Unfall in der City West

Frau bei Verfolgungsjagd getötet: Haftbefehl gegen Fahrer

Die Flucht dreier Autoeinbrecher (27, 14, 18) vor der Polizei endet tödlich. Dem Fahrer wurde am Krankenbett der Haftbefehl verkündet.

Berlin. Eine 22 Jahre alte Frau ist am Mittwochabend in Berlin-Charlottenburg bei der Flucht mutmaßlicher Diebe ums Leben gekommen. Die Frau wurde beim Zusammenstoß des Fluchtwagens mit einem parkenden Auto an der Kreuzung Kant-/Windscheidstraße tödlich verletzt. Sechs weitere Personen, darunter die drei Insassen des Fluchtautos, wurden teils schwer verletzt.

Am Donnerstagabend wurde dem 27 Jahre alten Fahrer des Fluchtwagens der Haftbefehl verkündet. Der Mann wurde bei dem Unfall selbst verletzt und wird derzeit im Krankenhaus behandelt. Gegen zwei andere mutmaßlich Beteiligte im Alter von 18 und 14 Jahren gebe es keine Beschlüsse, teilte die Polizei mit.

Bei den Insassen des Fluchtautos handelt es sich um drei Autoeinbrecher im Alter von 27, 18 und 14 Jahren. Sie wurden festgenommen. Die drei Personen hatten zuvor versucht, an der Westfälischen Ecke Brandenburgischen Straße, Werkzeuge und Baumaschinen aus einem Ford Transit zu stehlen. Dabei wurden sie gegen 21.30 Uhr von einer Zivilstreife beobachtet.

Die Fahnder nahmen daraufhin die Verfolgung der mutmaßlichen Täter auf, die in einem silbernen Audi A6 flohen. An der Lewishamstraße kurz vor dem Stuttgarter Platz versuchten sie, den Wagen zu stoppen, indem die Beamten das Auto einkeilten, wie die Polizei am Donnerstagmorgen mitteilte.

Polizist von Fluchtwagen eingeklemmt und verletzt

Ein Ermittler sei ausgestiegen und auf den Wagen zugegangen. Der Fahrer des Fluchtwagens gab plötzlich Gas, fuhr vor und zurück, klemmte dabei den Polizisten mit der Stoßstange ein und rammte die Polizeiautos, bis er frei kam. Der Beamte wurde an den Beinen verletzt, konnte das Krankenhaus aber in der Nacht wieder verlassen.

Danach setzten die drei ihre Flucht fort. Sie bogen links auf den Stuttgarter Platz ab und dann rechts in die Winscheidstraße. Nach Zeugenaussagen verfolgten mehrere zivile Polizeiautos den Fluchtwagen. Dabei hätten die Polizisten weder Blaulicht noch Sirenen eingeschaltet, sagte der Zeuge am Mittwochabend. Eine Polizeisprecherin bemerkte dazu, dies werde noch ermittelt.

Bei Rot fuhr der Fahrer mit hoher Geschwindigkeit über die Kreuzung an der Kantstraße. Dabei stieß er erst mit dem Skoda einer 55-Jährigen und dann mit einem VW Passat einer 62-Jährigen zusammen. "Auf einmal knallte es, eins, zwei mal extrem, ein Auto, ein silbernes, flog durch die Gegend“, sagte ein Augenzeuge dem TV-Sender Sat.1.

Fluchtauto schleudert über Straße und erfasst 22-Jährige

Durch die Wucht des Aufpralls wurde der Audi gegen einen geparkten Opel Astra geschleudert, der kurz hinter der Ampel an der Windscheidstraße parkte. Dabei erfasste das Auto die 22 Jahre alte Fußgängerin, die auf dem Gehweg ihr Fahrrad schob. Sie wollte laut Augenzeugen gerade an der für sie grünen Fußgängerampel über die Straße gehen. Die Frau wurde schwer verletzt. Hinzugerufene Rettungskräfte versuchten noch, die Frau zu reanimieren - ohne Erfolg. Sie starb noch an der Unfallstelle.

Der 27 Jahre alte Fahrer des Fluchtautos versuchte dann, zu Fuß zu fliehen, bis er an der Pestalozzistraße festgenommen wurde. Die beiden anderen Verdächtigen wurden im Wagen aufgegriffen und festgenommen. Sie und die Fahrerinnen der beiden unbeteiligten Autos wurden schwer verletzt.

Wie die Polizei am Donnerstagvormittag mitteilte, sei der Fahrer des flüchtenden Audi offenbar betrunken gewesen. Bei ihm handele es sich um einen Mann serbischer Herkunft. Sein Komplize sei ebenfalls ein Serbe, der 14-Jährige sei serbisch-montenegrinischer Herkunft, hieß es. Sie seien als Autoeinbrecher bereits polizeilich aufgefallen.

Die drei mutmaßlichen Täter wurden in Krankenhäuser gebracht und werden dort derzeit bewacht. Auch die beiden Autofahrerinnen kamen in Kliniken. Ob die Tatverdächtigen einem Haftrichter vorgeführt werden, war am Donnerstag noch unklar. Zudem hätten zwei Menschen mit einem Schock behandelt werden müssen. Zwei Notfallseelsorger betreuten Augenzeugen des Geschehens. Um die Einsatzkräfte kümmere sich das Einsatznachsorgeteam, sagte ein Sprecher.

Aufräumarbeiten dauerten Stunden

Das Tatfahrzeug sowie der Führerschein des 27-Jährigen wurden beschlagnahmt. Bei dem Unfall wurden im weiteren ein Sicherungskasten, zwei Poller, ein abgestelltes Fahrrad und drei geparkte Autos, ein Opel Corsa, ein VW Passat und ein Audi, beschädigt.

Während der Rettungs- und Aufräumarbeiten sowie der Unfallaufnahme war die Kantstraße zwischen Suarez- und Kaiser-Friedrich-Straße und die Windscheidstraße zwischen Stuttgarter Platz und Pestalozzistraße gesperrt. Ein Polizist beschrieb die Situation vor Ort als zeitweise "chaotisch". Die letzten Sperrungen wurden gegen 3 Uhr aufgehoben. Der Verkehrsermittlungsdienst und die Kriminalpolizei ermitteln. Insgesamt waren 60 Einsatzkräfte der Feuerwehr und zusätzlich Polizei vor Ort.

Schon am Morgen nach dem schrecklichen Unfall hatten trauernde Menschen Blumen für die Tote abgelegt. Die Initiative Volksentscheid Fahrrad rief für den Nachmittag zu einer Mahnwache auf.

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(mit dpa)

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