Tödliche Unfälle

Zwei Radfahrer sterben innerhalb weniger Stunden in Berlin

Ein Radfahrer prallt gegen eine Autotür und kommt ums Leben. Wenig später wird eine Fahrradfahrerin von einem Lkw erfasst und stirbt.

In Berlin sind zwei Radfahrer innerhalb weniger Stunden bei Unfällen verstorben (Archivbild)

In Berlin sind zwei Radfahrer innerhalb weniger Stunden bei Unfällen verstorben (Archivbild)

Foto: dpa

Berlin. Innerhalb von nicht einmal 24 Stunden musste die Berliner Polizei die Verkehrstoten Nummer 32 und 33 in diesem Jahr auf den Straßen der Hauptstadt vermelden. Opfer wurden in beiden Fällen Senioren, die mit dem Fahrrad unterwegs waren. Bei einem weiteren Unfall am Freitag war ebenfalls ein Radfahrer das Opfer. Der Mann kam mit schwersten Verletzungen auf die Intensivstation eines Krankenhauses.

Unfalltote Nummer 33 wurde am Freitagmorgen eine 77-jährige Frau, die mit ihrem Fahrrad auf dem Radweg der Seegefelder Straße im Spandauer Ortsteil Falkenhagener Feld in Richtung Am Kiesteich unterwegs war. Zur gleichen Zeit befuhr ein Lkw die Straße in gleicher Richtung. Als der 61-jährige Lkw-Fahrer mit seinem Fahrzeug nach rechts in die Zeppelinstraße abbog, erfasste er die Seniorin, die mit ihrem Rad offenbar geradeaus weiterfahren wollte. Die Frau wurde von dem 40-Tonner überrollt und erlag noch am Unfallort ihren schweren Verletzungen.

Die alarmierten Rettungskräfte konnten für die 77-Jährige nichts mehr tun, mussten aber den Lkw-Fahrer nach einer Sofortbehandlung am Unfallort in eine Klinik bringen. Der 61-Jährige hatte durch das Geschehen einen schweren Schock erlitten. Wegen der Unfallaufnahme blieb die Zeppelinstraße zwischen Seegefelder Straße und der Straße An der Klappe für mehrere Stunden gesperrt. Der Verkehrsermittlungsdienst der Polizeidirektion 2 hat die Bearbeitung des Unfalls übernommen. Hergang und Schuldfrage sind nach Polizeiangaben noch nicht abschließend geklärt.

Nur wenige Stunden später wurde die Polizei zu einem weiteren Unfall gerufen, bei dem ebenfalls ein Radfahrer von einem Lkw erfasst wurde, als das Fahrzeug gegen 10.15 Uhr in Kreuzberg von der Prinzenstraße rechts in eine Einfahrt abbiegen wollte. Der ebenfalls 77-jährige Radfahrer erlitt schwere Verletzungen am ganzen Körper.

„Toter Winkel“ noch immer häufige Unfallursache

Bereits am Donnerstagabend meldete die Polizei den Tod eines 77-Jährigen, der im Krankenhaus trotz aller Bemühungen der Ärzte den Verletzungen erlegen war, die er bei einem Unfall am Vormittag des gleichen Tages in Mitte erlitten hatte. Wie berichtet, war der Senior mit seinem Rad an der Karl-Liebknecht-Straße gegen die Tür eines Taxis geprallt, die der 66-jährige Taxifahrer plötzlich geöffnet hatte, ohne auf den Verkehr zu achten. Der Radfahrer erlitt bei dem Aufprall und dem anschließenden Sturz schwere Kopfverletzungen, gegen den Taxifahrer wird ermittelt.

Lkw gegen Radfahrer: Diese Unfallkonstellation endet besonders häufig tödlich, und zwar für den Radfahrer. Die meisten dieser Fälle ereignen sich an Kreuzungen durch abbiegende Lkw. Für einen kurzen Moment kann der Lkw-Fahrer dabei die rechte Seite seines Fahrzeugs nicht vollständig einsehen, ein Phänomen, das gemeinhin als „toter Winkel“ bezeichnet wird. Als Reaktion auf zahlreiche Unfälle mit tödlichem Ausgang hat der Gesetzgeber für Lkw zusätzliche Weitwinkelspiegel vorgeschrieben. Dadurch hat sich die Gefahrensituation insbesondere für Radfahrer deutlich entschärft, die Zahl der Unfälle, häufig mit Todesfolge ist dennoch überdurchschnittlich hoch.

„Mal ist der zusätzliche Spiegel falsch eingestellt, mal taucht ein Radfahrer ausgerechnet in dem kurzen Moment auf der rechten Seite des Fahrzeugs auf, wenn der Fahrer nach vorne oder nach links schaut, mal ist der Radfahrer wegen der Lichtverhältnisse schwer zu erkennen, es gibt eine Vielzahl von Ursachen“, erklärt ein Unfallermittler der Polizei.

Am Donnerstag kommender Woche muss sich vor dem Amtsgericht Tiergarten ein 42-jähriger Lkw-Fahrer wegen eines von ihm verursachten tödlichen Unfalls verantworten. Am 23. Oktober vergangenen Jahres soll er beim Abbiegen von der Beusselstraße in die Westhafenstraße in Moabit eine Radfahrerin übersehen und getötet haben. Die Anklage wirft dem 42-Jährigen nicht nur vor, beim Abbiegen zu schnell gewesen zu sein. Die Untersuchungen des Unfallermittlungsdienstes der Polizei ergaben zudem, dass der eigens wegen der Gefahren beim Abbiegen vorgeschriebene zusätzliche Weitwinkelspiegel am Fahrzeug des Unfallfahrers defekt und somit wirkungslos war.

Alle vier Minuten wurde die Polizei 2016 zu einem Verkehrsunfall gerufen

Auch 2016 ist die Anzahl der Unfälle und Verkehrstoten in Berlin gestiegen. Wir haben alle Daten zusammengefasst.
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