Prenzlauer Berg

Schüler bei Verpuffung im Chemie-Unterricht schwer verletzt

Bei einer Verpuffung im Chemie-Unterricht an der Heinrich-Schliemann-Oberschule in Prenzlauer Berg ist am Dienstag ein Schüler schwer verletzt worden. Auch vier weitere Schüler erlitten Verletzungen.

Foto: Amin Akhtar

Vier Schüler und ein Lehrer sind am Dienstag bei einem Unfall im Schulunterricht in Prenzlauer Berg verletzt worden. Während des Chemieunterrichts in der Heinrich-Schliemann-Oberschule war es aus noch ungeklärter Ursache zu einer Verpuffung gekommen. Ein schwer verletzter Jugendlicher wird mit Verbrennungen im Berliner Unfallkrankenhaus versorgt. Entgegen ersten Befürchtungen wurde der Schüler nach Angaben der Klinik jedoch nicht lebensgefährlich verletzt.

Nach Angaben der Berliner Feuerwehr wurden die Rettungskräfte um 13.54 Uhr alarmiert und rückten zur Bildungseinrichtung an der Dunckerstraße aus. Wie der Einsatzleiter der Leitstelle mitteilte, hatte sich offenbar bei einem Versuchsaufbau eine nicht näher bekannte Menge Brennspiritus unkontrolliert entzündet.

Ein Löscheinsatz war nicht notwendig. Doch einen der Schüler hatte die bei der Verpuffung entstandene Stichflamme besonders heftig getroffen. Der Jugendliche habe auf etwa 25 Prozent der Hautoberfläche Verbrennungen zweiten und dritten Grades erlitten, hieß es zunächst. Der Junge wurde zur Behandlung mit einem Rettungswagen ins Unfallkrankenhaus Berlin nach Marzahn (UKB) gebracht.

Die erste Diagnose in der auch für Brandverletzungen spezialisierten Klinik fiel glücklicherweise deutlich moderater aus. Der Schüler habe Verbrennungen im Gesicht, am Oberkörper und den Armen, die indes „oberflächlich“ eingestuft würden und etwa sieben bis acht Prozent der Hautoberfläche betreffen würden, hieß es auf Anfrage der Berliner Morgenpost. Der Patient wird auf der Intensivstation medizinisch versorgt und künstlich beatmet. Es besteht aber keine Lebensgefahr, teilte die Klinik weiter mit.

Ermittlungen der Polizei

Der Chemielehrer war bei dem Unglück ebenfalls verletzt worden, lehnte jedoch gegenüber den Rettungssanitätern eine medizinische Versorgung ab. Mehr Glück hatten vier weitere Schüler, die laut Feuerwehr mit leichteren Verletzungen davon gekommen waren. Sie hätten nach Angaben der Feuerwehr von den Sanitätern nicht behandelt werden müssen. Die Polizei wird die Ursachen des Zwischenfalls überprüfen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit würden Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung aufgenommen, sagte ein Polizeisprecher.

Die Senats-Bildungsverwaltung war am Dienstag über den Zwischenfall noch nicht informiert und konnte keine Stellungnahme zu dem Vorgang abgeben. Die Heinrich-Schliemann-Oberschule ist ein humanistisches Gymnasium im Ortsteil Prenzlauer Berg. An der zweistufigen Oberschule werden nach eigenen Angaben insgesamt 830 Schülerinnen und Schüler von rund 70 Lehrern unterrichtet.

Folgenschwere Unfälle im Chemie-Unterricht

Gerade im Chemieunterricht kommt es an Schulen immer wieder zu folgenschweren Unfällen. So wurden erst im Dezember vorigen Jahres 16 Schüler eines Gymnasiums in Grevesmühlen (Mecklenburg-Vorpommern) verletzt, weil eine Flasche mit flüssigem Brom zu Boden gefallen war.

Die Kinder im Alter von 12 und 13 Jahren hatten laut Polizei über Übelkeit und Kopfschmerzen geklagt, auch zehn weitere Schüler kamen vorsorglich in eine Klinik. Brom ist ein giftiger Stoff, der ätzende Dämpfe entwickelt. In Berlin sind in Zehlendorf im April 2010 zwei Lehrer und vier Schüler bei einem Unfall mit Brom verletzt worden. Eine Lehrerin erlitt Verätzungen an den Armen, die anderen kamen mit Atemwegsreizungen davon.

Im Oktober 2014 hatten zwei 15 und 16 Jahre alte Realschüler im oberfränkischen Burgkunstadt mittelschwere Brandverletzungen bei einer Verpuffung im Chemieunterricht erlitten. Brennbare Flüssigkeiten hatten sich beim Umfüllen plötzlich entzündet. Die Jugendlichen hatten am Bauch, am Oberschenkel und einem Unterarm Brandverletzungen und wurden per Helikopter in eine Spezialklinik nach Erfurt geflogen.

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