Tatort Jannowitzbrücke

Vermisste 16-Jährige bei Razzia gegen Intensivtäter entdeckt

Razzia in Berlin: Die Bundespolizei hat mehrere Wohnungen durchsucht und Haftbefehle gegen S-Bahn-Schläger vollstreckt.

Rund zwei Monate nach dem Angriff auf zwei S-Bahn-Fahrgäste am Bahnhof Jannowitzbrücke hat die Bundespolizei am Dienstag drei Haftbefehle vollstreckt. Ihnen wird eine gemeinschaftlich begangene gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

Die drei Verhafteten sind syrische Flüchtlinge und wegen Körperverletzung und Eigentumsdelikten polizeibekannt. Ammar F. (18) wurde in einer Pension in Wedding verhaftet, in der Flüchtlinge leben, Mustafa M. (18) in einer Wohnung in Tempelhof, genau wie Mohamad G. (17). Eine weiterer Syrer, der 18-jährige Sami I., der auch an der Attacke beteiligt gewesen sein soll, sitzt bereits im Gefängnis.

Die Jugendlichen haben den Ermittlungen zufolge am 4. März zwei 29 und 31 Jahre alte Männer brutal attackiert und verletzt. Die beiden waren zuvor in einer S-Bahn zwischen Alexanderplatz und Jannowitzbrücke einer Frau zur Hilfe gekommen, die von den Jugendlichen beleidigt worden war. Als die beiden Männer am Bahnhof Jannowitzbrücke ausstiegen, fielen die Täter über sie her und prügelten sie zu Boden. Danach traten die Jugendlichen weiter auf ihre Opfer ein. Die Attacken waren so heftig, dass bei einem der Opfer der Fußabdruck im Gesicht zu sehen war.

Die Beamten durchsuchten am Dienstagmorgen sechs Wohnungen in Neukölln, Wilmersdorf, Wedding, Tempelhof, Lichtenberg und Kreuzberg. Bei den Durchsuchungen konnte die Bundespolizei umfangreiches Beweismittel, darunter Kommunikationstechnik, verschiedene Dokumente und Bekleidung, sicherstellen. Die drei Festgenommenen werden zur Eröffnung der Haftbefehle in den Zentralgewahrsam der Polizei Berlin zum Tempelhofer Damm gebracht.

Unterstützt wurden die Ermittlungen der Bundespolizeiinspektion Kriminalitätsbekämpfung Berlin durch das für Intensivtäter zuständige LKA der Berliner Polizei, da nahezu alle Beschuldigten in der Vergangenheit aufgrund diverser Roheits-, Eigentums- und Gewaltdelikte, polizeilich in Erscheinung getreten sind. Die jungen Männer seit etwa 2015 in Deutschland und befinden sich derzeit in einem Asylverfahren.

In einer der Wohnungen trafen die Beamten auch auf eine 16-jährige Jugendliche, die als vermisst galt und nun dem Kindernotdienst übergeben wird.

Der Präsident der Bundespolizeidirektion Berlin, Thomas Striethörster, zeigte sich äußerst zufrieden über den erfolgreichen Einsatz: "Die Durchsuchungen und Festnahmen heute zeigen, dass die Bundespolizei konsequent gegen Gewalttäter vorgeht und alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpft, die Tatverdächtigen schnell zu identifizieren und festzunehmen."

Bei den heutigen Durchsuchungsmaßnahmen hat die Bundespolizei etwa 140 Beamte eingesetzt.

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