500 Anwohner betroffen

250-Kilo-Weltkriegsbombe in Zehlendorf entschärft

Bauarbeiter stießen in der Johannesstraße auf eine Weltkriegsbombe. Um kurz nach 18 Uhr war das 250-Kilo-Geschoss entschärft.

Der Fund der Bombe im Süden Zehlendorfs hatte am Donnerstag für gehöriges Aufsehen gesorgt und viele Aktivitäten ausgelöst. Gegen 17 Uhr hatte die Entschärfung begonnen, um 17.50 Uhr war der Zünder entfernt. Um kurz nach 18 Uhr gab es schließlich Entwarnung. Die Bombe war entschärft.

Die Polizei war mit 150 Beamten im Einsatz, die Feuerwehr mit 20, zudem war das Deutsche Rote Kreuz und der Katastrophenschutz des Bezirks Steglitz-Zehlendorf an der Evakuierung beteiligt. Für die mit der Räumung betrauten Einsatzkräfte war es ein Glücksfall, dass die Verlegung der Patienten im Behring-Krankenhaus vom Klinikpersonal allein bewerkstelligt werden konnte. Nach Angaben des Klinikgeschäftsführers Ralf Lange mussten innerhalb des weitläufigen Klinikareals insgesamt 120 Patienten verlegt werden. Damit wurde gegen 15 Uhr begonnen. Wer mobil war, konnte sich in Aufenthaltsräume begeben oder in der Caféteria aufhalten. Die bettlägerigen Patienten wurden in Stationen gebracht, die außerhalb der Sperrzone liegen. Die Walterhöferstraße mit der Klinik-Zufahrt befand sich außerhalb des Sperrkreises und blieb für Verkehrsteilnehmer befahrbar.

Der Sprengkörper war laut Polizei gegen 9.20 Uhr auf einem Grundstück an der Johannesstraße 19 bei Bauarbeiten entdeckt worden. Dort entstehen derzeit neue Wohnungen. Es handelte sich um eine Fliegerbombe deutscher Herkunft, die mit einem russischen Zünder versehen wurde, sagte ein Polizeisprecher.

Rund 500 Anwohner und 120 Klinikpatienten betroffen

Die Kampfmittelräumexperten hätten nach der Begutachtung des explosiven Fundes entschieden, dass die Bombe vor Ort entschärft werden müsse. Daraufhin wurde umgehend ein Sperrkreis mit einem Radius von 250 Metern rings um den Fundort eingerichtet. Zur zusätzlichen Sicherheit wurde auf dem Baugrund über der Bombe ein Zelt aufgebaut, der Blindgänger mit einer Decke bedeckt und Baustoffe rings um das Zelt platziert.

Das zu räumende Gebiet umfasste den glücklicherweise nur recht dünn besiedelten Bereich von der Straße Gimpelsteig im Norden, den Teltower Damm im Westen, östlich bis zum Hubschrauberlandeplatz der Helios-Klinik und die nördliche Spitze der Leuchtenburgstraße im Süden. Der Musiker Claus-Conrad Zieme wohnt direkt gegenüber vom Bombenfundort und wurde von Polizisten informiert, die von Haus zu Haus gingen. „Ich habe alle meine wertvollsten Sachen eingepackt und hoffe, dass mein Haus noch steht, wenn ich wiederkomme“, sagte er. In seinen Kombi hatte der Mittelalter-Musiker seine Harfen, Trommel, CDs verstaut. Zudem hatte er rasch einen Sack mit allen wichtigen Sachen, dass er außerhalb schlafen könne, gepackt und im Wagen verstaut.

Auch zwei Studenten wurden von der errichteten Sperrzone überrascht. Alexey Aghabeygi und Cassian Horch (beide 21) wollten gerade umziehen. Dumm nur für die beiden, dass ihr Ziel sich plötzlich im Sperrbezirk befand. Die jungen Männer nehmen es mit Humor und beschlossen, die Entschärfung am Rande der gesperrten Zone abzuwarten. „Wir machen es uns jetzt hier gemütlich. Wir haben ja praktischerweise alles mit“, sagte Alexey der Berliner Morgenpost. Die Studenten hätten sogar überlegt, ein provisorisches Café einzurichten. „Dann könnten wir hier Kaffee ausschenken.“

Von der Räumung betroffen waren auch eine Kindertagesstätte und ein Seniorenheim. Gegen 14 Uhr begann die Polizei, die rund 500 Anwohner per Lautsprecherdurchsagen zum Verlassen ihrer Häuser aufzufordern. Für Anwohner die keinen Anlaufpunkt hatten, wurde die Turnhalle der John-F. Kennedy-Schule als vorübergehender Aufenthaltsort eingerichtet. Die Schule am Teltower Damm befand sich, wie die Biesalski-Grundschule und die Schweizerhof-Grundschule, außerhalb des Sperrkreises.