Berlin-Kreuzberg

Möchtegern-Polizeibewerber als Kokain-Kurier erwischt

Ein 20 Jahre alter Kokain-Dealer hat am Sonnabend bei seiner Festnahme angegeben, er habe sich bei der Polizeischule beworben.

Ein Drogenkurier soll sich laut Medienbericht bei der Polizeischule beworben haben (Archiv)

Ein Drogenkurier soll sich laut Medienbericht bei der Polizeischule beworben haben (Archiv)

Foto: dpa

Berlin. Das wird wohl nichts mehr mit der Karriere bei der Polizei: Ein 20-Jähriger, der am Sonnabend an der Großbeerenstraße in Kreuzberg von der Polizei mit Kokain erwischt worden war, gab bei seiner Festnahme an, er habe sich bei der Berliner Polizei beworben und müsse nur noch den Sporttest bestehen.

Der junge Mann war in der Nacht zu Sonntag an der Großbeerenstraße gestoppt worden, nachdem er mit einem BMW eine Polizeistreife deutlich zu schnell überholt und anschließend versucht hatte davonzurasen. Als die Beamten den BMW durchsuchten, stießen sie auf 38 sogenannte Eppendorf-Gefäße – eine Art verschließbarer Reagenzgläser –, die mit Kokain gefüllt waren, und eine Schreckschusswaffe. Ein Atemalkoholtest bei dem jungen Mann ergab zudem einen Wert von 0,41 Promille.

Auf der Wache gab der 20-Jährige an, er hätte sich für die Laufbahn des mittleren Polizeivollzugsdienstes beworben, lediglich den Sporttest müsse er noch bestehen. In der internen Schilderung des Vorfalls, die der Berliner Morgenpost vorliegt, steht, dass der 20-Jährige zudem angab, die Drogen nicht freiwillig transportiert zu haben. Die Polizei bestätigte den Vorfall und teilte mit, der Mann habe sich tatsächlich bei der Polizei beworben. Nach Informationen der Berliner Morgenpost war der 20-Jährige aber bereits beim Onlinetest durchgefallen.

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Bei der Gewerkschaft der Polizei (GdP) weist man darauf hin, dass sich solche Fälle auch in Zukunft nicht verhindern lassen werden. "Es gibt einfach keine Mechanismen, die so etwas ausschließen können", sagte GdP-Sprecher Benjamin Jendro der Berliner Morgenpost auf Nachfrage. Es sei klar, dass solche Bewerber nicht aufgenommen würden. Wichtiger sei es, dass die Kontrollmechanismen bei Schülern, die sich bereits in der Ausbildung befinden, greifen würden, so Jendro weiter.

Seit Wochen ist die Polizeiakademie nach mehreren anonymen Briefen in den Schlagzeilen. Darin beklagen angebliche Polizisten unhaltbare Zustände an der Akademie. Viele Polizeischüler seien frech, Lehrer überfordert, es gäbe Sexismus und türkischen Nationalismus. Die Polizeiführung und mehrere Lehrer dementierten entsprechende Berichte.

Derzeit werden die Vorwürfe untersucht. Die Ergebnisse sollen im Innenausschuss vorgestellt werden. Um die Kommunikation in der 24.000-Mitarbeiter-Behörde zu verbessern, ­wurde ein interner Blog eingerichtet, in dem Mitarbeiter auf Fehlentwicklungen hinweisen können. Am Dienstag verzeichnete er bereits 72 Einträge.

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