Berlin-Neukölln

Erfolglose Wiederbelebung: Großfamilie bedrängt Sanitäter

Dass ein lebloser Mann nicht wiederbelebt werden konnte, hat 75 Clan-Mitglieder in Neukölln gegen Retter und Polizisten aufgebracht.

An der Siegfriedstraße musste die Polizei einen Notarzteinsatz absichern

An der Siegfriedstraße musste die Polizei einen Notarzteinsatz absichern

Berlin.  Großeinsatz für die Berliner Polizei nach erfolgloser Wiederbelebung: Am Freitagabend waren gegen 19.15 Uhr zunächst Rettungskräfte in eine Wohnung an der Siegfriedstraße in Neukölln gerufen worden. Dort lag ein lebloser Mann. Etwa eine Stunde lang versuchte das Team eines Rettungswagens, den Mann wiederzubeleben, jedoch ohne Erfolg.

Dass die Maßnahmen schließlich eingestellt wurden, führte zu Unmut bei den Angehörigen, Mitgliedern einer bekannten arabischstämmigen Großfamilie. "Sie fingen an zu schimpfen und zu gestikulieren, es wurde sehr emotional", sagte ein Polizeisprecher der Berliner Morgenpost. Daraufhin riefen die Rettungskräfte die Polizei.

Zur selben Zeit riefen Angehörige weitere Clan-Mitglieder zur Wohnung, schließlich fanden sich bis zu 75 Personen teils in der Wohnung und auf der Straße ein. "Familienmitglieder haben sich echauffiert, wollten die Polizisten nicht an den Leichnam heranlassen", so der Sprecher. "Die Maßnahmen wurden behindert." Zu Straftaten sei es dabei aber nicht gekommen.

Zu den Maßnahmen, die auf Unmut stießen, gehörte das Feststellen des Todes und der Todesursache durch einen weiteren hinzugerufenen Arzt. Der Leichnam habe unterdessen von den Beamten abgeschirmt werden müssen, teilte die Polizei mit. Es sei dann aber gelungen, die Situation wieder zu beruhigen.

Insgesamt zog die Polizei zwischen 50 und 60 Einsatzkräfte hinzu, um die Lage unter Kontrolle zu halten. Zwischenzeitlich wurden Familienmitglieder dazu aufgefordert, die Wohnung zu verlassen. Auch darüber habe es Unverständnis gegeben.

Letztlich hätten die Clan-Mitglieder jedoch eingesehen, dass der Arzt verpflichtet ist, die Todesursache festzustellen, und ihn gewähren lassen. "Als vom Arzt festgestellt wurde, dass es sich um eine natürliche Todesursache handelte, beruhigte das die Situation auch auf Seiten der Angehörigen", sagte der Polizeisprecher.

Feuerwehr verständigte einen Seelsorger

Auch ein Sprecher der Berliner Feuerwehr spricht von einer zwischenzeitlich "bedrohlichen Lage". "Unsere Rettungskräfte hatten das Gefühl, unter Druck zu geraten. Einige Mitglieder der Familie kamen immer dichter, waren nicht bereit, Platz zu machen", schildert er die Situation. Daher hätten die Einsatzkräfte die Polizei zur Unterstützung gerufen. "Außerdem sorgten die Kollegen dafür, dass ein muslimischer Notfallseelsorger zu der Familie kommt", sagte der Feuerwehrsprecher der Berliner Morgenpost.

Seitens der Feuerwehr seien 14 Rettungskräfte sowie ein Rettungswagen, ein Notarztwagen, ein Löschfahrzeug und ein Führungsfahrzeug im Einsatz gewesen. Rund eine halbe Stunde nach Beendigung des Einsatzes, gegen 22.30 Uhr, habe erneut ein Rettungswagen anrücken müssen, um einen Angehörigen des Verstorbenen zu versorgen.

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