Ludwigsfelde

17-jähriger Flüchtling ersticht 18-jährigen Flüchtling

Am Sonntagabend kam es in Ludwigsfelde zu einem Tötungsdelikt. Das Opfer starb noch im Rettungswagen.

Einsatzkräfte am Tatort

Einsatzkräfte am Tatort

Foto: Thomas Peise

Ludwigsfelde. Blutspritzer sind auf dem Boden verteilt, rings herum weht Flatterband im Wind. Kripobeamte sichern am Montagmorgen in dem abgesperrten Bereich akribisch Spuren. An der Robert-Koch-Straße in Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) hat sich Stunden zuvor gegenüber einer Kita ein tödliches Drama zwischen zwei jugendlichen Flüchtlingen ereignet.

Ein 18-Jähriger aus Afghanistan ist erstochen worden. Dringend tatverdächtig ist ein 17 Jahre alter Afrikaner. Er stammt aus Gambia. Die Polizei hat ihn kurz nach der Bluttat festgenommen. Gegen ihn ermittelt die Kripo wegen des Verdachts eines Tötungsdeliktes. Der mutmaßliche Täter und das Opfer kannten sich. Über die Hintergründe des Verbrechens ist noch nichts bekannt. Das Motiv für den tödlichen Streit war auch am Dienstagvormittag weiter unklar.

Zu den dramatischen Ereignissen ist es vermutlich gegen 21 Uhr am Sonntagabend gekommen. Nach den Angaben von Polizeisprecher Axel Schugardt rief eine Passantin um 21.10 Uhr in der Rettungsleitstelle an und teilte mit, dass sie am Straßenrand der Robert-Koch-Straße einen schwer verletzten Mann gefunden habe. Der Verletzte hatte mehrere Stichwunden im Oberkörper. Obwohl Notarzt und Sanitäter schnell bei dem 18-Jährigen waren, schaffte es der junge Mann nicht mehr in das in Sichtweite liegende Krankenhaus. Die Verletzungen waren so schwer, dass er ihnen noch im Rettungswagen erlag.

Spezialeinsatzkommando angefordert

Schon bei ersten Zeugenbefragungen erfuhr die Polizei, dass es zuvor auf der Straße „zu Streitigkeiten und einer Auseinandersetzung zwischen dem späteren Opfer und einer weiteren Person gekommen war, in deren Verlauf das Opfer die Stichverletzungen davontrug“, berichtete der Polizeisprecher weiter. Der Messerstecher war nach der Tat weggelaufen. Die Zeugenaussagen und weiteren Ermittlungen der Polizei erbrachten schnell eine Spur, die die Beamten in eine Flüchtlingsunterkunft in der 25.000-Einwohner-Stadt nur rund zehn Kilometer südlich Berlins führte. Der 17-jährige Gambier geriet in Verdacht.

Er war in die Einrichtung für minderjährige und unbegleitete Flüchtlinge zurückgekehrt, in der sowohl er als auch das Opfer lebten. Sie wird vom Evangelischen Jugendwerk Teltow-Fläming geführt. In Brandenburg leben nach Angaben des Jugendministeriums mehr als 1400 unbegleitete Flüchtlinge. Sie sind in Pflegefamilien, in Heimen mit deutschen jungen Leuten oder in normalen Gemeinschaftsunterkünften untergebracht.

Da die Polizei vermutete, dass der Afrikaner noch das Tatmesser bei sich haben könnte, wurde ein Spezialeinsatzkommando angefordert. Kurz vor Mitternacht überwältigten die Beamten den Jugendlichen und brachten ihn in eine Haftzelle.

Auch am Montag hatte die ermittelnde Mordkommission noch keine näheren Erkenntnisse darüber, was zu dem tödlichen Drama zwischen den beiden Jugendlichen geführt hat. Die Untersuchungen gestalten sich langwierig, da die Vernehmungen des Festgenommenen sowie die Befragungen der Zeugen unterschiedlicher Nationalitäten mit Unterstützung von Dolmetschern geführt werden müssen.

Mehrere Gewalttaten in Unterkünften begangen

Ein Tatmotiv könnten religiöse oder gesellschaftspolitische Streitigkeiten sein. Immer wieder weisen Flüchtlingsbetreuer auch darauf hin, dass sich in den Unterkünften bei Bewohnern aufgrund der Enge Aggressionen entwickeln. Die Ludwigsfelder Gewalttat ist kein Einzelfall. Allein am vergangenen Wochenende kam es im Kreis Teltow-Fläming zu zwei weiteren Vorfällen in Flüchtlingsunterkünften. Am Sonntagabend teilte ein Anrufer der Polizei mit, dass ein 51-jähriger russischer Staatsangehöriger und Asylbewerber einen 59-jährigen Wachschutzmitarbeiter in einer Unterkunft in Jüterbog am Waldauer Weg mit einem Messer bedroht hatte.

Wie ein Sprecher der Polizei am Montag mitteilte, hatte der Asylbewerber außerdem mit dem Messer in dem Heim in einen Hefter gestochen, den sich der angegriffene Sicherheitsmitarbeiter schützend vor den Oberkörper gehalten hatte. Dies hat ihn vermutlich vor einer schweren Verletzung bewahrt. Der Täter war den weiteren Angaben der Polizei zufolge volltrunken, bei ihm sei ein Alkoholwert vor 1,95 Promille ermittelt worden. Der 51-Jährige wurde von der Polizei überwältigt und ins Gewahrsam genommen. Das Messer wurde bei der Absuche des Tatortes gefunden und sichergestellt.

Bereits am Sonnabendabend war es in Niedergörsdorf zu einem Fall von häuslicher Gewalt im Asylbewerberheim gekommen. Abends gegen 21 Uhr hatte ein Zeuge die Polizei unterrichtet. Nach den Angaben eines Polizeisprechers vom Montag war eine 31-jährige Iranerin von ihrem 37 Jahre alten Ehemann mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen worden. Außerdem hatte der Täter, der ebenfalls Iraner ist, seine Frau gewürgt. Das Opfer und ihr fünf Jahre alter Sohn kamen in eine Notunterkunft. Die Ermittlungen der Polizei über den genauen Hergang der Tat dauern an, weitere Einzelheiten waren am Montag noch nicht bekannt.