Polizei-Rapport

Berliner Polizei twittert historische Polizeimeldungen

Kutschen-Unfälle, illegale Concubinate, Bäcker-Überfälle: Berlins Polizei veröffentlicht Meldungen aus dem Jahr 1810.

Die Klosterstraße in Berlin-Mitte auf einem Gemäde von Eduard Gärtner, entstanden 1830

Die Klosterstraße in Berlin-Mitte auf einem Gemäde von Eduard Gärtner, entstanden 1830

Foto: pa/akg-images

Auf ihrem Twitter-Kanal hat sich die Berliner Polizei kurzzeitig ins 19. Jahrhundert begeben. Die Behörde twitterte am Donnerstag eine Stunde lang Original-Polizeimeldungen aus dem Berlin des Jahres 1810. Zum Beispiel: „Im vorigen Monat sind, durch die Wachsamkeit der Polizei-Commissarien 18 Concubinate in gesetzmäßige Ehen verwandelt worden.“ Und: „Ein Hausknecht, der betrunken nach Hause kam, ist, wahrscheinlich vom Schlage gerührt, todt im Bette gefunden.“

„Wir wollten sehen, wie damals kommuniziert wurde. Und zeigen, so war das damals“, sagte Benjamin Raschke vom Social-Media-Team. Die äußerst kurzen Mitteilungen sind demnach wohl die ersten überhaupt dokumentierten der Berliner Polizei. Anlass für die Aktion unter dem Hashtag #PM1810 war der sogenannte Throwback-Thursday (Rückblick-Donnerstag) – ein Stichwort bei Twitter, unter dem Nutzer zum Beispiel alte Fotos und Erinnerungen veröffentlichen.

Die Tweets zeigen, dass das polizeilich relevante Geschehen in Berlin auch vor rund 200 Jahren ähnlich wie heute war. Es ging vorwiegend um Unfälle, Diebstähle und Betrügereien. „Einem Fräulein sind Vormittags aus geschlossener Stube zwei Uhren, fünf Thaler und einige Groschen gestohlen“, heißt es da etwa.

Auch über spektakuläre Unfälle wurde informiert: „5j. Kind eines Schumachers vom Kutscher übergefahren & durch Schlag des Pferdes am Kopfe, jedoch nicht tödlich, beschädigt worden.“ Glück hatte dieser Mann: „Ein Schmiedegesell ist in der verflossenen Nacht von der Schleusenbrücke herab ins Wasser gestürzt. Er wurde von einem Schiffer herausgezogen und durch einen Chirurgus ins Leben zurückgerufen.“ Arbeitsunfällen wurde durch Inhaftierung vorgebeugt: „Zwei Kohlenträger sind, wegen Tabakrauchens bei den Kohlen, verhaftet.“

Die Berliner Polizei fällt häufiger mit Aktionen in sozialen Medien auf. Kürzlich ermahnte sie Falschparker in Wild-West-Sprache auf Facebook. Zur 1810-Zeitreise gab es geteilte Reaktionen: Manche Nutzer nahmen es als Unterhaltung für die Mittagspause, andere spielten ironisch auf den Personalmangel der Polizei an.

Eine Auswahl der Tweets:

Papa betrunken am Steuer – Verzweifeltes Kind ruft Polizei

Notruf: "Darf mein Nachbar mit Krückstock noch Auto fahren?"

Was war der kurioseste Tweet der NoNotruf-Kampagne?

Junge ärgert sich über Kindergarten-Kumpel und ruft Polizei

Ein Rückblick auf den Fall der Berliner Mauer

Rückblick auf den Tag, als sich die Berliner Mauer öffnete.
Bewegendes Video: Rückblick auf den Fall der Berliner Mauer