Zugriff in Tempelhof

Mutmaßlicher Kontaktmann Amris in Berlin festgenommen

Bei dem Verdächtigen handelt es sich laut Bundesanwaltschaft um einen 40 Jahre alten Tunesier. Die Festnahme erfolgte Mittwochmorgen.

Polizisten auf dem wiedereröffneten Weihnachtsmarkt

Polizisten auf dem wiedereröffneten Weihnachtsmarkt

Foto: Michael Kappeler / dpa

Die Berliner Polizei hat einen möglichen Unterstützer des mutmaßlichen Berlin-Attentäters Anis Amri in Berlin-Tempelhof festgenommen. Bei dem Verdächtigen handele es sich um einen 40 Jahre alten Tunesier, hieß es zuerst in einem Bericht von "Spiegel Online". Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe bestätigte inzwischen den Bericht, dass es Im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen Anis Amri eine Festnahme in der Hauptstadt gegeben habe.

Am frühen Mittwochmorgen sollen Kräfte des Bundeskriminalamts Wohn- und Geschäftsräume des Mannes in Tempelhof durchsucht und den Verdächtigen vorläufig festgenommen haben.

Der 40-Jährige Tunesier befand sich am Mittwochnachmittag noch in Berlin im Gewahrsam. Jetzt wird geprüft, ob er einem Richter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe vorgeführt wird. Der muss entscheiden, ob Haftbefehl erlassen wird und der Tunesier in U-Haft kommt. Die Nummer des Tunesiers war im Handy gespeichert, das Amri gehörte.

Fahnder hätten dem Bericht zufolge an dem Lkw, der am 19. Dezember in den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz gerast war, ein Handy Amris sichergestellt, hieß es weiter. Amri habe in seinem Mobiltelefon dessen Rufnummer gespeichert gehabt. Die weiteren Ermittlungen deuteten darauf hin, dass der Mann in den Anschlag eingebunden gewesen sein könnte. Derzeit prüfe die Bundesanwaltschaft, ob ein Haftbefehl gegen den Verdächtigen beantragt werden soll, heißt es in dem Bericht.

Wie der "Focus" unter Berufung auf Berliner Sicherheitskreise berichtet, soll Amri noch zehn Minuten vor dem Anschlag Sprachnachrichten und Fotos über das Handy verschickt haben. Nach Auswertung aller GPS-Daten gehen die Ermittler dem Bericht zufolge davon aus, dass Amri dreimal mit dem 40-Tonner-Sattelschlepper den Breitscheidplatz umrundete, um sich mit dem Lkw vertraut zu machen.

Der "Süddeutschen Zeitung" zufolge schrieb Amri: "Mein Bruder, alles in Ordnung, so Gott will. Ich bin jetzt im Auto, bete für mich mein Bruder, bete für mich." Dann soll er noch ein Selfie von sich im Führerhaus des Lkw gemacht und verschickt haben. Unklar ist, ob der Empfänger der festgenommene Tunesier ist. Im Gepäck, das Amri in Mailand dabei hatte, fand die Polizei kein Handy. Dafür aber eine holländische Sim-Karte, wie sie kurz zuvor bei einer Werbeaktion in Holland verteilt worden war. Amri könnte also aus Berlin zunächst in die Niederlande und von dort über Frankreich nach Italien gelangt sein.

Nach dem Anschlag werden noch 20 Verletzte in Krankenhäusern behandelt. Elf Anschlagsopfer liegen mit schwersten Verletzungen auf Intensivstationen, wie ein Sprecher der Gesundheitsverwaltung am Mittwoch mitteilte. Neun weitere Patienten werden demnach noch mit mittelschweren oder leichteren Verletzungen betreut.

Die offizielle Mitteilung auf der Internetseite des Generalbundesanwaltes:

"Die Bundesanwaltschaft hat aufgrund eines Beschlusses des Ermittlungsrichters des Bundesgerichtshofs vom 26. Dezember 2016 die Wohn- und Geschäftsräume einer möglichen Kontaktperson durch Beamte des Bundeskriminalamts durchsuchen lassen. Hintergrund hierfür ist die Erkenntnis, dass der verstorbene Beschuldigte Anis Amri in seinem Mobiltelefon die Rufnummer eines 40-jährigen tunesischen Staatsangehörigen gespeichert hatte. Die weiteren Ermittlungen deuten darauf hin, dass er in den Anschlag eingebunden gewesen sein könnte. Er wurde deshalb vorläufig festgenommen. Inwieweit sich der bestehende Verdacht gegen den Festgenommenen weiter erhärten lässt, bleibt den weiteren Ermittlungen vorbehalten.


Bis zum Ablauf des morgigen Tages wird geprüft, ob gegen ihn Haftbefehl beantragt werden wird."

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