Mann angeschossen

Offenbar Verwirrter deutet Schusswaffe an - Polizist schießt

Der Vorfall ereignete sich in der Nacht auf Sonnabend am Hauptbahnhof. Der Mann schwebt nicht in Lebensgefahr.

Foto: Morris Pudwell

Berlin.. Ein Bundespolizist hat in der Nacht zu Sonnabend am Hauptbahnhof einen Mann angeschossen. Nach Angaben der Landespolizei wurde der Mann verletzt, schwebt jedoch nicht in Lebensgefahr. Der Vorfall ereignete sich gegen 2.30 Uhr am Hauptbahnhof in Moabit an der Agnes-von-Zahn-Harnack-Straße. Bei dem Angeschossenen handelt es sich laut der Landespolizei um einen 44-jährigen Mann aus Schweden. „Der getroffene Mann kam mit einer Schussverletzung ins Krankenhaus“, hieß es in einer Mitteilung.

Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler der 6. Mordkommission alarmierte ein Sicherheitsmitarbeiter der Bahn gegen 2.30 Uhr die Beamten der Bundespolizei am Hauptbahnhof. Der Mitarbeiter der Sicherheitsfirma sei zuvor von einem unbekannten Mann angegriffen worden, hieß es. Als die Bundespolizisten den 44-jährigen mutmaßlichen Angreifer überprüfen wollten, soll er unvermittelt seinen Arm nach vorne in Richtung der Beamten gestreckt haben. Nach Angaben der Polizei und der Staatsanwaltschaft soll der 44-Jährige mit seiner Hand den Anschein erweckt haben, als würde er eine Schusswaffe auf sie richten.

Eine Mordkommission hat die Ermittlungen übernommen

Daraufhin machte einer der Polizisten einmal Gebrauch von der Schusswaffe, wie es hieß. Durch den Schuss wurde der Mann am Oberkörper verletzt. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht, Lebensgefahr bestehe nicht. Erste Ermittlungen deuten auf eine psychische Erkrankung des mutmaßlichen Angreifers hin. Es gibt aber noch Fragen.

In welcher Art und Weise der 44-Jährige den Sicherheitsmitarbeiter der Bahn zuvor angegriffen hatte, wollte die Polizei nicht sagen, da das Gegenstand der laufenden Ermittlungen sei, hieß es. Die Ermittlungen werden, wie bei Schussabgaben durch Polizeibeamte üblich, durch eine Mordkommission des Landeskriminalamtes (LKA) geführt. Ob der Schuss aus Notwehr oder möglicherweise aus Versehen abgegeben wurde, wird ermittelt.

Erst im August dieses Jahres hatte ein Personenschützer des LKA auf dem Flughafen Tegel aus Versehen einen Schuss abgegeben. Der Schuss hatte sich nach Angaben der Bundespolizei kurz vor dem Einsteigen in das Flugzeug gelöst. Die Kugel hatte die Hülle der Fluggastbrücke durchschlagen. Möglicherweise sollte der Leibwächter vor dem Einstieg in die Maschine die Munition aus der Pistole nehmen. Verletzt wurde bei diesem Vorfall niemand.

Beamter schießt auf Reifen des Wagens

Am vergangenen Sonnabend musste ein Beamter der Landespolizei seine Dienstwaffe einsetzen, um einen Kollegen zu schützen. Gegen drei Uhr wollten Polizisten einen Ford-Fahrer an der Rosa-Luxemburg-Straße in Mitte überprüfen und forderten ihn auf, anzuhalten. Der gab jedoch Gas und flüchtete. An der Spandauer Straße touchierte er auf der Flucht einen weiteren Polizeiwagen, fuhr weiter und landete an der Rosenstraße in einer Sackgasse.

Der Fahrer setzte zurück und rammte den ihn verfolgenden Einsatzwagen. Als der Flüchtende wenden wollte, stieg ein Polizist aus und riss die Autotür auf. Weil der Ford-Fahrer nach bisherigem Ermittlungsstand erneut zurücksetzte, soll der Beamte – obwohl er auswich – von der offenen Tür getroffen worden sein. Daraufhin schoss sein Kollege auf die Reifen des Wagens. Verletzt wurde niemand.

In Berlin haben Polizisten 2016 in 78 Fällen von der Schusswaffe Gebrauch gemacht. In 62 Fällen gegen Tiere und laut Statistik in null Fällen gegen Menschen. Unter sonstige Fälle wurde 16 Mal ein Schusswaffengebrauch aufgelistet. Davon sind sechs unbeabsichtigte Schussabgaben und zehn offene Vorgänge. Die offenen Vorgänge werden erst nach Vorliegen des abschließenden Berichtes in Kategorien untergliedert in der Statistik dargestellt. Das geht aus einer Antwort der Senatsinnenverwaltung auf eine schriftliche Anfrage der Linke-Abgeordneten Anne Helm und Hakan Taş vom Februar 2017 hervor.