Kottbusser Tor

Jugendliche schubsen wartenden U-Bahn-Fahrgast ins Gleisbett

Der 26-Jährige und seine Begleitung wurde von einer Gruppe von fünf bis zehn Jugendlichen grundlos attackiert und verletzt.

Eine einfahrende U-Bahn am Kottbusser Tor

Eine einfahrende U-Bahn am Kottbusser Tor

Foto: AP

Knapp drei Wochen nach einem Brandanschlag auf einen schlafenden Obdachlosen meldet die Polizei erneut einen brutalen Übergriff in einem U-Bahnhof. Wieder passierte es in Kreuzberg, wieder soll es sich bei den Tätern um Jugendliche handeln. Wie eine Polizeisprecherin am Sonnabend mitteilte, wurden in der Nacht zuvor zwei Männer im U-Bahnhof Kottbusser Tor aus einer Gruppe heraus angegriffen und verletzt. Eines der Opfer stießen die Angreifer sogar ins Gleisbett. Der Betroffene konnte glücklicherweise vor Eintreffen des nächsten Zuges aus eigener Kraft wieder herausklettern.

Nach den bisherigen Ermittlungen und Zeugenaussagen warteten gegen Mitternacht zwei 26 und 27 Jahre alte Männer gemeinsam mit einer 22-jährigen Freundin auf dem Bahnsteig der U8 auf den Zug in Richtung Hermannplatz. Plötzlich kam ein Jugendlicher aus einer Gruppe von fünf bis zehn Personen auf den 26-Jährigen zu, zog ihm seine Mütze vom Kopf und warf sie ins Gleisbett. Als der Attackierte den Angreifer frage, was das soll, schlug der ihm ins Gesicht, gleichzeitig kam ein zweiter Jugendlicher aus der Gruppe dazu und stieß ihn unvermittelt in das Gleisbett.

Danach griffen weitere Jugendliche aus der Gruppe in das Geschehen ein, jetzt wurde auch der 27-Jährige von drei bis vier Männern angegriffen, geschlagen und getreten. Anschließend flüchtete die Tätergruppe, in ersten Zeugenaussagen als „südländisch“ beschrieben, mit dem nächsten Zug der Linie U8 in Richtung Hermannplatz. Die verletzten Männer kamen zur ärztlichen Behandlung in ein Krankenhaus. Die Ermittlungen, die die Kriminalpolizei der Direktion 5 übernommen hat, dauern an. Die Ermittler sind zuversichtlich, die Tat mithilfe von Bildern aus der Überwachungskamera aufklären zu können.

Video: Wann wird eigentlich öffentlich gefahndet?

Im öffentlichen Nahverkehr in Berlin hatte es in den vergangenen Wochen mehreren Vorfälle gegeben, die auch bundesweit für Empörung gesorgt hatten. Am ersten Weihnachtsfeiertag hatten mehrere Täter versucht, einen Obdachlosen anzuzünden, der auf einer Bank im U-Bahnhof Schönleinstraße schlief. Einen Tag später wurden die Fotos von sieben Tatverdächtigen veröffentlicht. Sie sitzen mittlerweile in Untersuchungshaft. Ihnen wird versuchter gemeinschaftlicher Mord vorgeworfen.

Ende Oktober hatte ein Mann am U-Bahnhof Hermannstraße eine 26-Jährige eine Treppe hinuntergetreten. Der verdächtige 27-Jährige sitzt nun in Untersuchungshaft. Er war zunächst untergetaucht, mit Haftbefehl gesucht und dann gefasst worden, als er auf dem Zentralen Omnibusbahnhof aus Südfrankreich in der Hauptstadt ankam.

Vergangenes Jahr hatte ein 29-Jähriger eine junge Frau am Ernst-Reuter-Platz vor eine einfahrende U-Bahn gestoßen. Die 20-Jährige starb. In einem Prozess wurde für den geständigen Täter die dauerhafte Einweisung in eine psychiatrische Klinik angeordnet.

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