Restaurant in Marzahn

Betrüger setzten radioaktive Spielkarten ein

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Dieses Bild einer sichergestellten radioaktiven Spielkarte zeigt die Berliner Polizei bei Facebook

Dieses Bild einer sichergestellten radioaktiven Spielkarte zeigt die Berliner Polizei bei Facebook

Foto: Polizei Berlin

Durch einen Detektor  konnten Betrüger die kontaminierten Karten erkennen. In Marzahn wurde ein Restaurant durchsucht.

Berlin. Bei illegalen Glücksspielen in einem Restaurant in Marzahn sollen radioaktiv kontaminierte Spielkarten im Einsatz gewesen sein. Das teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstag mit. Durch einen am Körper getragenen Detektor hätten Betrüger die kontaminierten Karten erkennen und sich auf diese Weise einen Vorteil beim Kartenspielen verschaffen können, heißt es weiter.

Auf die Fährte der Betrügereien kamen die Behörden, nachdem bei einer Routinekontrolle in einer Abfallbehandlungsanlage in Rüdersdorf im November 2016 eine erhöhte radioaktive Belastung in einem Müllfahrzeug gemessen worden waren.

Nachforschungen zum Tourenplan der Müllfahrzeuge und die Untersuchungen des Abfalles führten auf die Spur einer 41 Jahre alten Restaurantbesitzerin. Am 16. November wurde ihr Lokal in der Marzahner Straße durchsucht. Insgesamt fanden die Polizisten 13 mit Jod 125 kontaminierte Spielkartenteile.

Kriminaltechniker und Mitarbeiter der Strahlenschutz-Behörden sicherten die Beweismittel und veranlassten, dass die Räume bis zur Reinigung durch eine Fachfirma versiegelt wurden. Ebenso betroffen war eine Außentreppe, die von einem Einkaufscenter saniert werden muss.

Bei Jod 125 handelt es sich um ein Nuklid, dass in der Medizin verwendet wird. Es hat eine Halbwertszeit von 60 Tagen, in dieser Zeit halbiert sich die Aktivität. Die direkt an den Kartenteilen gemessene Ortsdosisleistung von 200 Mikrosievert pro Stunde überschreite die Absperrgrenze um das Achtfache, nehme aber wenige Zentimeter entfernt stark ab, so die Polizei. In 10 Zentimeter betrug sie nur noch ein Hundertstel, in 50 Zentimeter Entfernung war keine Ortsdosisleistung mehr messbar.

Eine Kontaminations- und Inkorporationsgefahr habe daher nur bei unmittelbarem Kontakt ohne Schutzkleidung bestanden, so die Polizei. Alle Einsatzkräfte seien zum Einsatzende überprüft worden, es sei zu keiner Kontamination gekommen.

Die Ermittlungen der Kriminalpolizei und der Staatsanwaltschaft Berlin wegen des Verdachtes der Freisetzung ionisierender Strahlen dauern an.

( bee )