Hohenschönhausen

Mann nach tödlicher Schießerei vor Disco festgenommen

Vier Männer wurden mit schweren Verletzungen in Krankenhäuser gebracht. Der Club gilt als Treffpunkt der russischen Community Berlins.

Bei einer Schießerei vor einer Diskothek in Lichtenberg ist in der Nacht zu Sonnabend ein Mann tödlich verletzt worden. Drei weitere Männer wurden durch die Schüsse schwer verletzt, teilte die Polizei mit. Bei der Spurensicherung wurden eine Waffe und Patronenhülsen gefunden. Ob es sich dabei um die Tatwaffe handelt, ist noch unklar.

Anwohner wollen am frühen Sonnabendmorgen gegen 2.15 Uhr einen Streit in der Nähe des Nachtclubs „Cozy Club“ an der Ribnitzer Straße 24 im Lichtenberger Ortsteil Neu-Hohenschönhausen gehört haben. Nach ersten Ermittlungen teilte die Polizei mit, dass dort offenbar ein Mann mehrere Schüsse aus einer Waffe abgegeben haben soll. Daraufhin wurden die Polizei und die Feuerwehr alarmiert. Vier Männer wurden nach der Schießerei mit schweren Verletzungen in Krankenhäuser gebracht. Einer der Männer erlag dort seinen Verletzungen. Dabei handelt es sich nach Polizeiangaben um einen 37-jährigen Deutschen, der in Kasachstan geboren wurde. Die Polizei teilte weiter mit, dass die anderen drei Männer stationär behandelt werden. Unter ihnen befindet sich auch der mutmaßliche Schütze, ein 33 Jahre alter Russe. Der Tatverdächtige, der Frakturen im Gesicht erlitten hatte, wurde noch in der Klinik vorläufig festgenommen.

Die beiden anderen, 34 und 41 Jahre alten Männer erlitten Schussverletzungen, schweben aber nicht in Lebensgefahr. Einer von ihnen ist türkischer Staatsbürger, der andere ist Ukrainer, wurde aber in Deutschland geboren. Die Hintergründe der Tat sowie das genaue Tatgeschehen sind noch unklar und Gegenstand der laufenden Ermittlungen, die die 5. Mordkommission übernommen hat.

Die Feuerwehr war mit vier Rettungswagen und zwei Notarztfahrzeugen am Tatort im Einsatz. In der ersten Alarmierung um 2.11 Uhr war die Rede von einer männlichen Person mit Schussverletzung und mehreren Wunden, hieß es. Vor Ort wurde aber schnell deutlich, dass mehr als nur eine Person verletzt war. Weitere Einsatzfahrzeuge wurden daraufhin alarmiert.

Der 37 Jahre alte Mann wurde nach Angaben der Feuerwehr am Tatort noch reanimiert und schließlich in das Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) gebracht. Nach Informationen der Berliner Morgenpost kämpften Ärzte im UKB noch etwa eine Stunde um das Leben des Mannes. Vergeblich. Der Mann hinterlässt eine Frau und ein Kind. Eine zweite verletzte Person wurde mit einer Schussverletzung am Knie ins UKB eingeliefert. Er steht in der Klinik unter Polizeibeobachtung. Offenbar hatte sich auch einer der verletzten Männer noch vom Tatort entfernt. Er wurde von der Feuerwehr aus seiner Wohnung in einer in der Nähe der Diskothek liegenden Straße abgeholt und in eine Klinik gebracht. Zwei weitere Personen wurden in ein Krankenhaus nach Weißensee transportiert.

„Wir haben noch keine Kenntnisse über den Hintergrund der Tat“, sagte eine Polizeisprecherin der Morgenpost. Zum Tatzeitpunkt sollen sich bis zu 60 Menschen in dem Club aufgehalten haben. „Nach der Personalienfeststellung konnten alle das Gebäude über den Hinterausgang verlassen.“

Diskothek soll Treffpunkt für Russen und Albaner sein

Der Cozy Club an der Ribnitzer Straße gilt im Viertel als Treffpunkt von Russen und Albanern. Es soll dort wiederholt zu Streit gekommen sein, berichten Anwohner. Die Disco liegt in einer Plattenbausiedlung in einem schmucklosen Flachbau.

Noch in der Nacht hatten Mitarbeiter des Kriminaltechnischen Institutes (KTI) mit der Spuren- und Beweismittelsicherung an der Ribnitzer Straße begonnen. Geplant war auch der Einsatz eines „Unmanned Aircraft System-Police“ (UAS-Pol), einem unbemannten, ferngesteuerten Luftfahrzeug, besser bekannt als Drohne. Nach Tagesanbruch sollte mit dem Fluggerät der Tatort und das nähere Umfeld aus der Luft fotografiert werden.

Der Bereich um den Tatort blieb bis Sonnabendmittag zur Spurensicherung abgesperrt. Rund ein Dutzend Polizisten waren vor Ort. Kriminaltechniker suchten unter geparkten Autos nach Spuren. „Unter einem Wagen wurde auch eine Schusswaffe gefunden“, sagte eine Polizeisprecherin. Noch ist unklar, ob es die Tatwaffe ist und ob mehr als eine Schusswaffe verwendet wurde. Auch Patronenhülsen konnten sichergestellt werden.

Laut Eigenwerbung des Cozy Clubs finden dort jeden Freitag und Sonnabend „Partys zu russischen Hits“ statt. „Dieser Ort ist Top-Anlaufpunkt für die junge russische Community Berlins“, heißt es im Internet. Neben Party-Tracks werde hier vor allem Chartmusik gespielt. Für Freitagnacht war ein Auftritt der russischen Band „Biffguyz“ angekündigt.