Hausräumung

Polizei räumt verwahrlostes Haus in Wedding

Von Ratten befallen, das Wasser abgestellt: Der Besitzer lässt seit Jahren ein Haus in Wedding verfallen. Montagfrüh wurde geräumt.

Desolater Zustand ohne fließend Wasser: Der Berliner Bezirk Mitte hat ein schon länger wegen Verwahrlosung bekanntes Haus in Wedding räumen lassen. 42 Menschen, darunter zwei Kinder, mussten am Montagvormittag ihre Wohnungen verlassen. Die Räumung sei "als Maßnahme der Gefahrenabwehr" und insbesondere zum Gesundheitsschutz der Bewohner zwingend erforderlich, erklärte der Bezirksstadtrat von Mitte für Stadtentwicklung, Soziales und Gesundheit, Ephraim Gothe. Gegenüber dem Eigentümer sei das Gebäude in der Kameruner Straße/Ecke Lüderitzstraße für unbewohnbar erklärt worden.

Die Hausbewohner, über die zunächst keine Details bekannt wurden, mussten ihr Hab und Gut mitnehmen. Sie dürfen ihre Wohnungen künftig nicht mehr betreten, wie eine Polizeisprecherin sagte. Nach der Räumung wurden Zugänge zum Haus mit Holzplatten verschlossen. Währenddessen überprüften Einsatzkräfte in einem Zelt vor dem Gebäude die Personalien der Menschen. Gothe kündigte Hilfestellungen an - ob und wo die Bewohner untergebracht werden, war zunächst unklar.

Fehlende Wasserversorgung als Hauptgrund

Die fehlende Wasserversorgung im Haus nannte der Bezirk in einer Erklärung als Hauptgrund für die Räumung. Ohne umfassende Instandsetzungsarbeiten sei es nicht möglich, wieder Wasser verfügbar zu machen, hieß es. Der Bezirk habe "seit geraumer Zeit" versucht, mit dem Eigentümer in Dialog zu treten, um die Mängel am Gebäude beseitigen zu lassen. Bislang sei es aber nicht gelungen, den Zustand des Grundstückes wesentlich zu verbessern.

Die Räumung lief laut Polizei geordnet ab. 120 Beamte waren an dem Einsatz beteiligt. Wegen der unhygienischen Umstände trugen diejenigen, die das Haus betraten, weiße Ganzkörper-Schutzanzüge. Nach der Räumung sollte es eine Bestandsaufnahme im Inneren geben.

Müll, selbst verlegte Stromkabel, Rattenbefall

Das Haus war in der Vergangenheit immer wieder wegen prekärer Zustände in den Schlagzeilen. Müll stapelte sich im Hof, teils fehlten Fenster, Stromkabel waren selbst verlegt, es stank. Zudem war von Rattenbefall die Rede. Nach Medienberichten lebten in dem Haus viele Menschen aus Bulgarien, Albanien und Rumänien.

2015 war ein Gebäude in Berlin-Schöneberg als "Horrorhaus" bekannt geworden - etwa wegen Müllbergen, fehlender Türen und kaputter Toiletten. Der Eigentümer soll es mit Wanderarbeitern überbelegt haben. Damals hieß es, es gebe bei mehreren Immobilien in der Stadt den Verdacht, dass Eigentümer sie bewusst verwahrlosen lassen - Ziel sei es, alte Mieter zu vertreiben und das Gebäude zu verkaufen.

Eigentümer Santosh A. ließ auch andere Wohnhäuser verfallen

Schon bei einem Rundgang im vergangenen Jahr stellten Kontrolleure fest, dass der Müll nicht abgeholt wird, dass Wasser durch die Decke tropft und dass das Haus von Ratten befallen ist. Eine Hausverwaltung, an die sich die Mieter wenden können, existiert zudem nicht.

Der Eigentümer Santosh A., der die Immobilie geerbt hat, ist in Berlin bereits bekannt, weil auch in weiteren Wohnhäusern des Mannes chaotische Zustände herrschen. Erst Anfang April war A. vom Amtsgericht Tiergarten zu einer Strafe von 15.000 Euro verurteilt worden, weil er ein Wohnhaus am Hindenburgdamm Ecke Gardeschützenweg seit über 15 Jahre leer stehen verfallen lässt.

Mehr zum Thema:

Kameruner Straße: Mieter leben in Müll und Chaos

Das Geschäft mit der Armut

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.