Berlin-Buch

Polizei geht von Brandstiftung in Flüchtlingsunterkunft aus

Das Feuer in der Containerunterkunft in Berlin-Buch wurde offenbar vorsätzlich gelegt. 170 Bewohner müssen nun umziehen.

Foto: Morris Pudwell

Nach einem Brand in einer Flüchtlingsunterkunft an der Groscurthstraße im Pankower Ortsteil Buch geht die Polizei derzeit von vorsätzlicher Brandstiftung aus. Nähere Angaben wollte die Polizei mit Hinweis auf die erst begonnenen Ermittlungen nicht machen. Sechs Bewohner erlitten bei dem Feuer in der Nacht zum Montag leichte Rauchgasvergiftungen und mussten von Rettungskräften der Feuerwehr vor Ort behandelt werden, wie die Beamten mitteilten. Die Hintergründe der Tat waren noch unklar, die Ermittlungen übernahm der für politisch motivierte Straftaten zuständige Staatsschutz.

Nach Auskunft der für die Flüchtlingsunterbringung zuständigen Senatssozialverwaltung brach das Feuer am frühen Montagmorgen gegen 3.10 Uhr aus. Das Containerdorf, in dem rund 550 Flüchtlinge untergebracht sind (Stand 22. Juli), besteht aus drei Häusern. Das Feuer entstand im Haus eins, in dem 185 Menschen leben – in einem Raum im Erdgeschoss, in dem Kinderwagen abgestellt sind. Die Flammen breiteten sich nach Angaben der Feuerwehr auf Wohnräume im ersten und zweiten Obergeschoss aus. Vorsorglich wurden Strom und Wasser abgestellt, so dass die meisten Bewohner dieses Traktes vorübergehend in einem Ausweichquartier untergebracht werden müssen. Die beiden weiteren Häuser der Gemeinschaftsunterkunft, die von der Arbeiterwohlfahrt (Awo), Kreisverband Mitte, betrieben wird, blieben unbeschädigt und können weiter von den Flüchtlingen bewohnt werden.

Brand in Flüchtlingsunterkunft
Video: Brand in Flüchtlingsunterkunft

Stromversorgung muss erneuert werden

Alle 185 betroffenen Flüchtlinge müssten umziehen, sagte Regina Kneiding, Sprecherin von Sozialsenator Mario Czaja (CDU), der Berliner Morgenpost. Das bestätigte auch der Kreisvorsitzende der Awo Mitte, Manfred Nowak. Die Stromversorgung in Haus eins sei durch das Feuer beschädigt worden, außerdem sei die Geruchsbelästigung durch den Brand unzumutbar, sagte Nowak, nachdem er sich ein Bild gemacht hatte. Die Betroffenen sollten noch am Montag alle in einer Turnhalle an der Glienicker Straße in Bohnsdorf (Treptow-Köpenick) untergebracht werden, also am anderen Ende der Stadt.

Solche Umzüge sollen zwar insbesondere wegen der Schulkinder vermieden werden, der Sozialverwaltung war es allerdings wichtiger, sämtliche betroffenen Bewohner in eine Unterkunft verlegen zu können. „Eine Verteilung in verschiedene Unterkünfte über mehrere Bezirke kann so vermieden werden“, sagte Kneiding. Wie lange die von dem geplanten Umzug betroffenen Asylbewerber in der Notunterkunft bleiben müssen, war am Montag noch offen. Die Schadensbegutachtung dauere an, das Ausmaß der Sanierungsarbeiten sei noch unklar, erklärte die Sprecherin der Sozialverwaltung. Sie wies auch darauf hin, dass Reparaturen in einer Containerunterkunft wegen der speziellen Bauweise kompliziert seien.

Bus fuhr Flüchtlinge zur Ersatzunterkunft

Am Abend hielt ein weißer Bus vor der Flüchtlingsunterkunft und nahm erste Bewohner auf, um diese zu ihrem Ersatzquartier zu fahren. Das Gepäck und einige Einrichtungsgegenstände wurden auf einen Mercedes-Transporter geladen und hinterhergefahren.

Innensenator Frank Henkel (CDU) zeigte sich am Montagabend erleichtert darüber, dass niemand ernsthaft verletzt wurde. Die Polizei ermittele mit Hochdruck. Der Innensenator versicherte, dass die Polizei den Vorfall sehr ernst nehme und mit der gebotenen Sensibilität vorgehe. Henkel sagte weiter: „Ich empfehle jedoch jedem, beim jetzigen Stand der Ermittlungen keine Vorfestlegung in irgendeine Richtung zu treffen.“ In einer gemeinsamen Erklärung verurteilten der integrationspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Rainer-Michael Lehmann, und die sozialpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Elke Breitenbach, den Brandanschlag.

Die AWO hat im Wohngebiet um die Flüchtlingsunterkunft einen Zettel verteilt, auf welchem sie in mehreren Sprachen Zeugen darum bittet, sich bei der Polizei zu melden. Damit soll die Brandursache geklärt werden.