte Juni wurde auf ein Café in Wedding geschossen. In allen Fällen gab es keine Verletzungen, über die Hintergründe lediglich Vermutungen.

Spektakulär war ein Fall in Plänterwald, wo am 15. Juni 15 Schüsse auf eine Imbissgaststätte abgegeben wurden. Die Tat ereignete sich nachts, während das Lokal geschlossen war. Der Imbiss gehört dem Chef der Familie A., im gleichen Haus ist auch die Firma des Rappers Bushido untergebracht. Nach dem Vorfall wurde gemutmaßt, die Schüsse ständen in Zusammenhang mit der zuvor erfolgten geschäftlichen Trennung der beiden Männer. Ohne Schusswaffen dafür aber mit Messern verlief eine Auseinandersetzung zwischen rivalisierenden Clans wenige Tage später an der Wilmersdorfer Straße. Dabei wurden drei Männer durch Messerstiche zum Teil lebensgefährlich verletzt.

Revierstreitigkeit im Drogenmilieu und Einschüchterungsversuche im Zusammenhang mit Schutzgelderpressungen werden im Landeskriminalamt als häufigste Ursache für gewalttätige Auseinandersetzung genannt. Vor allem aufgrund der polizeilichen Maßnahmen der letzte Wochen herrsche Unruhe unter den Familienclans, sagte ein Ermittler: „Das macht die nervös und damit teilweise auch unberechenbar.“

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