Hausbesetzungen

Aktivisten besetzen neun Gebäude in Berlin

Am Sonntag haben Gentrifizierungsgegner in Berlin neun leerstehende Gebäude besetzt. In Neukölln ist Staatssekretär Scheel vor Ort.

Autonome haben am Sonntag das Gebäude Bornsdorferstraße 37b besetzt

Autonome haben am Sonntag das Gebäude Bornsdorferstraße 37b besetzt

Foto: Philipp Siebert / BM

Berlin. Hausbesetzer sind aus Protest gegen die prekäre Lage am Wohnungsmarkt in Berlin in mehrere leerstehende Gebäude eingedrungen. Die Polizei bestätigte am Sonntag, dass bis zu acht Häuser betroffen seien. Unklar sei noch, ob es sich um eine kurzzeitige Aktion handele oder eine dauerhafte Besetzung angestrebt werde, sagte Sprecher Winfrid Wenzel.

Transparente seien aus Fenstern gehängt worden. Einsatzkräfte seien vor Ort, würden die Gebäude begehen und das Gespräch suchen, erklärte der Sprecher weiter. „Klar ist aber, dass wirkliche, echte Besetzungen nicht geduldet werden.“ Bislang sei die Situation entspannt. Die Eigentümer würden kontaktiert.

Gebäude in Friedrichshain, Neukölln und Steglitz besetzt

Die Gebäude sind über das gesamte Stadtgebiet verteilt, unter ihnen ist auch das Funkhaus Grünau. Laut Besetzer liegen die Gebäude an folgenden Adressen:

  • Odenwaldstraße / Ecke Stubenrauchstraße (Schöneberg)
  • Finowstraße / Ecke Frankfurter Allee (Friedrichshain)
  • Bornsdorfer Straße 37b (Neukölln)
  • Reichenberger Straße 114 (Kreuzberg)
  • Petersburger Straße 16 (Friedrichshain)
  • Arndtstraße 13 (Kreuzberg)
  • Regattastr. 277 (Grünau)
  • Rummelsburger Landstraße (Bootsschuppen)
  • Karl-Marx-Straße 145 (Neukölln)

In der Reichenberger Straße in Kreuzberg beispielsweise war die Polizei mit einem Großaufgebot vor einem besetzten Haus präsent. An einer Fassade hing ein Transparent mit der Aufschrift „Polizeigewalt ein Ende setzen“; auf einem anderen, an einem Laster vor dem Gebäude befestigten, stand zu lesen: „Die Häuser denen, die sie brauchen“.

Der Sprecher der Besetzer kritisierte, Zehntausende Menschen in der Hauptstadt seien wohnungslos und ein immer größerer Teil der Einkommen müsse für steigende Mieten aufgewendet werden. Angesichts der vorherrschenden Gentrifizierung sei es „illegitim, dass Häuser leer stehen“.

Schon am Nachmittag räumte die Polizei das Haus in der Finowstraße, sowie gegen 17 Uhr in der Karl-Marx-Straße 145. Gegen 21 Uhr ging die Polizei auch gegen die Besetzung in der Petersburger Straße 16 vor. Zudem lief am Abend nach abgebrochenen Verhandlungen zwischen dem Hausbesitzer "Stadt und Land" und den Besetzern die Räumung der Bornsdorfer Straße 37b. Kurz darauf gab die Polizei via Twitter bekannt, nun auch das Haus in der Reichenberger Straße 114 zu räumen.

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