U-Bahnhof Schönleinstraße

Unbekannte wollten Obdachlosen in Neukölln anzünden

Die Polizei ermittelt wegen versuchtes Mordes gegen fünf bis sechs Unbekannte. Sie hatten Kleidungsstücke des Mannes angezündet.

U-Bahnhof Schönleinstraße

U-Bahnhof Schönleinstraße

Foto: dpa/Paul Zinken

Auf einem U-Bahnhof in Berlin haben Unbekannte in der Nacht zum ersten Weihnachtstag versucht, einen schlafenden Obdachlosen anzuzünden. „Der Mann blieb unverletzt“, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag. Die Habseligkeiten des 37-Jährigen hätten aber gebrannt. Bisher geht die Polizei von fünf bis sechs Tätern aus. Die Fahndung läuft, die Kriminalpolizei ermittelt wegen versuchten Mordes. Der U-Bahnhof Schönleinstraße an der Grenze der Stadtteile Kreuzberg und Neukölln wird mit Videokameras überwacht.

Nach dpa-Informationen lag der Obdachlose im U-Bahnhof auf einer Bank und schlief, als er mit einem brennenden Gegenstand attackiert wurde. Die Täter zündeten seine Kleidungsstücke an, heißt es im Polizeibericht.

Nur dem beherzten und sofortigen Eingreifen mehrerer Passanten sei es zu verdanken, dass der offenbar alkoholisierte Mann unverletzt blieb, sagte ein Polizeisprecher. Die Helfer hätten die Flammen an dem Papier gelöscht, mit dem sich der Mann offenbar zugedeckt hatte.

Nach anderen Angaben hatte der Obdachlose die Gefahr zunächst selbst bemerkt und seinen Schlafplatz verlassen. Der Fahrer einer U-Bahn sah den Brand und kam mit einem Feuerlöscher zu Hilfe.

Über seinen Sprecher Martin Pallgen teilte Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) am Sonntag zu dem Vorfall mit: "In diesen Tagen sollten wir Nächstenliebe erwarten. Stattdessen erleben wir Menschenverachtung. Ich bin entsetzt und danke allen, die beherzt geholfen haben. Das ist Mitmenschlichkeit."

BVG: „Solche Gewaltvorfälle häufen sich nicht"

Bisher gebe es noch keinen Zeugenaufruf, sagte der Polizeisprecher. Erst kürzlich hatte der Fall eines U-Bahn-Treters in Neukölln bundesweit Empörung ausgelöst. Ein Mann hatte einer Frau unvermittelt auf einer Treppe in den Rücken getreten - die Frau stürzte und brach sich einen Arm. Der Tatverdächtige wurde inzwischen gefasst.

Gegen den 27-Jährigen werde weiter wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Berlin. Es sei nicht damit zu rechnen, dass die Ermittlungen auf ein versuchtes Tötungsdelikt ausgeweitet werden. Die Polizei hatte Kritik auf sich gezogen, weil sie erst nach mehreren Wochen mit Videobildern nach dem Täter suchte.

„Solche Gewaltvorfälle häufen sich nicht“, betonte Petra Reetz, Sprecherin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) am Sonntag. Die BVG habe 2011 einen Höhepunkt mit 880 Gewalttaten gegen Menschen registriert. Seitdem seien die Zahlen stark zurückgegangen - 2015 seien es 484 Gewalttaten gewesen. „Es spricht sich herum, dass die Bahnhöfe videoüberwacht sind“, sagte Reetz. Es komme oft nur zu Taten im Affekt.

Angriffe auf Obdachlose haben nicht zugenommen

Angriffe auf Berliner Obdachlose hätten nicht zugenommen, sagte Dieter Puhl, Leiter der Bahnhofsmission, die in der Hauptstadt vielen Menschen auf der Straße hilft. „Was passiert ist, tut mir sehr leid. Aber aus meiner Sicht häuft sich das nicht.“

In Berlin haben Tausende Menschen keine Wohnung. Die genaue Zahl ist unbekannt - geschätzt wird sie je nach Quelle und Definition auf 3000 bis 10 000. Experten gehen von zunehmender Obdach- und Wohnungslosigkeit in der Hauptstadt aus. Die Berliner Kälthilfe bietet in diesem Winter rund 700 Schlafplätze.

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) öffnen im Winter nachts traditionell einige U-Bahnhöfe für Schutz- und Wärmesuchende. In der Weihnachtsnacht war am U-Bahnhof Schönleinstraße aber regulär Betrieb. Die Züge fahren während der Feiertage rund um die Uhr.

Wenn Ihnen ein hilfloser Obdachloser auffällt, der nicht mehr aus eigener Kraft eine Kälte-Notübernachtung aufsuchen kann, kontaktieren Sie bitte den "Kältebus" der Berliner Stadtmission unter der Telefonnummer 0178 523 58 38.